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Leverkusen
Was das Kreuz auf der Stirn mit uns macht

Leverkusen. Wer sich Asche aufs Haupt streut, zeigt laut Kirchenexperten vor allem Bußfertigkeit - und konfrontiert sich mit dem Sterben. Von Peter Korn

Wie man feiert, das ist Franz-Josef Finette nun wirklich nicht fremd. Der 67-Jährige zelebriert für die Karnevalsgesellschaft Altstadtfunken Opladen bereits seit Jahren mit großem Erfolg die Kölsche Messe - als ehemaligem katholischen Messdiener und Kirchenbediensteten fällt ihm das auch nicht besonders schwer.

Zum Aschermittwoch hin hält er es jedoch eindeutig mit dem unvergessenen Karnevalisten Jupp Schmitz und dessen Hit: "Am Aschermittwoch ist alles vorbei" - zumindest die ausgelassene Partysause. Den Beginn der Fastenzeit und die Erinnerung an die eigene Sterblichkeit dokumentiert Franz-Josef Finette wie viele andere Christen auch dadurch, dass er sich das Aschenkreuz mit dem Daumen auf die Stirn zeichnen lässt. Am Mittwoch tat er dies in Sankt Remigius Opladen - normalerweise besucht er die Gottesdienste in Küppersteg.

Für Finette und seine Frau ist das Aschenkreuz nicht nur ein dekoratives Zeichen: Es konfrontiert mit dem Sterben. "Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst" - diese Worte wählt der Priester, wenn er Asche über das Haupt des Gläubigen streut oder mit Asche seine Stirn bezeichnet.

Wer sich Asche aufs Haupt streut, zeigt laut Kirchenlexikon vor allem Bußfertigkeit. Der Ritus gehe auf die frühe Kirche zurück, heißt es: "Damals wurden Menschen, die sich schwer vergangen hatten, öffentlich in den Stand der Büßer aufgenommen, mit einem Bußgewand bekleidet und mit Asche bestreut. Gründonnerstag wurden sie wieder in die Gottesdienstgemeinschaft aufgenommen." Diese Form der altchristlichen Buße kam zum Erliegen und wurde durch die Bußpraxis der irischen Kirche, die wesentlich häufiger zu empfangende Ohrenbeichte, ersetzt.

Asche im Gotteshaus zeigt über die reine Begriffserklärung hinaus aber vor allem auch, dass es in der Religion auf Kontraste ankommt. Und das spiegelte sich früher auch im Karneval selbst, der keineswegs festlich war, sondern derb. Er zeigte den Narren, den Dummkopf, der Gott nicht erkennt. In den Masken werden die Laster dargestellt, in den Büttenreden die menschlichen Schwächen aufs Korn genommen.

Früher wie heute steht der Aschermittwoch aber für eine Zeit der Umkehr, die das Leben neu im Glauben verankern soll - die 40-tägige Fastenzeit. Die Konfrontation mit der eigenen Vergänglichkeit tritt im Kirchenjahr nie so deutlich hervor wie zu Aschermittwoch. "Das verlangt den Gläubigen einiges ab - genauso wie Kunst den Künstlern und ihrem Publikum immer etwas abverlangt", erläutert Jakob Johannes Koch, Kulturreferent im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. Die Spannung zwischen der menschlichen Sterblichkeit und dem auferstandenen Christus - "das ist diese Ambivalenz, in der wir stehen im Leben", sagt Koch.

Christen wie Franz-Josef Finette bekennen sich jedes Jahr neu dazu.

Quelle: RP
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