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Postsriptum
Urlaubszeit, eine Katastrophe?

Leverkusen. Wer keine schulpflichtigen Kinder hat, sollte während der Sommerferien lieber zu Hause bleiben, denn das erspart volle Flughafenschalter, überlaufene Strände und das frühe Aufstehen, um am Hotelpool das Handtuch abzuwerfen, bevor es in die lange Schlange am Frühstücksbuffet geht. Wer also in den Sommerferien zu Hause bleiben kann, sollte das tun, auch aus einem andren Grund: Es ist so wunderbar entspannt in der Stadt. Kaum nervige Staus im Feierabendverkehr, keine lange Parkplatzsuche in vollgestellten Wohnquartieren, keine Schlangen an der Bäckertheke. Nun ja, es gibt dort offenbar auch sommerbedingte Ausfälle. "Schneide mir mal ein reines Roggenbrot", sagt die junge Bäckerei-Mitarbeiterin zu der noch jüngeren. "Haben wir nicht!", antwortet die jüngere. "Liegt doch da im Regal!", schallt es zurück. "Stimmt. Ich habe kleines Roggenbrot verstanden, und das ist nicht mehr da." - "Das reine aber schon." - "Soll ich es schneiden oder am Stück?" - "Schneiden bitte!". Die Ältere verzieht das Gesicht. Urlaubsvertretung? Von Bernd Bussang

Bitte nichts gegen Urlaubsvertretungen. Die sind offenbar schwer zu bekommen. Telefonat mit der Zeitarbeitsfirma: "Wir brauchen dringend eine Urlaubsvertretung!" - "Sorry, gibt es nicht." - "Warum nicht?" - "Kein Personal, ist ja Urlaubszeit." Schweigen.

Die "Urlaubszeit" hat also ihre Tücken, sie ist ein vielzitiertes Alibi für alles, was nicht klappt. Bei Behörden wie bei privaten Dienstleistern wird sie als Ausrede etwa in der Kategorie einer Naturkatastrophe verwendet. So nachdrücklich und verständnisfordernd wie: "Haben hier gerade einen Tsunami mit Stromausfall und schwerem Gebäudeschaden". Dabei ist doch nur Urlaubszeit. Wir stellen uns vor, wir alarmieren den Rettungsdienst oder die Polizei und erhalten zur Antwort: "Können keinen schicken, ist doch Urlaubszeit!"

Sollen wir uns also freuen, dass die Urlaubszeit nun bald zu Ende geht? Das tun wir nicht. Wir tun noch wenige Tage so, als seien wir im Urlaub. Im tiefen Süden. Wir sind entspannt, genießen die Ruhe und schauen auf leere Parkplätze als seien sie das Meer, und wir erwarten sonst nichts. Von niemandem.

Quelle: RP
 
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