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Leverkusen
WC-Becken in stabiler Seitenlage

Leverkusen. Der Künstlerbunker Karlstraße erweitert sein Programm um drei bis vier Kurzausstellungen pro Jahr. Ab Freitag bespielen René Frampe und Tobias Doerr die Räume. Von Monika Klein

Zum ersten Mal hat René Frampe seine großformatigen Fotoabzüge direkt auf die Wände tapeziert. Die Idee dazu hatte er bei der ersten Besichtigung der Bunkerräume, die so beschaffen sind, wie es sich sein Künstlerauge wünscht. Er ist fasziniert von Strukturen, die Fassaden mit gewisser Geschichte aufweisen, die jedenfalls nicht makellos glatt und säuberlich gestrichen sind. Plan auf die Wand geklebt, drücken die Unebenheiten und Buckel im Bunker-Putz weitere Strukturen in seine Schwarzweißbilder, die in Vietnam oder Tunesien aufgenommen wurden.

Davor sind Menschen in Bewegung, dennoch handelt es sich in keinem Fall um einen Schnappschuss, sondern um eine geduldig erwartete besondere Gelegenheit. So weist eine lange Fabrikfassade eine Reihung fast gleicher schwarzer Flecken auf, und einen dieser Plätze nimmt der Kopf eines vorübergehenden Menschen ein, der so Teil des Musters wird. An anderer Stelle ist es der überlange spitze Hut eines Passanten, der das Dreiecksmuster in der Hintergrundmauer umkehrt. Solche Bilder macht man nicht mal eben. Sie erfordern einen gezielten Blick und vor allem Zeit.

"Wenn sich nicht die passende Situation ergibt, muss ich eben noch einmal wiederkommen", erklärt Frampe seinen auf Zufall angewiesenen Ansatz. Ziel ist die Verschmelzung von Flächenstruktur und einzelnem Menschen in Bewegung, der nicht mal etwas von seiner Bedeutung merkt. Oder davon, dass sein Auftritt Geschichten erzählen kann. Diese zu lesen oder zu erfinden, das überlässt Frampe den Betrachtern. Jedenfalls verzichtet er auf hinweisende Titel.

Das verbindet ihn mit Ausstellungspartner Tobias Doerr, der sich parallel zum Architekturstudium der Malerei zugewendet hat. Zudem baut er Objekte aus Dingen, die sich irgendwo angesammelt haben, aber längst außer Dienst gestellt sind. Der knickbare Arm einer Schreibtischleuchte hält einen alten Föhn, der mit ziemlichem Getöse einen angebundenen grünen Faden waagerecht in der Luft schweben lässt.

Im fensterlosen Mini-Innenraum hat er eine runde Bühne platziert, auf der sich die Achse eines elektrischen Entsafters mitsamt einem vertrockneten Pflanzenbündel bewegt. An anderer Stelle schweben zwei aneinander geschraubte WC-Becken in Seitenlage von der Decke.

Wie seine Objekte entstehen auch die farbigen Bilder aus der Arbeit heraus. Bevor Doerr Ölfarbe anmischt und Stifte spitzt, schafft er sich gerne Ausgangspunkte wie Fotografien oder einen Computerdruck. Dann beginnt der kreative Prozess, bei dem er etwas hinzufügt, um die neue Situation als Ausgangsposition für weitere, meist transparente Übermalungen zu nehmen. Wie bei seinen Objekten scheinen modifizierte Alltagsobjekte aufzutauchen. Wenn etwa staubsaugerähnliche Formen zu gestreiften Haustieren mutieren und dem Ganzen den surrealistischen Touch einer Fantasiewelt geben.

"ad hoc" Vernissage und Party Freitag, 5. August, um 19.30 Uhr im Künstlerbunker, Karlstraße 9. Geöffnet am 6. und 7. August von 11 bis 18 Uhr, Künstler sind anwesend.

Quelle: RP
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