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Oberbürgermeisterwahl in Leverkusen
SPD-"Shooting Star" Richrath stürmt ins Rathaus

Wahlabend in Leverkusen: Uwe Richrath (SPD) feiert seinen Sieg
Wahlabend in Leverkusen: Uwe Richrath (SPD) feiert seinen Sieg FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. Herbe Schlappe für Reinhard Buchhorn: Der CDU-Politiker ist bei der Wahl zum Oberbürgermeister am Sonntag mit 29,8 Prozent der Stimmen abgeschlagen hinter seinem SPD-Konkurrenten gelandet. Uwe Richrath kam auf 51,2 Prozent und erreichte damit die nötige absolute Mehrheit.

Das Gesetz der Serie hält: Seit Einführung des hauptamtlichen Oberbürgermeisters hat in Leverkusen bisher kein Stadtchef seine Erfahrung in einen Wahlsieg ummünzen können. So erging es Sonntagabend auch Reinhard Buchhorn (CDU), der von SPD-Herausforderer Uwe Richrath bereits im ersten Wahlgang besiegt wurde.

Der neue OB in Leverkusen: Uwe Richrath (SPD) mit seiner Frau Anne und seinem Sohn Paul. FOTO: Miserius

Es war kurz vor 19 Uhr im Leverkusener Rathaus, als Grünen-Ratsherr Gerd Wölwer den Fraktionsvorsitzenden der CDU, Thomas Eimermacher, im Vorbeigehen am Arm fasste und sagte: "Komm mit zu Reinhard." Eimermacher, bis dahin im Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Helmut Nowak, reihte sich sofort ein und machte sich mitsamt den Bündnispartnern auf den Weg ins Büro des Leverkusener Oberbürgermeisters. In dem wird ab dem 20. Oktober nicht mehr Reinhard Buchhorn (CDU) sitzen, sondern sein SPD-Herausforderer Uwe Richrath. Der bescherte dem Amtsinhaber etwas, das in der Fußballersprache nur als als Klatsche Bekannte ist.

51,2 Prozent der Wählerstimmen im ersten Wahlgang bedeuteten den direkten Einzug ins Rathaus, Buchhorn dagegen brachte es gerade einmal auf 29,8 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 36,5 Prozent einen historischen Tiefpunkt.

Video: Chefredakteur Michael Bröcker kommentiert die Kommunalwahl

Solche Rechenspiele waren der SPD-Anhängerschaft im Saal allerdings fremd. Während Buchhorn Bündnispartner – immerhin vier Parteien bzw. Wählergruppierungen – dem Unterlegenen vermutlich Trost spendeten, ließen es die zahlreich vertretenen Genossen im Saal so richtig krachen. "Uwe, Uwe"-Sprechchöre gab es bereits beim Erscheinen des Wahlsiegers kurz nach 19 Uhr. Im unaufhaltsamen Strom der Gratulanten mussten sich sogar Ehefrau Hanne und Sohn Paul ihren Weg bahnen. Dann gab es jedoch kein Halten mehr.

Sowohl Richrath als auch seinem 18-jährigen Filius standen die Tränen in den Augen, als sie sich in die Arme fielen. "Ich bin super stolz auf meinen Vater", erklärte Paul später im Gespräch mit unserer Redaktion: " Ich habe immer an ihn geglaubt." Und Richraths Ehefrau ergänzte: "Es ist seine Leidenschaft, die ihn so besonders macht. Ich bin sicher: Er wird ein guter Oberbürgermeister, weil es sich um die Menschen kümmert." Angst davor, den Ehemann nun weniger um sich zu haben als zuvor habe sie "überhaupt nicht", betonte sie. Als selbstständiger Geschäftsmann in Sachen Damenmode hatte Richrath vermutlich auch keinen Acht-Stunden- Tag.

Währenddessen versuchten sich Thomas Eimermacher (CDU), Markus Pott (OP Plus) und andere Buchhorn-Unterstützer an Erklärungs-Modellen für den Absturz. "Ich bin fassungslos", räumte Eimermacher ein: "Unser Kandidat hatte immerhin vier Gruppierungen als Unterstützer". Offenbar habe man es aber nicht geschafft, dieses große Wähler-Potenzial tatsächlich auch an die Urnen zu bringen. Warum nicht – das müsse nun in Ruhe aufgearbeitet werden.

Die Aufarbeitung ihres Wahlsiegs erledigten die Genossen am Sonntagabend nebenbei in feucht-fröhlicher Runde im Wiesdorfer Szene-Lokal "Dos Y Dos". Parteichefin Eva Lux fühlte sich dabei noch einmal bestätigt, in Uwe Richrath "genau den Richtigen" gefunden zu haben – "einen, der die Menschen versteht und dessen Türen offen stehen." Und dann ließ sie noch eine Spitze in Richtung Buchhorn los: "Ich habe jetzt", sagte Lux, "endlich einen Oberbürgermeister, der mit mir spricht."

 

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