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Leverkusen
Umbau der ehemaligen Bahner-Häuser läuft

Leverkusen. Der Wohnblock an der Friedrich-List-Straße wird modernisiert. Die Umlegung der Kosten auf die Mieter sorgt weiter für Unmut. Von Dorian Audersch

Den Zustand in seinem Haus beschreibt Reiner Houska mit einem Satz: "Es ist inzwischen ein ständiges Kommen und Gehen." Seit mehr als 40 Jahren wohnt er in dem Wohnblock an der Franz-List-Straße 7. An Hausnummer 9 ziehen Bauarbeiter derzeit Gerüste hoch, damit das zwölfgeschossige Wohnhaus saniert werden kann - im Auftrag der LEG Immobilien AG.

Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf gibt rund 1,5 Millionen Euro für die Maßnahme aus. Elf Prozent der Kosten werden auf die Mieter umgelegt. "Für viele im Haus ist das ein Schock", sagt Houska. Teilweise lägen die dann fälligen Mieterhöhungen bei bis zu 40 Prozent. "Alleine im letzten Monat sind vier Parteien ausgezogen. Wer kann, sucht sich eine günstigere Wohnung."

Die Umlegung der Kosten ist für die betroffenen Mieter unschön, aber sie ist rechtlich zulässig. Möglich macht das der "Modernisierungsparagraf": Nach § 559 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) ist es erlaubt, bis zu elf Prozent der Sanierungskosten auf die Mieter umzulegen. Davon macht LEG Immobilien Gebrauch.

Das Unternehmen modernisiert das Gebäude an der Friedrich-List-Straße 9, das insgesamt 34 Wohnungen umfasst, in zwei Bauabschnitten. Dabei werden im ersten Teil, der 23 Wohnungen beinhaltet, im Zeitraum von Juli bis Dezember folgende Maßnahmen umgesetzt: Sanierung der brüchigen Fassade und die Anbringung eines Wärmedämmverbundsystems, Erneuerung der Fenster und die Installation von Wandlüftern, Sanierung der Balkonböden, Einbau neuer Fensterelemente an den Balkonen, Sanierung des Flachdachs und die Erneuerung der Laubengangtüren.

"Von den 1,5 Millionen Euro Gesamtkosten trägt die LEG über 650.000 Euro selbst, denn dieses Geld fließt in die Instandhaltungsanteile, die nicht auf die Mieter umgelegt werden", sagt Unternehmenssprecher Mischa Lenz. Die übrigen Kosten werden hingegen umgelegt. Dabei handele es sich um Modernisierungen, die Wärmedämmung und CO2-Reduzierung garantieren. Das erhöhe auch die Wohnqualität deutlich. Ein weiteres Argument: Das Mitte der 1970er Jahre erbaute Gebäude werde in einen "zeitgemäßen Zustand" versetzt. Der Wärmebedarf werde erheblich redziert - und damit auch die Heizkosten.

"Auch wenn wir so umfassend modernisieren, verzichten wir dennoch darauf, die Kosten vollständig umzulegen - mit Augenmaß für die Leistbarkeit durch unsere Mieter", betont Lenz. "Daher haben wir von den gesetzlich möglichen Umlage von 4,10 Euro pro Quadratmeter Nettokaltmiete auf zwei Euro pro Quadratmeter verzichtet, um unsere Mieter nicht zu überfordern."

Für Reiner Houska ist das nur ein schwacher Trost: Er schaut sich nach mehr als 40 Jahren an der Franz-List-Straße längst nach günstigen Alternativen um. "Meine Pension ist ordentlich", sagt der ehemalige Bahner, "aber meine Frau erhält zum Beispiel nur eine kleine Rente. Es wird nicht leicht, für uns eine bezahlbare Wohnung zu finden."

Quelle: RP
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