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Leverkusen
Weißer Ring: Außenstelle Leverkusen sucht seit vier Jahren einen Chef

Leverkusen. Manchmal ist es nur ein kurzer Moment, der das ganze Leben auf den Kopf stellt: Für Opfer eines Verbrechens ist nach der Tat oftmals nichts mehr wie vorher. Das gilt vor allem für Gewalttaten und sexuelle Übergriffe, aber auch für Einbrüche oder Raub. "Wenn das persönliche Sicherheitsgefühl abhanden kommt, ist das eine ernste Sache", sagt Erhard Weber. Er ist seit über zehn Jahren Mitglied im "Weißen Ring" und Leiter der Außenstelle Köln-Rechtsrheinisch. Von Dorian Audersch

Die Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer wurde 1976 gegründet - unter anderem von dem Fernsehjournalisten Eduard Zimmermann ("Aktenzeichen XY"). Inzwischen hat der Verein bundesweit etwa 50.000 Mitglieder und rund 3000 ehrenamtliche Helfer. Erhard Weber ist einer davon - ebenso wie sein Stellvertreter Siegfried Sümnik. Zusammen mit weiteren freiwilligen Helfern leisten sie Arbeit im Opferschutz.

Der Kontakt zu Menschen, die nach einem Verbrechen Hilfe brauchen, entsteht meist über die Polizei. Wird im Zuge der Ermittlungen der Bedarf einer weitergehenden Hilfe oder Betreuung erkannt, vermitteln die Beamten unter anderem an den Weißen Ring. "Zu unseren Leistungen zählt Beistand, Begleitung und Vermittlung zu anderen Stellen wie etwa Therapeuten", sagt Sümnik. Oft seien die psychischen Folgen für Opfer von Kriminalität gewaltig. "Das gilt auch für die Familien der Betroffenen."

Hilfe gibt es auch für die Durchsetzung von Ansprüchen nach dem Opferentschädigungsgesetz, mit dem unter anderem Prozesskosten finanziert werden können. Außerdem gewährt der Weiße Ring finanzielle Unterstützung bei tatbedingten Notlagen, bietet Erholungsmaßnahmen an und hilft beim Umgang mit Behörden. "Es ist ein breites Spektrum", sagt Weber, der seit knapp vier Jahren auch Leverkusen kommissarisch mitbetreut.

Der Posten des Leiters der Außenstelle Leverkusen sei seit Jahren vakant, bedauert der 67-Jährige. Dabei ist der Bedarf durchaus vorhanden. 2015 war der Weiße Ring 42 Mal mit seinen Helfern in Leverkusen aktiv - darunter allein 14 Fälle von Vergewaltigungen. Auch nach vier versuchten und vollendeten Tötungsdelikten, häuslicher Gewalt (4) und Körperverletzung (8) waren die Opferschützer mit Rat und Tat zur Stelle. "Es ist nicht leicht, jemanden zu finden, der diese verantwortungsvolle Arbeit ehrenamtlich koordiniert", sagt Weber. Mit rund zehn Stunden pro Woche müsse man für den Job schon rechnen. "Es ist viel administrative Arbeit, aber man wird hervorragend geschult und darauf vorbereitet", wirbt er. Zudem sei Opferhilfe "einfach eine gute Sache".

Info Wer Interesse an der Leitung der Außenstelle Leverkusen hat, kann sich an Tel. 02203 183656 wenden oder eine E-Mail an wr.koeln.rrh@netcologne.de schreiben.

Quelle: RP
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