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Leverkusen
Wayne Marshall - schlicht phänomenal

Leverkusen. Nur gut, dass die Bielertkirche bei der letzten Saison-Veranstaltung von KulturStadtLev so voll war. Diesen exzellenten Abschluss der Reihe Orgelforum durfte man sich einfach nicht entgehen lassen. Wayne Marshall begeisterte das Publikum mit seinem kraftvollen Spiel in atemberaubendem Tempo. Von Monika Klein

Der englische Musiker hat sich unter anderem seit dem Saisonstart 2014/15 als Chefdirigent des WDR Funkhausorchesters einen Namen gemacht. Aber der 45-Jährige ist ein talentierter Tausendsassa, der komponiert, ebenso als Pianist (klassisch und Jazz) und klassischer Organist tätig ist. Auf einem Niveau, "das atemberaubend ist", stellte Kantor Michael Porr als Hausherr den Gast vor, dessen Literaturspiel er ebenso "phänomenal" findet wie dessen Improvisation.

Dass er damit nicht zuviel versprochen hatte, wurde den Besuchern schon nach wenigen Takten einer improvisierten "Intrada" klar. Ein energiegeladenes Stück Musik mit repetierend rhythmischem Grundmuster, über dem Marshall seine Themen verarbeitete. Die ausgesprochene Vorliebe für Jazz und seine intensive Beschäftigung mit der Musik Gershwins, Bernsteins und anderer amerikanischer Komponisten ließ sich dabei nicht verleugnen. Ebenso wie bei der ausladenden Improvisation zum Konzertschluss, in der er den River-Kwai-Marsch (aus dem Film "Die Brücke am Kwai" und später Melodie der Underberg-Werbung) mit der Nationalhymne verwob. Mal frech gepfiffen von einem hohen Flötenregister, dann nach allen Regeln der Kunst harmonisch verfremdet und zu einem mächtigen Riesenwerk gesteigert. Danach Brach der Jubel unter den Zuhörern erst richtig los. Die hatte Wayne Marshall allerdings mit dem Literatur-Teil seines Programms schon längst erobert.

Sei es mit der majestätisch brillanten Eröffnung des Präludiums und anschließender Fuge von Franz Schmidt, die schon fast den Raum sprengte. Zur kurzfristigen Beruhigung spielte Marshall dann eine Pastorale des Franzosen Jean Roger-Ducasse, die er dazu nutzte, die zarteren Klangfarben des Instruments hervorzuheben. Aber selbst hier pulsierte und brodelte das Spiel unter der Ruhe an der Oberfläche.

Kurzes Verschnaufen also für die sechste Orgelsymphonie von Charles Marie Widor, die für Wayne Marshall "his best" ist. Die spielte er komplett auswendig, was die Zuhörer auf der Video-Leinwand ebenso verfolgen konnten, wie das absolut souveräne, energische und körperbeherrschte Spiel dieses Musikers. Im Rekordtempo nahm er die schnellen Sätze, um zum Finale ein sprühendes Feuerwerk zu zünden, das selbst die Hörer ziemlich außer Atem geraten ließ. Ein unvergessliches Konzert.

Quelle: RP
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