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Leverkusen
Warum die Caritas nicht jede Spende annimmt

Leverkusen: Warum die Caritas nicht jede Spende annimmt
Andrea Wetzstein sortiert Sachspenden in der Caritas-Kleiderkammer. Der Verband bittet: Sommersachen nicht jetzt, sondern erst im Frühjahr abzugeben. FOTO: UM
Leverkusen. Die Leverkusener zeigen derzeit viel Herz für Flüchtlinge, spenden zahlreich Kleidung und anderes. Derzeit kommen die Hilfsorganisationen logistisch nicht hinterher, können so viele Sachen nicht lagern. Die Caritas arbeitet an einer Lösung. Von Ludmilla Hauser

Der Flüchtlingsstrom ist ungebrochen, die Hilfsbereitschaft der Leverkusener auch. Allein: Die Logistik stößt bei den Hilfsorganisationen wie der Caritas mittlerweile an Grenzen. "Unsere Kleiderkammer in Wiesdorf und der Kleiderkeller in Opladen sind auf diesen Ansturm von Sachspenden nicht ausgerichtet", sagt Gundula Uflacker von der Öffentlichkeitsarbeit des Caritasverbandes Leverkusen. "Die Sachen, die abgegeben werden, müssen sortiert, gefaltet und dann gelagert werden. Dafür sind die Räume nicht groß genug." Um nicht im Chaos zu versinken, nimmt die Caritas derzeit Sachspenden nur nach vorheriger Terminabsprache entgegen. Säcke, die außerhalb der Öffnungszeiten vor die Tür der Kleiderkammer gelegt werden und so über Nacht draußen stehen, werden aus hygienischen Gründen nicht angenommen, weist der Verband hin.

Während Andrea Wetzstein und ihre Kollegen in den Anlaufstellen die Sachspendenberge abarbeiten, läuft hinter den Kulissen bei der Caritas die Arbeit an einem neuen Angebot, das a) größere Räume und b) mehr Kräfte beinhalten wird. "Wir wollen das Bewerbungsverfahren zügig durchführen", berichtet Uflacker. "Auch sonst arbeiten wir mit Hochdruck daran, die Situation durch das neue Angebot zu entspannen." Wo das angesiedelt sein wird, verrät sie noch nicht.

Die eingeschränkte Sachspendenabgabe heiße aber nicht, dass die Caritas nun gar nichts mehr annehme, betont die Mitarbeiterin. "Im Moment suchen wir bei gut erhaltener Kleidung vor allem kleine Herrengrößen um Größe 50, Herrenschuhe der Größen 41, 42 - und vor allem gut erhaltene Winterjacken für Männer, Frauen und Kinder. Sommerkleidung ist derzeit nicht lagerbar", berichtet Uflacker. Weil sich die Flüchtlingssituation ständig ändere, sei auch die Frage, was aktuell gebraucht werde, schwierig zu beantworten. "Das ist eine sehr schnelllebige Geschichte."

Uflacker weist auf einen wichtigen Aspekt hin: Viele Spender wünschten, dass ihre Sachen nur an Flüchtlinge abgegeben werden sollen. "Aber das können wir nicht garantieren." Natürlich rückten die Flüchtlinge derzeit stark in den Mittelpunkt. "Aber wir geben die Sachen an alle Menschen in Not. Das ist der Grundansatz der Caritas-Kleiderkammer", betont sie.

Die große Spendenbereitschaft bemerken auch andere Organisationen, etwa das Deutsche Rote Kreuz, das ebenfalls eine Kleiderkammer betreibt und derzeit viele Anrufe mit Spendenangeboten erhält. Und auch bei der Stadt haben sich Sachspenden eingefunden. "Die geben wir natürlich weiter", sagt Stadtsprecherin Julia Trick. Sie weist aber mit Nachdruck darauf hin, dass die Stadt keine Abgabestelle für derlei ist.

Aber eine Anlaufstelle für die Fragen der Bürger. Die Nummer der Flüchtlings-Hotline wählen derzeit pro Tag rund 15 bis 20 Anrufer, "die Fragen zu Sach- und Geldspenden haben, zu ehrenamtlichem Engagement oder dazu, wo eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet wird", berichtet Trick.

Quelle: RP
 
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