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Leverkusen/Berlin
Von Opladen in die weite Kinowelt

Leverkusen/Berlin: Von Opladen in die weite Kinowelt
Markus Reinecke mit den Protagonistinnen Friederike Becht (l.) und Frida-Lovisa Hamman bei der Premiere des Films in Stuttgart. FOTO: Frank von zur Gathen
Leverkusen/Berlin. Der in Leverkusen aufgewachsene Filmemacher Markus Reinecke startet gerade mit seinem ersten eigenen Kinoprojekt "Die Vierhändige" durch. Im kommenden Jahr will er den Erfolgsroman "Gut gegen Nordwind" verfilmen. Von Bernd Rosenbaum

Markus Reinecke ist gerade auf dem Weg in sein Hotelzimmer in Stuttgart, als wir ihn erreichen. Am Donnerstagabend stellte der in Filmemacher dort während der Filmschau Baden-Württemberg seinen Leinwandstreifen "Die Vierhändige" vor, der gerade bundesweit in rund 50 Kinos angelaufen ist. An diesem Psychothriller war Reinecke als "federführender" Produzent beteiligt, eine nur inoffizielle Berufsbezeichnung. Gemeint ist damit, dass der 40-Jährige das Kinofilmprojekt inhaltlich und finanziell entwickelt und verantwortet hat - zusammen mit seinem Siegburger Kollegen Klaus Dohle von Erfttal Film.

Wie kommt ein junger Mann, der in Opladen aufgewachsen ist und 1996 am Landrat-Lucas-Gymnasium Abitur gemacht hat, zur Welt des Films? "Eigentlich wollte ich Journalist werden, habe an der Universität in Köln zunächst Englisch und Mittlere und Neuere Geschichte studiert", erzählt Reinecke. Er schrieb auch zeitweise als Freier Mitarbeiter für die Rheinische Post. Dann nahm er einen Nebenjob beim Kölner Privatsender RTL an. In einer Zeit, als man Filme noch nicht im Internet streamte, sondern per Videokassette anschaute, suchte Reinecke auf dem englischen Film- und Fernsehmarkt nach Formaten wie Serien oder Live-Shows, die RTL für Deutschland adaptieren könnte.

Damals habe er auch seinen ersten Set-Job für einen Kinofilm gemacht - den 2001 erschienenen Thriller "Das Experiment" mit Moritz Bleibtreu. Daraufhin wurde Reinecke klar, dass seine berufliche Zukunft beim Film liegt. Er brach sein Studium ab und bewarb sich bei der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf, die inzwischen Filmuniversität Babelsberg heißt - und wurde angenommen. Dort studierte er Produktion. "Das Tolle an der Filmuniversität ist, dass das ein Haus voller Spezialisten ist. Das war mir wichtig, weil ich mich als Produzent gerne in andere Bereiche wie Schnitt oder Regie einarbeite, um diese zu verstehen", sagt Reinecke rückblickend. Vor allem habe er viele Dramaturgie-Veranstaltungen besucht, da er sich immer sehr fürs Schreiben und für Drehbuchentwicklung interessiert habe.

"Die Vierhändige" ist Reineckes erste "federführende" Produktion, der zuvor allerdings schon an mehreren Projekten als Freiberufler mitgearbeitet hat. Die Idee für die Geschichte über zwei ungleiche Schwestern, deren Leben von den Erinnerungen an ein Gewaltverbrechen vor 20 Jahren geprägt ist, hatte der Regisseur des Films, Oliver Kienle. Reinecke lernte ihn 2010 bei der Premiere von dessen Debütfilm "Bis aufs Blut" kennen. "Wir suchten nach einem geeigneten Stoff für unser erstes eigenes Kinoprojekt", erinnert er sich. Nachdem er nur 60 Sekunden von "Bis aufs Blut" gesehen hatte, wusste Reinecke: "Das ist unser Mann." Trotzdem dauerte es noch vier Jahre, bis die erste Klappe für "Die Vierhändigen" fiel. Etwa anderthalb Millionen Euro hatte Reinecke zur Verfügung - ein Budget, das eher einem TV-"Tatort" entspricht als einem aufwändig produzierten Kinoabenteuer.

"Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten für unseren Psychothriller, der in keine Schublade so recht passen will", sagt Markus Reinecke. Umso mehr freut es ihn, dass der Film vor dem Kinostart schon erfolgreich auf mehreren Festivals lief, vom renommierten US-Branchenblatt "Variety" als "elegant", "fesselnd" und "atemberaubend" gewürdigt wurde und inzwischen sogar bereits nach Japan verkauft werden konnte. Es hätten sich auch schon erste Interessenten für ein US-Remake gemeldet, verrät der Produzent.

2001 zog der Opladener wegen des Studiums vom Rheinland nach Berlin, wo er noch heute lebt. Trotzdem hat Reinecke noch viel Kontakt in die alte Heimat: "Ein Großteil meiner Familie und meiner Freunde wohnt in Opladen und der Region."

Auch wenn er mit "Die Vierhändige" gerade erst die Früchte seiner Arbeit der vergangenen Jahre erntet, hat er bereits das nächste Projekt im Blick: "Im kommenden Jahr wollen wir den E-Mail-Roman "Gut gegen Nordwind" verfilmen. Das 2006 erschienene Buch von Daniel Glattauer wurde innerhalb von vier Jahren rund 800.000 Mal verkauft.

Quelle: RP
 
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