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Manfred Herpolsheimer
War es das schon für den Sparkassenchef in Leverkusen?

Manfred Herpolsheimer: War es das schon für den Sparkassenchef in Leverkusen?
Bei der Vorstellung der Bilanz 2015 schritten die Sparkassenvorstände (v.l.) Markus Grawe, Manfred Herpolsheimer und Rainer Schwarz vergangenen Donnerstag noch freundlich zum Gruppenfoto. FOTO: Uwe Miserius
Leverkusen. Das ging ungewöhnlich schnell: Der Sparkassen-Verwaltungsrat hat einstimmig (bei einer Enthaltung) die vorzeitige Trennung vom Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Manfred Herpolsheimer beschlossen. Die Gründe für den Rauswurf sind geheim. Jetzt sollen die Anwälte den Auflösungsvertrag aushandeln. Von Ulrich Schütz

Die ungewöhnliche Einigkeit des Leverkusener Sparkassen-Verwaltungsrates zum geplanten Rauswurf von  Manfred Herpolsheimer erstaunt auch die Fachwelt. Dass die "Sparkassen-Aufsichtsräte" sogar einstimmig die vorzeitige Ablösung des Vorstandschefs wünschen, sei ein Beleg für das große Misstrauen, das zwischen Verwaltungsrat und Herpolsheimer herrschen müsse, sagte ein Finanzexperte. Das sei durchaus ein bemerkenswerter Vorgang. Aber ist mit der gestrigen Entscheidung wirklich das Karriereende von Manfred Herpolsheimer besiegelt? Mit den Vorgängen vertraute Insider haben Zweifel.

14 Sparkassen-Verwaltungsräte (Arbeitnehmer-Vertreter, Politiker plus Oberbürgermeister Uwe Richrath) saßen gestern gegen zehn Uhr im Rathaus zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt der Sondersitzung: Beauftragung von Richrath als Vorsitzenden, die Verhandlungen über einen Auflösungsvertrag mit Herpolsheimer zu beginnen. Der Sparkassenchef nahm an der Sitzung nicht teil. Jetzt haben die Anwälte das Sagen. Der jetzige Vertrag von Manfred Herpolsheimer läuft zum 30. September 2019 aus.

Richrath ließ gegen Mittag diese offizielle Stellungnahme verschicken: "Zwischen dem Vorstandsvorsitzenden und dem Verwaltungsrat gibt es deutlich unterschiedliche Einschätzungen über die zukünftige strategische Ausrichtung der Sparkasse Leverkusen, so dass eine weitere Zusammenarbeit nicht möglich erscheint." Mit dem Eintritt in Verhandlungen über die Auflösung des Dienstvertrages werde diesem Umstand Rechnung getragen.

Ungewöhnlich dabei: Eine sofortige Freistellung vom Dienst beschloss der Verwaltungsrat auf Anraten der Juristen nicht. Seinen angeblich verabredeten Urlaub trat der Sparkassenchef bisher auch nicht an. Herpolsheimer, der in der Sparkassenzentrale erschienen war, ließ sich zu dem Geschehen gestern nicht mehr sprechen, die Sparkasse gab keine eigene Erklärung ab.

Auch Richrath nannte später im Gespräch mit unserer Redaktion keine weiteren Gründe für die geplante Trennung. Das Sparkassengesetz verpflichtet ihn und die Verwaltungsräte zu höchster Geheimhaltung. Der Verwaltungsratsvorsitzende bestätigte aber, dass die Sparkasse künftig nur noch von zwei Vorständen geführt werden soll.

Offenbar spielen mehrere Entscheidungen der Sparkassenspitze, die die Kunden direkt treffen, für die Trennung eine Rolle. Dazu zählen wohl das Anheben der Kontoführungsgebühren, die Schließung von Filialen und der drohende Personalabbau. Nach Insiderinformationen hatte sich auch der ehemalige Oberbürgermeister Reinhard Buchhorn im Falle seiner Wiederwahl vorgenommen, Herpolsheimer schnell aus der Sparkasse zu drängen. Andererseits berichtet Herpolsheimer in einem weiteren Schreiben, Buchhorn habe ihn gebeten, ein fertiges Kostensenkungspapier zur Sparkasse Leverkusen nicht ausgerechnet in Wahlkampfzeiten vorzulegen. Dieses Strategiepapier sei bis heute noch nicht präsentiert worden.

Richrath soll sich gestern zudem verärgert gezeigt haben, dass Herpolsheimer einen "persönlichen/vertraulichen Brief" an ihn, den Oberbürgermeister, jetzt auch an Politiker verschickt hat. In dem Schreiben wirft Herpolsheimer übrigens dem SPD-Fraktionschef Peter Ippolito und dem Sparkassen-Personalratsvorsitzenden Uwe Pöschke "unangemessene" und "geschäftsschädigende" Äußerungen gegen die Sparkasse vor.

Gestern jedenfalls konnte offenbar jedes Verwaltungsratsmitglied von negativen Erfahrungen mit Herpolsheimer berichten. Ihm wird Realitätsverlust und Großmannssucht vorgeworfen. Die Sparkassen-Loge in der BayArena, der teure Dienstwagen, die nicht selten heftig kritisierten Kosten für die Neujahrsempfänge mit kostspieligen Rednerauftritten werden unter anderem aufgezählt. Angeblich hat Herpolsheimer vor Wochen geäußert, "wenn Ihr mich nicht mehr wollt, dann reden wir über eine Auflösung". Die nächsten juristischen Schritte sollen schnell erfolgen. Die Verwaltungsräte haben sich für diese und nächste Woche weitere Sitzungstermine vorgemerkt.

Quelle: RP
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