| 00.00 Uhr

Leverkusen
Weltbürger Wulff bei Sparkasse gefeiert

Leverkusen: Weltbürger Wulff bei Sparkasse gefeiert
Sprachen an dem Abend miteinander: Wulff und Werner Wenning. FOTO: Miserius, Uwe (umi)
Leverkusen. Der Ex-Bundespräsident trat als Redner beim Neujahrsempfang der Sparkasse vor mehr als 400 Gästen auf. Von der im Vorfeld gelaufenen Diskussion um sein Honorar war im Publikum nichts zu hören, dafür viel Lob zu seinem Referat. Von Ludmilla Hauser

Älter ist er geworden, vom Leben mehr gezeichnet, erweckt einen staatsmännischeren Eindruck als zu der Zeit, als er noch Bundespräsident war. Das steht ihm. Und noch mehr steht Christian Wulff an diesem Abend vor mehr als 400 Gästen in der Zentrale der Sparkasse Leverkusen, dass er all das draußen lässt, was ihn über Monate in die Schlagzeilen brachte. Bis auf einmal. "Eigentlich wollte ich mein Buch gar nicht ,Ganz oben - ganz unten' nennen, sondern ,Glück gehabt'." In den Publikumsreihen wird gelacht. Wulff lächelt. "Ich meine das ernst. Ich habe Glück, in einem Land zu leben, in dem man nicht für etwas verurteilt wird, das man nicht getan hat." Es ist keine Koketterie, sondern ein Satz, der in einen Vortrag passt, der weltumspannend ist.

Mehr als 400 Gäste aus Politik (außer der SPD-Spitze), Verwaltung, Wirtschaft, Sport und der Kundschaft des Geldinstituts waren neugierig auf Wulff. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Wulff spricht zum Thema "Das Ansehen und die Aufgabe Deutschlands in der Welt" und ordnet ein - Deutschland in die Welt und auch die Aufgaben jedes Einzelnen in das Räderwerk, das die Flüchtlingskrise beenden, Frieden stiften, Staatenabschottung verhindern kann. Er weiß, kleine Pointen zu setzen ("Kennen Sie Jelena Petrowna? Nein? Aber Sie kennen sie unter ihrem deutschen Namen Helene Fischer. Die Frau ist Immigrantin und rettet gerade überzeugend den deutschen Schlager.").

Und er weiß, Weltpolitik nach Leverkusen zu holen: "Überlegen Sie mal, wie viele Kulturen Bayer-04-Trainer Roger Schmidt zu einem gut spielenden Team vereint. Genau diese Offenheit für andere Kulturen brauchen wir - keine Abschottung. Die ist keine Lösung. Wenn wir etwas erreichen wollen in der Welt, muss Europa mit einer Stimme sprechen. Wenn jeder etwas anderes will, dann ist das die große Gefährdung des europäischen Anliegens."

Wulff setzte seine Gestik sparsam ein. 65 Minuten dauerte sein Vortrag. FOTO: Miserius, Uwe (umi)

Sich anderen Kulturen öffnen heiße nicht, das eigene Umfeld zu vernachlässigen. Dass Deutschland einst aus vielen Fürstentümern zusammenwuchs, in denen jeder Landesherr etwas Besonderes haben wollte wie Universitäten, Orchester, Museen, habe das Land geprägt. "Verantwortung findet hier vor Ort statt, es gibt eine starke örtliche Verbundenheit. Mancher Opladener will es bleiben, obwohl Opladen längst zu Leverkusen gehört", bricht Wulff das Thema lokal herunter. "Der Föderalismus in diesem Land ist eine große Chance. Ebenso die Struktur des Mittelstands mit Familienbetrieben." Der Scheich von Katar habe von Wulff bei einem Besuch dezidiert wissen wollen, wie der Mittelstand funktioniere. "Wir machen uns zu selten bewusst, was wir können", betont er und bezieht sich auf Autoren aus dem Ausland, die längst festgestellt haben, was die Deutschen antreibt: "Die Nörgeligkeit ist ein Standortvorteil, weil man's immer besser machen will." Die "New York Times" habe bereits neidvoll festgestellt: "Nicht mehr Amerika ist das Macherland, sondern Deutschland. Unsere Selbstkasteiung entspricht nicht dem Bild von uns in der Welt."

Wirtschaft und Diplomatie, Tschernobyl und Prager Frühling, Bevölkerungswachstum, Terror, die Geschichte Europas, das Grundgesetz, Wissenschaft, Bildung - das alles verwebt Wulff in 65 Minuten ohne Längen, ohne Pausen, ohne übertriebene Gestik zu einem schlüssigen Vortrag. Zuhören lässt es sich gut, ein paar Kernsätze merken auch.

Christian und Bettina Wulff gemeinsam zurück auf dem roten Teppich FOTO: dpa, udu kno

Dass Wulff für den Vortrag Geld in ungefährer Höhe der Summe von der Sparkasse bekommt, die vor Jahren Peer Steinbrück gezahlt wurde, ist in dem Moment vergessen. Steinbrück hatte kurz nach dem Sparkassen-Vortrag die Liste seiner Sondereinkünfte veröffentlicht und für Leverkusen 15.000 Euro notiert.

Als Wulff, der sich kurz vor der Veranstaltung mit Bayer-Aufsichtsratschef Werner Wenning getroffen hatte, den obligatorisch überreichten Bayer-04-Fanschal einem seiner Begleiter übergibt, dringt ans Ohr von Sparkassen-Chef Herpolsheimer öfters dieser Satz von Gästen: "Der Wulff hat hervorragend gesprochen."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Leverkusen: Weltbürger Wulff bei Sparkasse gefeiert


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.