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Volksbank kritisiert: zu viele Regularien

Leverkusen: Volksbank kritisiert: zu viele Regularien
Hans-Jörg Schaefer (3. v. l.) und Alexander Litz (r., Vorstand) mit Annegret Bruchhausen-Scholich und Heribert Gierlichs (2. v. l. und 2. v. r., Aufsichtsrat). FOTO: Miserius
Leverkusen. Bei der Vertreterversammlung in der Opladener Festhalle freute sich der Vorstand über den Jahresüberschuss, monierte aber hohe Kosten durch gestiegene Bürokratie. Er kündigte für die nächsten Jahre niedrigere Gewinne an. Von Susanne Genath

Der Spielplan der Fußball-Europameisterschaft meinte es gut mit den Vertretern der Volksbank Rhein-Wupper. "Zum Glück war das Deutschland-Spiel gestern. Sonst säßen hier vermutlich weniger Gäste", sagte Vorstandsmitglied Hans-Jörg Schaefer gestern Abend auf der Vertreterversammlung in der Opladener Festhalle. Etwa 150 waren eingeladen, etwa zwei Drittel gekommen. Unter ihnen der Bundestagsabgeordnete Helmut Nowak sowie Oberbürgermeister Uwe Richrath. Dessen Amtskollegen aus Leichlingen und Langenfeld waren laut Schaefer anderweitig verpflichtet. Nowak und Richrath lobten die Kundennähe der Volksbank Rhein-Wupper und das gute Ergebnis trotz schwieriger Bedingungen.

Knapp 1,6 Millionen Euro beträgt der Überschuss der Volksbank für das Geschäftsjahr 2015. Damit habe man das Vorjahresniveau halten können - und das trotz erheblicher Herausforderungen wie Niedrigzinsen, überbordender Regulatorik und zunehmender Digitalisierung, teilte Schaefer mit. Er und sein Vorstandskollege Alexander Litz zeigten sich daher ebenfalls mit dem Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres zufrieden.

Allerdings nicht mit einigen Rahmenbedingungen. "Auf der einen Seite lobt Brüssel die deutschen Genossenschaftsbanken für ihr Geschäftsmodell und die Nähe zu den Kunden und der Wirtschaft vor Ort", sagte Schaefer. Auf der anderen Seite machten Europäische Union und Europäische Zentralbank gerade den erfolgreichen und Steuer zahlenden Kreditgenossenschaften das Leben schwer und überzögen sie mit immer neuen Gesetzesvorschriften. Und mit Beiträgen zu europäischen Sicherungssystemen, von denen sie gar nichts hätten.

"Lokale und regionale Institute wie Volksbanken und Sparkassen, die sich in der Krise als Stabilisatoren bewährt haben, werden heute über Gebühr belastet", kritisierte der Bankleiter. "Das ist nicht in Ordnung."

Als Beispiel für Überregulierung nannte er die neuen Dokumentationspflichten. Bei einem Kreditvertrag für ein Ehepaar kämen heute schnell 60 Seiten Papier zusammen. Vor Jahren hätten noch zwei Seiten gereicht. "Und den Text, der dort stand, hatten alle verstanden."

Angesichts von Zinsen, die sich schon unter Null befänden, bereitete Schaefer die Genossen auf künftig sinkende Überschüsse vor. Man wolle dem aber so gut wie möglich durch ein überdurchschnittliches Wachstum im Kreditgeschäft, insbesondere im Provisionsgeschäft, begegnen. "Eine Weitergabe von Negativzinsen an unsere Kunden können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorstellen."

In der eigenen Bilanz und bei ihren Partnerinstituten aus der genossenschaftlichen Finanzgruppe betreut die Volksbank nach eigenen Angaben ein Kundengesamtvolumen in Höhe von 1,33 Milliarden Euro. Mit einem Kreditvolumen von 501 Millionen Euro unterstützt sie 32.473 gewerbliche und private Kunden. Ende vergangenen Jahres zählte die Bank etwa 12.230 Mitglieder und 135 Mitarbeiter.

Quelle: RP
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