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Leverkusen
Watteweicher, wunderbarer Klang

Leverkusen. Beide sind noch unter 30 und haben bereits erstaunliche Erfolge auf Konzertpodien zu verzeichnen. Beide wurden mit einem ECHO Klassik als bester Nachwuchskünstler ausgezeichnet. Dennoch behaupten sie ihre Positionen nicht als technisch brillante Einzelkämpfer, sondern ordnen ihr musikalisches Talent der Musik unter. Zusammen sind Felix Klieser und Alexander Krichel deswegen unschlagbar. Von Monika Klein

Bei Bayer Kultur wurde das Duo beim dritten Konzert der Kammermusik-Reihe diese Woche euphorisch gefeiert. "Wenn Sie noch Zeit und Lust haben, dann hätten wir noch eine Zugabe", wendete sich der sympathische 24-Jährige Hornist an das applaudierende Publikum und kündigte die Romanze F-Dur von Camille Saint-Saëns an. Natürlich hatten alle noch Lust und ließen sich verzaubern von einem watteweichen Sound, mit dem Hornist und Pianist die Hörer in himmlische Sphären hob.

Alexander Krichel ist für das Bayer-Publikum kein Unbekannter. Seit Herbst 2012 bekam es im Erholungshaus regelmäßig Updates seiner sprunghaften Karriere. Zuletzt kurz vor Weihnachten mit einem Klavier-Recital, das er für Bayer Kultur als Dankeschön-Konzert nach dreijähriger Förderung spielte.

Jetzt erwies er sich als sensibler und aufmerksamer Duopartner seines Ausnahme-Kollegen, der trotz seines Handycaps alles Wichtige in sich vereint. Er ist virtuos und draufgängerisch und bringt sein Blasinstrument zum Singen, wenn sich eine anmutige Melodie durch seinen Part zieht wie etwa im Mittelsatz von Joseph Rheinbergers Sonate für Horn und Klavier Es-Dur op. 178. Ein Werk, das mit ein wahrhaft feuriges Finale mündet, das die beiden Musiker mit einvernehmlicher Intensität über die Rampe brachten.

Kliesers feiner Ansatz lässt das Horn auch im zarten Piano verlässlich und punktgenau anspringen. Zudem hat er eine besondere Technik entwickelt, die es ihm ermöglicht, die Klangfarbe ohne Zuhilfenahme der Hand im Schalltrichter zu treffen. Felix Klieser wurde ohne Arme geboren, die Ventile seines auf ein Stativ geschraubten Instruments bedient er mit den Zehen versierter als es viele gestandene Kollegen mit der Hand beherrschen.

Aber diese Besonderheit wird zweitrangig, wenn man die Augen schließt und sich einfach Klang und Fluss der Musik hingibt, in die sein beseeltes Spiel das Notenmaterial verwandelt. Insbesondere bei den romantischen Stücken, aber genauso in der Beethoven-Sonate F-Dur, mit der das Duo den Abend eröffnet hatte.

Quelle: RP
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