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Leverkusen
Von Hasen, Feinden und Pappmaschee

Leverkusen: Von Hasen, Feinden und Pappmaschee
Der Feldhase heißt biologisch "lepus europaeus". FOTO: Klaus Tamm
Leverkusen. Es gibt sie noch, die Hasen in Leverkusen. Aber sie werden weniger. Warum vielleicht bald mehr Osterhasen aus Schokolade in den Geschäften stehen, als Langohren über Feldern hoppeln - ein Gespräch mit Jäger Günter Jagenburg. Von Ludmilla Hauser

Der Hundehalter-Satz "Der will nur schnuppern" ist einer, den Günter Jagenburg schon oft gehört hat, wenn er - selbst Hundehalter - zum Beispiel am Kurtekotten spazierengeht. Dann nimmt sich Jagenburg einen Augenblick Zeit, um Aufklärung zu betreiben in Sachen Hund und Hase. "Ein Hund kriegt keinen gesunden Hasen zu fassen. Dafür ist das Langohr zu schnell. Aber wenn im März und April die Häsin ihr Junges von maximal Gänseeigröße ablegt - nicht in einem Bau, sondern im Feld -, dann kommt sie nur alle paar Stunden zum Säugen wieder. Das Junge liegt alleine da", erzählt Jagenburg dann den Hundebesitzern. "Kommt ein Hund zum Schnuppern und stupst mit der Nase dran, dann geht die Häsin nicht mehr an ihr Junges. Ergebnis: Das Jungtier verendet."

Der Opladener Öffentlichkeitsarbeiter der Leverkusener Jägerschaft freut sich immer, wenn die Hundehalter, wie schon ein paar Mal geschehen, sagen: "Das wusste ich gar nicht. Dann lasse ich meinen Hund nicht mehr frei laufen."

Der Spaziergänger ist aber nur eine von vielen Gefahren, denen sich Meister Lampe in Leverkusen und anderswo derzeit ausgesetzt sieht. Die Lebensflächen für den Hasen, sagt Jagenburg, werden immer weniger - weil zum Beispiel durch das Freizeitverhalten des Menschen (Radfahrer, Spaziergänger, Jogger) "Unruhe in die Flächen hineingetragen wird. Der Hase verdrückt sich dann etwa auf kleine Gebüschinseln. Aber da ist eben kein Platz für viele Tiere."

Nächstes Hasenproblem: die Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen. Die Bauern müssen bis zum Rand oder darüber hinaus ihre Felder pflügen. Die Preise etwa für Weizen sind im Keller; die Landwirte müssen jeden Quadratmeter ausnutzen. So fehlt die so genannte Hasenapotheke", erläutert Jagenburg. Heißt: Der Feldrain, den Landwirte früher am Rande stehen ließen, wo Kräuter gedeihen, Insekten schwirren, Mohnblumen wachsen, fehle heute meist. Für den Hasen bricht eine Lebensgrundlage weg.

Dritter Störenfried aus Sicht des Hasen, mal ganz abgesehen von Fuchs und Bussard: der Autoverkehr bis in jeden Winkel. Auch dabei gingen, sagt der Jäger, Hasen drauf.

Im Jagdjahr (dauert immer bis Ende März) 2014/15 sind laut Jägerschaft Leverkusen fünf Tiere überfahren worden. 88 wurden in Leverkusen geschossen, davon acht in Opladen/Bürrig/Küppersteg, neun in Bergisch Neukirchen und 44 in Rheindorf. "In den 1970er Jahren, als ich mit dem Jagen anfing, wurden allein in Rheindorf 400 bis 500 Hasen im Jahr geschossen. Das ist jetzt schon ein erheblicher Rückgang der Tiere", merkt der Opladener an, der erläutert, dass von den Jägern vornehmlich ältere Tiere geschossen werden, damit jüngere groß werden können. Jagenburg liefert auch den Grund für die relative Hasendichte in Rheindorf im Vergleich zu anderen Stadtteilen: "In den Rheinauen ist mehr Platz, dort wird nichts angebaut, sondern vielleicht nur ein-, zweimal im Jahr das Gras gemäht."Gute Voraussetzungen fürs Hasenleben.

Tipps, wo man in der Stadt am besten Hasen gucken kann, mag Jagenburg wegen des Schutzes der Tiere nicht geben. Aber: "Wer sich ganz ruhig mal abends etwa erhöht an einen Feldrand setzt, der könnte Glück haben, einen zu sehen." Vielleicht auch beim Ostereierbemalen, "aber nur, wenn es trocken ist, damit die Farbe nicht zerläuft", scherzt Günter Jagenburg, bei dem der Hase zu Ostern auf dem Teller keine Rolle spielt. Einen Hasen gibt's bei Jagenburgs trotzdem: "Eine Gebastelten aus Pappmaschee.

Quelle: RP
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