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Leverkusen
Traumatischer Banküberfall

Leverkusen. Noch immer kämpfen Angestellte der Sparkasse in Schlebusch mit den Folgen des Überfalls vor gut einem Jahr. Seit gestern wird einem der beiden Täter am Kölner Landgericht der Prozess gemacht. Das Urteil soll Donnerstag fallen. Von Roman Zilles

Alles ging sehr schnell: Ein Täter bewegte sich mit Pistole in der Hand zielstrebig zum Kassenschalter, reichte der Bankmitarbeiterin eine Stofftasche mit den Worten: "alles hier rein, schnell, schnell". Sein ebenfalls bewaffneter Komplize hielt derweil Kunden und Angestellte im Servicebereich der Sparkasse in Schach. Alle mussten sich auf den Boden legen. Ein Mitarbeiter kam der Forderung nicht gleich nach und bekam die Pistole auf die Brust gesetzt.

Der Überfall im Februar 2009 war nach rund einer Minute vorbei. Nachwirkungen sind bis heute geblieben. Mitarbeiterinnen der Bank berichteten gestern am Landgericht in Köln über die Tat und die Folgen: "Wie versteinert", erzählen Sparkassen-Angestellte, seien sie damals gewesen – mitunter habe sich ihre Psyche nicht erholt: Schlafstörungen, Alpträume und immer wieder unangenehme Situationen im Alltag verfolgen die Betroffenen zum Teil noch immer. Eine Frau war vier Wochen krank geschrieben, dann vier Monate in psychologischer Behandlung.

Gestern standen die Opfer einem der Täter gegenüber. Der war sichtlich um guten Eindruck bemüht: Im schwarzen Anzug und mit Krawatte erschien er aus der Untersuchungshaft in Ossendorf. Sein Verteidiger gibt Richter Karl-Heinz Schumacher vor Verhandlungsbeginn auf den Weg, dass es "heute keine großen Schwierigkeiten geben wird". Sprich: Sein Mandant, ein 23-Jähriger aus Rheindorf, hat sich zu einem Geständnis durchgerungen: Er habe Spielschulden gehabt und sich daher von einem Bekannten zum Überfall überreden lassen. Die Waffen (eine C02- und Schreckschusspistole) seien nicht geladen gewesen. Sein 21-jähriger Komplize wurde bereits am Amtsgericht in Leverkusen verurteilt: dreieinhalb Jahre Jugendstrafe.

Seine Schulden konnte das Duo damals durch die Beute aus der Sparkasse locker begleichen: Gut 47 000 Euro haben sie laut Staatsanwältin erbeutet, die jungen Männer behaupteten, die Summe habe zwischen 44 000 und 46 000 Euro gelegen. Geld, Kleidung (sie trugen beim Überfall Sportbekleidung und darunter ihre "normalen" Klamotten), Waffen wollen sie während der Flucht in einem Waldstück zunächst vergraben haben. Die Beute hätten sie sich anderthalb Tage später geholt – um sie in Spielautomaten und Drogen zu stecken.

Zwar wird der Prozess durch das Geständnis des 23-Jährigen abgekürzt, da einige Zeugen nun nicht mehr den Weg nach Köln antreten müssen. Allerdings kamen die Juristen gestern nicht wie erhofft zu einem Urteil. Das soll nun am Donnerstag gesprochen werden.

Quelle: RP
 
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