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Serie Berufsstart in Leverkusen
Von wegen ein klassischer Männerberuf

Serie Berufsstart in Leverkusen: Von wegen ein klassischer Männerberuf
Im Lehrlabor von Currenta mischt Chemielaborant-Azubi Timo Gratzfeld Stoffe. Chemie ist eben nicht zwangsläufig, wenn es stinkt und kracht, sagt er. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Das neue Ausbildungsjahr rückt näher, und schon läuft die Bewerbungsphase fürs 2016 an. Wir stellen Lehrstellen in Leverkusen vor. Von Ludmilla Hauser

Einen Chemiebaukasten hatte Timo Gratzfeld nie. Brauchte er auch nicht, denn für den 22-Jährigen stand schon zu Schulzeiten fest: Er will beruflich etwas mit Chemie machen. Zunächst entschied sich der Bonner nach dem Fachabi für ein Chemiestudium. "Ich habe aber schnell gemerkt, dass das nicht meins ist", sagt Gratzfeld. Ihm fehlte dabei auch die praktische Arbeit.

Die lernt er jetzt im zweiten Jahr im Lehrlabor und im Betrieb bei Currenta kennen. Timo Gratzfeld ist Auszubildender zum Chemielaboranten. Die Lehre dauere dreieinhalb Jahre, man könne sie bei guter Leistung aber auf drei Jahre verkürzen. Das hat sich Gratzfeld zum Ziel gesetzt. "In den vergangenen Jahren haben Dreiviertel der Chemielaboranten-Azubis vorzeitig ihre Prüfung erfolgreich abgelegt", sagt Ausbildungsgangleiter Guido Körner: "Das ist kein Muss, man kann die Ausbildung genauso gut in dreieinhalb Jahren absolvieren."

Gratzfeld nennt die drei Säulen der Lehre: "Im Lehrlabor lernen wir die Grundlagen, dann gibt's die Berufsschule und den Bereich Betrieb." Da Currenta selbst kein produzierender Betrieb sei, gehe es für die Chemielaboranten hier in erster Linie um die Analytik, "also ums Untersuchen von Proben und das Bestimmen von Werten in verschiedenen Verfahren", ergänzt der 22-Jährige, der bisher noch keinen Schichtdienst absolvieren musste. "Den gibt's bei Currenta gar nicht, glaub' ich", sagt er. Körner widerspricht in einem Punkt: "Schichtdienst müssen unsere Azubis doch absolvieren, wenn sie produktionsbegleitende Analytik bei den Partnerunternehmen im Chempark vornehmen müssen."

Timo Gratzfeld ist kein Neuling in Sachen Chemie - in anderen Firmen absolvierte er Praktika, sammelte Erfahrungen. Der 22-jährige Turniertänzer (Latein, C-Klasse) merkt an, was Außenstehende vielleicht zart enttäuscht: "In der Chemie muss es nicht knallen und stinken." In dem Berufsfeld mache für ihn den Anreiz aus, "dass man präzise arbeiten muss und sofort sieht, ob man alles richtig gemacht hat oder eben nicht. Man hat da schon eine gewisse Verantwortung, das gefällt mir." Nachsatz: "Ziel ist es, dass es nicht stinkt und kracht."

Nachteile, weil sich Timo Gratzfeld bei Currenta hauptsächlich mit der Analytik beschäftigt, es aber für den Chemielaboranten auch die Arbeitsfelder Synthese (das Produzieren von Stoffen) und die Anwendungstechnik (Stoffprüfungen z. B. von Kunststoffen) gibt, habe der Azubi nicht. "Timo könnte später in allen Bereichen arbeiten", betont Ausbilder Körner, "weil wir im Lehrlabor alle diese Bereiche abdecken."

Am besten gefällt Timo aber die Instrumentelle Analytik. "Elektrochemie, die eher physikalisch ist, ist nicht meine große Stärke", gibt Timo unumwunden zu.

Und er hat einen Tipp für Interessenten an "seinem" Ausbildungsgang: "Man muss Interesse und Begabung mitbringen. Wer im Chemieunterricht kaum etwas verstanden hat, für den ist die Ausbildung nichts." Und: "Zwei linke Hände sind für diesen Job auch nicht zu empfehlen."

Quelle: RP
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