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Leverkusen
Vom Altenheim auf die Theaterbühne

Leverkusen. Die Aufführung des Theaterstücks "Der Hundertjährige" in der Festhalle in Opladen war ausverkauft. Von Monika Klein

Das Buch hat es in kürzester Zeit an die Spitze der Bestsellerlisten geschafft. Und das liegt vor allem an der besonderen Mischung aus Humor und geradezu philosophischer Lebensweisheit, die "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" vermittelt. Ein wunderbarer Stoff also für eine Theaterproduktion, aber auch eine hohe Messlatte, weil die meisten im Publikum das Buch gelesen hatten, mit größtem Vergnügen. Eine Bühnenadaption muss mit anderen Mitteln und Pointen punkten, weil sich die Buchvorlage von Jonas Jonasson nicht eins zu eins umsetzen lässt.

Regisseurin Eva Hosemann hat bei ihrer Inszenierung am Altonaer Theater, das mit der Produktion bei KulturStadtLev in der ausverkauften Festhalle zu Gast war, erst einmal alles konsequent weggelassen, was das Medium Film ohnehin besser könnte. Bilder einer idyllischen schwedischen Landschaft, in der sich dieses eigentümliche Roadmovie in Bewegung setzt, gibt es gar nicht. Im Bühnenbild ist alles rechteckig, quadratisch und vor allem praktisch mehrfach zu verwenden. Die jeweils gültige Funktion steht in große Buchstaben drauf. Dabei erlaubte man sich - sehr zum Vergnügen der Zuschauer in der voll besetzten Festhalle - manchen Wortwitz, als beispielsweise aus "Imbiss" durch Umklappen eines Wortteils "Im Urlaub" wurde.

Der Verkäufer machte sich mit dem aus einem Altenheim entflohenen Hundertjährigen und einem Gelegenheitsdieb auf den Weg. Beide auf der Reise ins Ungewisse, vor allem aber vor der Polizei und vor einer Verbrecherbande, deren Geldkoffer beinahe zufällig in den Besitz der zwei Herren geraten ist. Aber die Truppe, deren Reiseweg mehrere Tote säumen, wird noch kurioser, als sich bei der nächsten Station die handfeste Bäuerin Gunilla und ein ausgewachsener Elefant anschließen. Eigentlich wäre das schon Stoff genug, aber dann gibt es einen weiteren Erzählstrang mit der unglaublichen Geschichte aus dem Leben des Hundertjährigen, der mit diversen politischen Größen der Nachkriegszeit per "du" war oder weniger erfreuliche Bekanntschaft schloss. Geflunkert oder nicht - der Wahrheitsgehalt ist so zweitrangig wie bei Pippi Langstrumpf, deren Lied nicht zufällig ins Geschehen gepfiffen wird. Franz-Joseph Dieken tippelte als Hundertjähriger mit kleinen Schrittchen und steifen Knien über die Bühne.

Beim Schwenk in die Vergangenheit zog er die Jacke mit Buckel aus und hüpfte davon. Allerdings mit derselben amüsanten Weltsicht und der Gabe, sich mit Glück und eigener Pfiffigkeit aus dem Schlamassel zu ziehen. Seine Mitspieler spielten gleich mehrere Rollen, die sie mit wenigen Requisiten schnell wechselten. Trotz vieler amüsanter Einfälle wurde der Abend allerdings lang. Einige Episoden hätte man zum Wohle des Gesamteindrucks durchaus streichen können.

Quelle: RP
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