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Leverkusen/Leichlingen
Traumberuf Polizist

Leverkusen/Leichlingen: Traumberuf Polizist
Polizeitraining einer Hundertschaft auf einem Übungsplatz in der Eifel (Archiv). FOTO: Bretz, Andreas
Leverkusen/Leichlingen. Die Schockwirkung - etwa der Gewaltexzesse beim G 20-Gipfel in Hamburg - ist offenbar nicht groß genug, um junge Menschen vom Polizeidienst abzuhalten. Auch im Leverkusener Umfeld werden steigende Bewerberzahlen gemeldet. Von Bernd Bussang

Auf vielen Kinderbildern ist es immer wieder zu sehen. Das Polizeimotorrad aus Kunststoff im Miniformat, auf dem stolz die dreijährige Alexandra sitzt und lächelt. 42 Jahre später hat sich ein Kindheitstraum längst erfüllt. "Ich wollte immer schon Polizistin werden", sagt die Beamtin, die im Kölner Polizeipräsidium als Einstellungsberaterin arbeitet. Natürlich seien die jüngsten Gewaltexzesse beim Hamburger Gipfel auch ihr Thema. "Als ich die Bilder zum ersten Mal sah, hätte ich weinen können", sagt die 45-jährige Polizistin. Nachwuchssorgen hat das Kölner Präsidium, das auch für Leverkusen zuständig ist, deshalb aber nicht. Im Gegenteil: Die Tendenz bei den Bewerberzahlen ist in den vergangenen Jahren eher steigend.

2300 Plätze für den Bachelorstudiengang Polizeikommissar/-in hat das Land für 2018 zu vergeben. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 4. Oktober. "Wir erhoffen uns aber auch in diesem Jahr landesweit wieder 9000 Bewerbungen plus X und für unseren Kreis etwa 150", sagt Peter Tilmans, Einstellungsberater bei der Kreispolizei in Bergisch Gladbach und somit auch für Leichlingen zuständig. Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass rund 50 Prozent der Bewerbungen erst in den letzten zwei bis drei Wochen eingingen. "Die cleveren interessierten jungen Leute warten aber nicht bis zum Schluss, sondern bewerben sich frühzeitig, um entsprechend schnell eine Einladung zum Einstellungstest zu bekommen", sagt Tilmans.

Beide Einstellungsberater kommen viel rum. Sie gehen etwa in Schulen oder auf Ausbildungsmessen und sprechen mit vielen jungen Menschen. Dass zunehmende Terrorgefahr sowie vermehrte Gewalt gegen Polizisten und Rettungskräfte den Job nicht gerade leichter mache, werde von "beiden Seiten offen angesprochen", sagt Alexandra Ahaus. "Darüber muss man vor allem mit den Eltern sprechen". Ahaus Botschaft lautet: "Polizist kann ein gefährlicher Beruf sein" - doch eine Professionelle Aus- und konsequente Fortbildung wappne den Bewerber für seine künftigen Aufgaben. Und: "Einsätze wie in Hamburg bleiben die Ausnahme."

Die Motive der jungen Menschen, die sich für den Polizeiberuf interessieren, sind vielfältig. Sie reichen vom "Kindheitstraum", wie bei Alexandra Ahaus selbst, über das Gerechtigkeitsmotiv, den Wunsch nach Teamarbeit und den Anspruch, keinen "Alltagsjob" machen zu müssen - bis hin zu Äußerungen wie: "Ich will dem Staat und seinen Menschen was zurückgeben." Dass familienfeindliche Schicht- und Wochenenddienste die Freude am Job auch trüben könnten, sei vor allem jenen Bewerbern bewusst, die Polizisten im Verwandten- oder Bekanntenkreis hätten, sagt Ahaus.

Die Voraussetzungen für eine Bewerbung für die Laufbahn im gehobenen Dienst sind übrigens breitgefächert. Abitur ist prima, muss aber nicht sein, es reicht gegebenenfalls auch eine abgeschlossene Ausbildung mit dreijähriger Berufserfahrung. Gesundheit und körperliche Fitness allerdings sind ein Muss. Das Sportabzeichen wird ebenso verlangt wie ein Rettungsschwimmer Abzeichen. In einem dreitägigen Aufnahmeverfahren müssen die Bewerber einem Computertest unterziehen, in dem neben Allgemeinwissen auch Orientierungsfähigkeit und Gedächtnisleistungen geprüft werden. In einem weiteren Auswahlverfahren sind etwa auch freie Vorträge und Rollenspiele Kriterien. Eine polizeiärztliche Untersuchung schließt die Prozedur ab.

Und schließlich: Eine Tätowierung - zu groß, an falscher Stelle oder mit anstößigem Inhalt - kann einen ansonsten für den Polizeiberuf geeigneten Bewerber immer noch zu Fall bringen.

Infotermine für Bewerber: Polizeipräsidium Köln, Walter-Pauli-Ring - 8.8,29.8.,12.9.,26.9. jeweils 18 Uhr. Kreispolizeistelle in Bergisch Gladbach, Hauptstraße 1 - 8.8, 29.8., jeweils 16.30 Uhr; Infos im Netz: www.polizeibewerbung.nrw.de

Quelle: RP
 
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