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Leverkusen
Vor 111 Jahren öffneten die ersten Kinos

Historische Bilder der Leverkusener Kinos
Historische Bilder der Leverkusener Kinos FOTO: Breiden
Leverkusen. Der "Kinematographie Flottenverein" lud im Hotel Jansen ab 1904 zu ersten Vorführungen. Geschichtsvereine bereiten Ausstellung vor. Von Monika Klein

In Opladen begann vor 111 Jahren die Leverkusener Kinogeschichte. Jedenfalls trägt die älteste Zeitungsanzeige, die Lokalhistoriker Reinhold Braun bisher gefunden hat, das Datum vom 12. Februar 1904. Die ersten Vorführungen gab es im Hotel Jansen, nachmittags für Schulen und am Abend für Erwachsene. Veranstalter war der "Kinematographie Flottenverein", der bald weitere Angebote inSälen in Schlebusch (Lokal Carl Ferger) und in Lützenkirchen (Lokal Jakob Kollbach) startete. Reinhold Braun hat sich bei der Vorbereitung einer Ausstellung über Medien, die alle drei Leverkusener Geschichtsvereine im November eröffnen wollen, auf die Kinos spezialisiert und zunächst die im Stadtarchiv aufbewahrten Zeitungsbände auf Anzeigen und Prorammvorschauen durchsucht und alle gefundenen Daten aufgelistet, außerdem Kopien von Annoncen und Fotografien angefertigt.

Bis zum Jahrgang 1937 ist er bisher gekommen, hat dabei festgestellt, dass der Flottenverein die lokalen Filmvorführungen mit Reklame für die Aufrüstung verband.

Kinos der bergischen Region FOTO: Dörner, Hans

Das erste richtige stationäre Kino dürfte das "Helios Kinema" in Wiesdorf gewesen sein, das von 1911 bis mindestens Ende 1912 in der Hauptstraße 87 untergebracht war, dem späteren Modehaus Braun. Dort sorgte eine eigene Kapelle für den Ton bei Stummfilmen. "Mit der stetigen Einwohnerzunahme unserer Stadt wachsen auch die Ansprüche", kommentierte die Opladener Zeitung vom 19. August 1913 die Eröffnung des neuen Kinos "Modernes Theater" im rückwärtig angebauten Saal des Hauses Kölner Straße 65. Der Saal wurde später vom Capitol-Theater von der Bahnhofstraße aus genutzt. "Und wer auf der Höhe der Zeit bleiben will, muss sich dem Zeitgeist anpassen." So hatte Heinrich Keusgen die Eröffnungsvorstellung seines neuerbauten Modernen Theaters mit großen Lettern angekündigt.

Gelobt wurde die angenehme Gesamtausstattung, die Filmauswahl jedoch mit zwei ernsten Stücken hintereinander sei nicht jedermanns Sache. Inwiefern die Betreiber damals Einfluss auf das Programm hatten, ist nicht bekannt.

Nach 1945 jedenfalls bestimmten die Verleiher, wo wann welcher Streifen gezeigt wurde. Das hat Braun von Ralf Schiefer erfahren, der zwischen 1978 und 2000 als Filmvorführer unter anderem im Wiesdorfer Tonbild-Theater, im Kino-Center Europa (neben Scala Opladen) und im Rex Langenfeld gearbeitet hat.

Nur die großen Lichtspieltheater bekamen die neuen Filme, an kleinere Orte wie Leichlingen, Burscheid oder Hitdorf wurden sie erst mit einiger Verspätung ausgeliefert. Viele Kinos hießen "Theater", denn sie hatten eine Bühne, auf der mitunter Schlagerstars oder Puppentheater gastierten. Ralf Schiefer erzählte unter anderem, dass im Tonbild-Theater zu vorgerückter Stunde auch Pornofilme gezeigt wurden. Oder dass man sich der Vergnügungssteuer-Pflicht durch einen lehrreichen Vorfilm entziehen konnte.

Die Geschichte der Kinos ist mit einigen Familien verbunden, die zum Teil mehrere Spielstätten besaßen. Braun hat schon eine Menge Material zusammengetragen, sucht aber für die Ausstellung in der Villa Römer noch einiges. Fotos sind grundsätzlich willkommen, ebenso persönliche Erinnerungen an Kinos und vor allem Informationen über die Familien Sinnwell (Schlebusch/Waldsiedlung), Kluth (Wiesdorf), Blum und Glüsenkamp (Opladen). Kontakt: 0214 8908401.

Quelle: RP
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