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A1-Tunnel
Was Leverkusen von Bayern lernen kann

A1-Tunnel: Was Leverkusen von Bayern lernen kann
Protestaktion in Oberau: Schon vor Jahren kämpfte der oberbayerische Ort vereint um einen Verkehrstunnel. Der wird nun gebaut. FOTO: VEO
Leverkusen. Der lang ersehnte Tunnel kommt! Nach einigem Hin und Her steht fest: Für 204 Millionen Euro wird er gebaut. Die schlechte Nachricht: Es geht nicht um Leverkusen. Die "Tunnellösung" bezieht sich auf eine neue Ortsumgehung des bayerischen Dorfes Oberau an der Bundesstraße 2 nördlich von Garmisch. Von Peter Clement

Die täglichen Blechlawinen durch das enge Loisachtal sollen bald der Vergangenheit angehören - im Bundesverkehrswegeplan sind für die gesamte Region Ortsumgehungen für mehr als eine halbe Milliarde Euro vorgesehen. Viele, die sich auch für die Autobahn 1 in Leverkusen einen Tunnel statt der befürchteten "Mega-Stelze" wünschen, blicken in diesen Tagen nach Oberau - und merken mal offen kritisch, mal süffisant im Nebensatz versteckt an, dass es sich bei der Gemeinde ja um den Wahlkreis von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) handele. Beim von Oberbürgermeister Uwe Richrath angesetzten "Fachgespräch zum Autobahnausbau" am Dienstag im Leverkusener Rathaus war Dobrindts "Verteilpolitik" jedenfalls mehrfach Thema.

Der Tunnel ein Wahlgeschenk? Da kann Josef Bobinger nur lachen. Der Dachdeckermeister ist 2. Bürgermeister von Oberau, sitzt für die CSU im Gemeinderat. Doch was noch viel wichtiger ist: Bobinger führt seit dem Jahr 2000 die VEO - die "Bürgerinitiative zur Verkehrsentlastung Oberau". Er sagt: "Der Minister konnte am Ende gar nicht mehr anders entscheiden, weil die Leute bei uns seit nunmehr 40 Jahren alle zusammen in unserer Region für die Tunnellösung kämpfen und den Druck immer weiter erhöht haben." Einige Beispiele:

Demonstrationen Bei den jährlichen Protestmärschen waren 1000 Teilnehmer auf der B2 dabei - laut Bobinger ein Drittel der Einwohner. Es gab aber auch "Radltouren" und andere Formen des Protests.

Prominente wurden immer wieder als Unterstützer und Multiplikatoren eingebunden - so griff unter anderem Deutschlands Biathlon-Ikone Magdalena Neuner zum Mikrofon, um den Tunnel zu fordern.

Ungewöhnliche "Fachgespräche" Um ihnen einen imposanten Eindruck der Blechlawine zu vermitteln, die sich mit 40.000 Autos täglich durchs Loisachtal zwängt, steckten die Ortspolitiker und die Bürgerinitiative einige Mitglieder des Bundesverkehrsausschusses aus Berlin kurzerhand in einen Hubschrauber und luden sie zum Rundflug mit Diskussion ein.

Tropfen-Taktik Nach dem Motto "Steter Tropfen höhlt den Stein" und Informationen aus erster Hand können niemals schaden, ließen sich die Oberauer Aktivisten regelmäßig bei den Bundestagsabgeordneten blicken.

Bürgerbriefaktion VEO-Mitglieder verteilten in einer Aktion mehr als 3000 Bürgerbriefe an die Oberauer Haushalte. Die Oberauer sollen die Briefe dann mit Namen und Anschrift versehen, unterschreiben und an den Bundesverkehrsminister schicken. "Sinn der Aktion war es, dem Minister klar zu machen, dass das Anliegen der Verkehrsentlastung wirklich allen Bürgern unter den Nägeln brennt", sagt Josef Bobinger. Und überhaupt:

Einigkeit Im Gemeinderat von Oberau sind drei politische Gruppierungen vertreten: die CSU, die Freien Wähler und die SPD. "In all den Jahren haben wir die Beschlüsse zur Ortsumgehung immer einstimmig gefasst", betont der Vize-Bürgermeister: "Wir waren bei den Bundesverkehrsministern Ramsauer, Tiefensee und Dobrindt und haben dort mit einer Stimme gesprochen." Alle drei hätten betont: "Ihr müsst erstmal Baurecht schaffen, sonst geht gar nichts."

Doch auch das habe man geschafft - und immer dokumentiert: "Wir halten zusammen und gehen euch nicht von den Füßen runter."

Diese Einigkeit empfiehlt der bayerische Gemeinderat dem Leverkusener Stadtrat dringend. Wer nur mit dem Finger auf Minister Dobrindt zeige und behaupte, dieser wolle lediglich seinen Wahlkreis beglücken, blende nicht nur die jahrzehntelange Vorgeschichte aus - er mache es sich in Sachen des Engagements für das eigene Anliegen auch ziemlich einfach.

Quelle: RP
 
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