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Leverkusen
Tragisches DDR-Schicksal bewegt im Haus Upladin

Leverkusen. Die Lebensgeschichte des Grenzers Smolka rührte im Haus Upladin die Zuhörer an. Vor allem weil seine Geschwister darüber berichteten. Von Jim Decker

Diese Frage, das belegt die urplötzlich eintretende stählerne Stille, traf die beiden Geschwister vorn auf dem Podium ins Mark. Was das Verschwinden des damals 30-jährigen Manfred Smolka für die Familie bedeutet habe, wollte der Reporter wissen. Doch so einfach ist das nicht zu erklären. Die beiden Geschwister Smolkas, seine Schwester Brigitta Meier und sein jüngerer Bruder Roland Smolka mussten sich erst sammeln. Auch mehr als 55 Jahre nachdem der ehemalige Grenzer Manfred Smolka aus der DDR in die BRD floh und bei dem Versuch, Frau und Kinder nachzuholen, festgenommen und schließlich hingerichtet wurde, wiegt sein Schicksal schwer. "Er wollte am Sonntag zurück sein. Und als er auch am Dienstag nicht da war, wusste ich, dass etwas passiert ist", brachte Meier hervor. Sein im Westen gemietetes Auto habe man verlassen unweit der Grenze gefunden. Zeitgleich habe die Mutter der Smolkas der Schwester im Westen geschrieben, der Bruder sei verhaftet worden.

Persönliche Einblicke tief in das Seelenleben der Familie, deren Sohn, Bruder, Vater und Ehemann 1960 als angeblicher Spion im Osten enthauptet wurde, gewährten die Angehörigen und Hans-Jürgen Grasemann, DDR-Experte, am Dienstagabend im Haus Upladin bei ihrem Vortrag. "Der Fall Smolka ist exemplarisch und wichtig, aber dennoch einer von vielen", beklagte Grasemann.

Das Schicksal Manfred Smolkas aber ist besonders beispielhaft. Kein Brief an Verwandte erreichte die Empfänger je ungeöffnet, Hunderte ließ das Ministerium für Staatssicherheit gar komplett aus dem Verkehr ziehen. "Was muss das für ein Gefühl sein immer zu schreiben - aber nie eine Antwort zu erhalten?", fragte Meier. Auch der Prozess - eine Farce. Auf Bitten des Sohnes hin versucht die Mutter, einen Anwalt zu engagieren. Doch der entgegnet nur: "Sparen Sie Ihr Geld. Ich kann sowieso nichts für ihren Sohn tun." Das Urteil steht längst fest. Unterlagen belegen, dass die Partei das Todesurteil schon unterzeichnet hatte.

Was bleibt, sind viele Fragen. Etwa, wieso zwei amerikanische Agenten bei der Festnahme Smolkas auf westdeutschem Boden nicht eingriffen, obwohl das die Ergreifung verhindert hätte. Die Ohnmacht ist noch immer spürbar in der Familie Smolka. Die Tochter musste bei der Großmutter aufwachsen, weil Manfreds Ehefrau zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt wird. Roland Smolka wurde tagtäglich von der Stasi überwacht. Selbst wo genau sich Manfred Smolkas Grab heute befindet, kann niemand sagen. Nur Aufklären könne man, sagt Brigitta Meier. Und niemals vergessen: "Meine Enkel kennen das Familienschicksal. Ich habe sie darum gebeten, es in der Schule anzusprechen. Meine Enkelin hat daraufhin ein Interview mit mir darüber geführt. Das ist alles, was ich tun kann."

Quelle: RP
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