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Leverkusen
Vor fünf Jahren war Start der Telefon-Besuche

Leverkusen. Ingrid W. ist Rentnerin und telefoniert gern. Weil sie gehbehindert ist, schien die Idee eines telefonischen Besuchsdienstes für sie perfekt. Seit vier Jahren arbeitet die 72-Jährige in der evangelischen Kirchengemeinde Rheindorf mit. Von Monika Klein

Jede Woche nimmt sie sich ein bis zwei Stunden Zeit und ruft die beiden Damen an, die sie "übernommen" hat. Bevor sie beim telefonischen Besuchsdienst eingestiegen ist, hat sie Fortbildungen absolviert. Da übte sie zum Beispiel das aktive Zuhören. Oder die Vermeidung von Floskeln wie: "Das wird schon wieder", wenn der Gesprächspartner sehr traurig ist. "Dann sage ich auch schon mal: Weinen Sie ruhig, das befreit". Es brauchte eine Weile, bis die Telefonate mit den älteren Frauen vertrauensvoller wurden. "Aber mittlerweile sind wir uns sehr nahe, sie erzählen mir Dinge, die kein Dritter weiß."

Und auch nicht erfahren wird, denn absolute Vertraulichkeit bedingt die nötige Vertrauensbasis. Alle Ehrenamtlichen geben eine Erklärung zur Schweigepflicht ab. Viele Gespräche sind nicht brisant, sie drehen sich in der Regel um Alltägliches, oder es wird aus der Kriegszeit erzählt. Gibt es ein Problem, etwa die Suche nach einer Putzfrau, kann Ingrid W. helfen. Sie hat eine Liste mit Kontakten zu Pflegediensten, Putzkräften oder anderen. Außerdem kann sie die Koordinatorin bei der Gemeinde fragen, die über ein gutes Netzwerk verfügt.

"Wenn sich meine Gesprächspartnerin nach dem Telefonat besser fühlt und wir ein wenig lachen konnten, dann geht es mir auch richtig gut", sagt Ingrid W., die zum Selbstschutz anonym bleibt. vorfand Jahren startete der Telefonische Besuchsdienst in Rheindorf als Kooperationsprojekt der Evangelischen Kirchengemeinde Rheindorf mit dem Diakonischen Werk Leverkusen. Zu wissen, dass viele alte Menschen in Rheindorf allein in ihren Wohnungen leben und allzu oft nur noch wenige Außenkontakte hatten, war für Pfarrerin Benita Zapf-Mankel die Motivation, diesen "Besuch per Telefon" zu initiieren.

Ehrenamtliche fanden sich schnell in erstaunlich großer Zahl. Genauso Menschen, die dieses Angebot nutzen wollten. Aus vielen Telefonkontakten erwuchsen langjährige Beziehungen.

Die Rheindorfer waren die Pioniere, mittlerweile ist der telefonische Besuchsdienst auch in vier weiteren Stadtteilen Leverkusens präsent.

Quelle: RP
 
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