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Leverkusen
Warum der Darm gesund bleiben muss

Leverkusen. Darmkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebsart, an der jährlich rund 27 000 Menschen sterben. Viele Fälle könnten verhindert werden, wenn Patienten die Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nähmen, sagen die Leverkusener Gastroenterologen Henning Adamek und Karl-Georg Simon. Sie raten zur Darmspiegelung und wollen die Angst davor nehmen. Von Ludmilla Hauser

Martin Luther war offenbar nicht zimperlich. Soll er doch angeblich einst zu Tisch gesessen und gesagt haben: "Warum rülpset und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmacket?" Was man sich damals offen traute auszusprechen, ist heute pfui. Blähungen? Tabu. Rülpsen? Nur als Bäuerchen bei Kindern erwünscht, sonst unhöflich. Und Stuhlgang? Selbst beim Arzt ein unangenehmes Gesprächsthema.

Doch aus dem Tabu müssen die Deutschen raus, sagt Dr. Karl-Georg Simon, niedergelassener Gastroenterologe in Leverkusen. Denn aus falsch verstandener Scham, Scheu und Unwissenheit versäumen viele die Darm-Vorsorgeuntersuchung, riskieren an Darmkrebs erkrankt zu sein und auch daran zu sterben, weil der Tumor zu spät erkannt wurde.

73 000 Menschen bekommen pro Jahr hierzulande die Diagnose Darmkrebs, 27 000 sterben an der Krankheit – obwohl sie hätten gerettet werden können, wenn sie bei der Vorsorge gewesen wären, nennt die Stiftung Lebensblicke, die sich des Themas angenommen hat, Zahlen. Das Darmkarzinom ist die häufigste Tumorerkrankung in Deutschland und die zweithäufigste Todesursache bei Krebserkrankungen. "Dabei", sagt Simon, "kann man durch die Methode Darmspiegelung (Koloskopie) Frühformen von Krebs erkennen und entfernen." Einen Krankenhausaufenthalt braucht's dafür nicht, eine endoskopische Fachpraxis nimmt diese Untersuchungen vor. "Es sei denn, es geht etwa um Patienten über 80 Jahre mit Begleit- oder Vorerkrankungen. Dann wäre ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll", ergänzt Professor Henning Adamek, Chef der Gastroenterologie am Klinikum Leverkusen.

Das Thema Darmkrebs ist ein geschlechterspezifisches in zweierlei Hinsicht, wissen die beiden Leverkusener Fachärzte. Erstens nehmen mehr Frauen das Thema eher wahr und ernst und lassen sich auch eher untersuchen als Männer. In der Altersgruppe der 55-59-Jährigen ließen im Zeitraum von 2002 bis 2008 12,1 Prozent der Frauen eine Vorsorgedarmspiegelung machen, aber nur 9,1 Prozent der Männer, berichtet Karl-Georg Simon, der als Regionalbeauftragter für die Stiftung "Lebensblicke" aktiv ist.

Zweitens haben aber Männer häufiger Polypen und Darmkrebs als Frauen – von den 73 250 Neuerkrankungen pro Jahr sind 36 000 Frauen betroffen und 37 250 Männer. Woran das liegt? Eine genaue Antwort auf die Frage gebe es nicht, sagen Adamek und Simon übereinstimmend. "Aber es könnte in Beziehung stehen zu rotem Fleisch, der Ernährung allgemein, Alkohol und Übergewicht", sagt Adamek.

Und: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Darmkrebserkrankung auftritt, ist ab dem 55. Lebensjahr größer als vorher. Deshalb übernimmt die Krankenkasse bei Patienten ab 55 Jahren die Vorsorgespiegelung komplett. Die Koloskopie kann nach zehn Jahren wiederholt werden.

Henning Adamek nennt noch ein Drei-Säulen-Modell, was die Hemmschwelle, zur Koloskopie zu gehen, senken soll. "Die Endoskope sind viel dünner geworden, werden von erfahrenen Untersuchern bedient und die Beruhigungsspritze wirkt so, dass viele von der eigentlichen Darmspiegelung nichts mitbekommen."

Quelle: RP
 
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