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Leverkusen
Weltkriegsfolge: Gütergleis-Verlegung kostet rund 1,3 Millionen Euro mehr

Leverkusen: Weltkriegsfolge: Gütergleis-Verlegung kostet rund 1,3 Millionen Euro mehr
Nach Abriss der Gütergleis-Unterführung am Bahnhof Opladen wird die Fußgängerzone Bahnhofstraße bis zur Bahnhofsbrücke verlängert. FOTO: US
Leverkusen. Die Verlegung der Gütergleise an die Personenzugstrecke in Opladen wird teurer und dauert länger. Ein Grund: die Funde der Weltkriegsbomben. Ist alles fertig, bekommt der Stadtteil ein neues Viertel und neue Verkehrsführungen. Von Ulrich Schütz

Das Projekt "Gütergleis-Verlegung" Opladen ist für viele Leverkusener, die sich nicht mit den "Neue Bahnstadt-Plänen" befassen, ein abstraktes und unbekanntes Projekt. Dabei wird gerade dieses Vorhaben Opladen-Mitte verändern wie kaum eine Maßnahme vorher. Der Busbahnhof Opladen und die benachbarte Durchgangsstraße werden in Richtung Bahnhof verschoben, die Fußgängerzone Bahnhofstraße bis zum Bahnhof Opladen verlängert. Erst einmal gab es gestern aber eine weitere Hiobsbotschaft: Die Gleisverlegung wird mindestens um 1,3 Millionen Euro teurer, die Fertigstellung verzögert sich um mindestens zwei Monate bis in den März 2018. "Alle Angaben ohne Gewähr", betonten gestern die Verantwortlichen von Bahnstadt, Bahn, Projektmanagement und Stadt Leverkusen.

Erst im November hatte Vera Rottes, Geschäftsführerin der städtischen Bahnstadt-Gesellschaft, Pannen beim Bahnhofsumbau und damit eine Kostensteigerung von rund 1,2 Millionen Euro verkünden müssen. Dabei ging es unter anderem um zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für die Rolltreppen. Zwei stehen 26 Zentimeter zu dicht an den Oberleitungen. Die Gefahr, dass ein Passant einen Stromschlag von einem Lok-Stromabnehmer bekommt, ist nach Bahn-Richtlinien zu groß. Deshalb müssen Trennscheiben nachgerüstet werden.

Die gleiche Perspektive vom jetzigen Busbahnhof. Straße und Busbahnhof sollen bald wegfallen. Hier entstehen Wohn- und Geschäftsgebäude, die Fußgängerzone Bahnhofstraße (links) wird bis Bahnhofsbrücke verlängert. FOTO: Seibel/Miserius

Deutlich verändert wurde die Arbeitsweise der Baufirmen, die zwischen Fixheider Straße/Recycling Bender und der Lützenkirchener Straße die Gütergleise verlegen und die Umgehungsstraße "neue Bahnallee" bauen. Wegen der Funde von zwei Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg müssen jetzt alle Erdarbeiten vorsichtiger als bislang durchgeführt werden.

Heißt: Seit 7. März ist ein Kampfmittelexperte ständig auf der Baustelle. Er sucht zunächst den Baubereich nach Bomben ab, dann dürfen die Baggerfahrer die erste Bodenschicht von nur 30 Zentimetern abtragen. Danach wird wieder nach Bomben gesucht. So geht es Schicht um Schicht bis in Tiefen von vier Metern - und dies alles auf einer Strecke von 1800 Metern. Die Angst, auf eine unentdeckte Bombe zu stoßen, ist groß. Dabei war das Areal vergangenes Jahr auf Weltkriegsrelikte abgesucht worden. Nach den Luftbildaufnahmen der Alliierten gab es 18 Bomben-Verdachtsflächen. Im Oktober 2015 wurde nahe Bahnhof die erste Bombe entschärft, im Februar an der "Bender-Brücke" eine zweite. Deshalb wurde die Gefahrenlage neu bewertet. Die Berufsgenossenschaft Bau legte sogar die Baustelle zeitweise still, erst nach Einweisung der Bauarbeiter ins neue Sicherheitskonzept konnte es weitergehen. Jetzt geht alles langsamer voran. Damit kippte auch der Termin, zu dem die alte Gütergleisstrecke drei Wochen gesperrt werden sollte, um die neue Strecke anzuschließen. Wann es jetzt dazu kommt, dies ist offen. Sperrpausen haben bei der Bahn eine lange Vorbereitungszeit, viele Firmen müssen informiert und eingebunden werden. Einfach nur umleiten, das funktioniere nicht, sagt Bahnvertreter Dieter Baier. Möglicherweise müssten während der Sperrzeit Bahngüter auf Lkw umgeladen werden. Bahn-Fahrgäste kennen das: Bei ihnen heißt es so etwas Umsteigen in den "Schienenersatzverkehr". Dieses ganze Verlegen der Gütergleise ist aber erst der Auftakt zu einem radikalen Wandel im Bereich heutiger Busbahnhof. Denn: Sind der Damm mit den Gütergleisen und auch die Bahnunterführung weg, entsteht im Bereich heutige Brücke/WC-Anlage/P&R-Parkplätze der neue Busbahnhof. Weitere Folge: Die Fußgängerzone Bahnhofstraße wird bis an die neue Bahnhofsbrücke verlängert.

Dort, wo heute der Busbahnhof steht, fällt die Freiherr-vom-Straße komplett weg: Es sind dafür Wohn- und Geschäftshäuser geplant, für die auch der Platz der jetzigen Gütergleisstrecke genutzt wird.

Bild vom ehemaligen Busbahnhof Opladen: Damals war die Durchfahrt aus der Gerichtsstraße zur Freiherr-vom-Stein-Straße noch möglich. Das Bild wurde am 19. März 1992 aufgenommen, da lief der Umbau zum heutigen Busbahnhof schon. FOTO: Seibel, Peter

Die Goethestraße in Richtung alter Busbahnhof wird geradeaus bis zum Bahnhof verlängert und dort an die Umgehungsstraße "neue Bahnallee" angeschlossen. Parallel zur Bahnstrecke geht es weiter zur Lützenkirchener oder Fixheider Straße.

Quelle: RP
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