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Leverkusen
Tunnel statt Stelze: Maastricht als Vorbild?

Fotos: Bürger und Politik fordern "Tunnel statt Stelze"
Fotos: Bürger und Politik fordern "Tunnel statt Stelze" FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Eine Leverkusener Delegation will in der niederländischen Provinzhauptstadt den Bau eines City-Tunnels auswerten. Von Peter Korn

Der Name ist schon ausgewählt, auch wenn die Arbeiten noch längst nicht fertig sind: "König-Willem-Alexandertunnel" soll das doppelstöckige Bauwerk heißen - und angesichts der Bedeutung dieses Projekts für die niederländische Provinzhauptstadt hätte auch kein besserer Name gefunden werden können.

Demonstration "Tunnel statt Stelze" in Leverkusen

Die Autobahn 2 ist die wichtigste Nord-Süd-Verbindung der Niederlande und wird von unzähligen Fahrern genutzt. In Maastricht kommt es aber auf der A 2 täglich zu Staus - wegen der Ampelschaltungen. Lösen soll das Problem jetzt ein gigantischer Doppeldecker-Tunnel - der erste in Europa. Das 500 Millionen Euro teure Bauwerk könnte durchaus Vorbildcharakter für Leverkusen und die Pläne haben, die heutige Stelzen-Autobahn durch einen Tunnel zu ersetzen.

Etwa 80 Prozent des bisherigen Verkehrsaufkommens auf der Stadtautobahn will Maastricht auf diese Weise unter die Erde bringen - eine Fahrt von Norden nach Süden durchs Zentrum, die bisher oft 30 Minuten dauert, wäre künftig in drei Minuten erledigt. Rund 2,3 Kilometer Stadtgebiet sollen bis zum kommenden Jahr untertunnelt sein.

Die Niederländer geben 500 Millionen Euro aus, um ein Stück menschenwürdige Stadt zu schaffen. Der Bau der Rheinbrücke bei Leverkusen dürfte kaum billiger werden. FOTO: Informationszentrum A2 Maastricht

Mehr als 1,4 Millionen Kubikmeter Erde, Kies und Mergel wurden bereits fortgeschafft, an manchen Tagen waren mehr als 450 Lastwagen im Einsatz.

Die Fortschritte sind auch entsprechend deutlich zu sehen: Die Einfahrten zum doppelstöckigen Tunnel sind fertig. Jeder Arbeitsschritt wird vom "Informatiecentrum A2 Maastricht" dokumentiert - unter der Internetadresse "a2maastricht.nl" gibt es Infotexte auf Holländisch und Englisch sowie regelmäßig Videos und Computeranimationen sowie eine Webcam.

Eine grüne Zukunft für eine autoreiche Stadt: Oben ist fast schon dörflich anmutende Straßenatmosphäre geplant, unterirdisch rollt die Masse des Verkehrs.

Auf zwei Ebenen soll später der innerstädtische vom Durchgangsverkehr getrennt werden. Darüber liegt dann das verkehrsberuhigte Zentrum, das fast komplett den Radfahrern und Fußgängern gehören soll, betont eine Sprecherin des zuständigen Projektbüros. Die Worte lesen sich gut: Maastricht solle den Bürgern zurückgegeben werden. Für "De Groene Loper", die grüne Ader, sind demnach allein 2000 Bäume vorgesehen.

Der Rijkswaterstaat als Abteilung des Verkehrsministeriums, die Provinz Limburg, die Stadt Maastricht sowie die Gemeinde Meersen teilen sich die Kosten des Projekts, das von der Bevölkerung nach Auskunft diverser öffentlicher Stellen von Beginn an positiv begleitet worden ist.

Die Leverkusener Bürgerinitiativen " Netzwerk gegen Lärm", " Interessengemeinschaft für Leverkusen und Köln" sowie die Stadtratsfraktion der Bürgerliste wollen sich durch die Arbeiten an dem Projekt nun vor Ort inspirieren lassen. Sie fahren am 20. August nach Maastricht, um sich den "König-Willem-Alexandertunnel" anzusehen. Maastrichter Stadtvertreter sollen dazukommen und Fragen beantworten.

Dabei wird die Delegation vermutlich vor allem bemerken, wie viel Transparenz die Projektverantwortlichen während der Arbeiten zulassen: Seit Beginn der Bauarbeiten gab es bisher jedes Jahr einen "Tag der offenen Baustelle", bei dem sich die Maastrichter auf dem "Bouwplats Avenue 2" umsehen konnten. Das hat der Akzeptanz sicher nicht geschadet.

Quelle: RP
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