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Leverkusen
Von Pferdestärken zu starken Motoren

Leverkusen: Von Pferdestärken zu starken Motoren
Gründer Peter Niesen mit einem Pferde-Fuhrwerk. Mit Pferd und Kutsche übernahm er schon früh Aufträge für die spätere Bayer AG. FOTO: Niesen
Leverkusen. Das Logistikunternehmen Niesen wird 125 Jahre alt. In den Anfängen zählten eigene Körperkraft und Pferdestärken. Heute führt Klaus Niesen die Geschäfte bereits in vierter Generation. Von Gabi Knops-Feiler

Er ist klein und fügt sich perfekt in den Verkehr ein: Der gelbe Mini-Lkw der Firma Niesen dreht im Hamburger "Miniatur Wunderland" schon seit mehr als zehn Jahren seine Runden. Die großen "Brüder" sind hingegen schon seit 125 Jahren auf den Straßen unterwegs. Allerdings waren sie nicht immer motorisiert. Im Gegenteil: Mit eigener Kraft und der seiner Pferde begründete Peter Niesen im Jahr 1892 auf der Hauptstraße 25 in Wiesdorf das Transport-Unternehmen, das inzwischen weltweit unterwegs ist.

Drei Mitarbeiter vor einem Möbeltransporter. Erst zwei Jahrzehnte nach Firmengründung wurde ein Teil der Lasten auf Autos übertragen. FOTO: Firma Klaus Niesen

Unweit dieses Ursprungs, auf der Hauptstraße 134, schließt sich nun ein Kreis. Am Jazzlokal "Topos" feiert Klaus Niesen beim 22. Musikfestival "Streetlife" das Firmenjubiläum mit Kunden, Partnern und Freunden. Motto: "Zurück zu den Wurzeln", berichtet Niesen. Der 57-jährige Leverkusener führt das mittelständische Unternehmen mit rund 160 Mitarbeitern in vierter Generation. Ehe er das Geschäft vor 14 Jahren übernahm, um es mit der ihm eigenen Bescheidenheit, aber mit Tatkraft und Energie weiter auszubauen und auf den Kurs von Ökologie und Nachhaltigkeit zu führen, hat sich vieles getan.

Erst zwei Jahrzehnte nach Firmengründung konnte Peter Niesen einen Teil der Lasten auf motorisierte Fahrzeuge übertragen. Bis dahin waren Körperkraft und Ausdauer die Grundlage seines Geschäftes, das er mit Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen führte. Anfangs transportierten täglich bis zu 150 Wagengespanne unverpackte Rohstoffe auf mühsamem Weg vom Rhein in die umliegenden Orte. Nach und nach erhielt der Transporteur größere Aufträge.

Klaus Niesen mit dem Fuhrwagen-Modell aus der Anfangszeit. FOTO: Uwe Miserius

Erster fester Vertragspartner war die Ultramarinfabrik von Alfred Leverkus. Während der Entstehung der Kolonien I und II hatte Niesen viel zu tun. Später transportiere er auch Basaltsteine für die Kaimauer am Rhein, die noch heute existiert. Etwa zeitgleich entstand die Möbelspedition. Mit 28 Stundenkilometern war Niesens Spezialtransport jedoch nicht sehr schnell unterwegs.

Die Anschaffung verdankte er ohnehin nur dem Glück und der Sorgfalt. Denn Jahre zuvor übernahm er einen Auftrag für den Transport von Sprengstoff der Firma Dynamit Nobel. Nachdem die Ware wohlbehalten im Ruhrgebiet angekommen war, verlud er Glaswaren für den Rückweg - harmlos im Vergleich zur vorherigen Fracht.

Insgesamt 41 Jahre hielt der Gründer durch, ehe Peter Niesen sein Lebenswerk an die Kinder Peter-Josef, Ernst und Maria übergab. Deren Nachfahren schlossen sich dann 1968 dem Netzwerk der Deutschen Möbelspedition (DMS) an. Die Firma Niesen expandierte weiter. Ein neues Firmengelände in der Adolf-Kaschny-Straße in Küppersteg kam hinzu und bot genügend Platz für Klein- und Seecontainer. Als Manfred Niesen 1981 starb, trat der erst 22-jährige Sohn Klaus, der das Geschäft von der Pike auf gelernt hatte, in seine Fußstapfen.

Bis heute hat er viel verändert: Unter anderem die Betriebsgelände und Logistikflächen auf 80.000 Quadratmeter ausgedehnt, einzelne Geschäftsfelder wie Bausteine erweitert und kombiniert, Spezialfahrzeuge konzipiert, Transporte und Zusatzleistungen ausgebaut. Doch Klaus Niesen ist bei weitem nicht nur Transporteur und einer der Top-Arbeitgeber der Region, sondern auch Sponsor, Spezialist und vieles mehr. Niesen betont: "Wir verstehen uns als Dienstleister in allen Bereichen."

Und: Die Lagerhallen gleichen fast einer Kunstgalerie, denn dort sind ebenso wertvolle wie tonnenschwere Großskulpturen stationiert. Selbst das Brunnen-Kunstwerk von Gottfried Gruner, das legendäre "Aquamobil" vor dem einstigen Leverkusener Rathaus, ist bei Niesen eingelagert. Dass sich der Standortbotschafter regelmäßig am wirtschaftlichen und sozialen Leben in seiner Heimatstadt beteiligt, stellt er jetzt erneut unter Beweis.

Quelle: RP
 
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