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Leverkusen
Wenn Besucher Künstlers Werk vollenden

Leverkusen. Am Internationalen Museumstag startet in Morsbroich eine Ausstellung, in der Betrachter mitarbeiten. Von Monika Klein

Das Bäumchen in Schloss-Vorhof ist noch klein. Ob es wohl alle Wunschzettel tragen kann, die Besucher bis zum Abschluss der Ausstellung am 3. September hineinhängen und so ein Kunstwerk fertigstellen? Diese Arbeit ist ebenso von Yoko Ono wie der Raum mit zerbrochenem Geschirr auf dem Tisch, das mit Kleber oder Band wieder zusammengesetzt werden und ins Regal gestellt werden soll. Später, nachdem die Ausstellung von hier ins 21er-Haus in Wien gewandert ist, werden diese reparierten Stücke zur Künstlerin nach New York geschickt.

Diese interaktive Arbeit spielt durchaus auf die derzeitige Situation des Hauses an, wo schon viel Porzellan zerschlagen wurde, das schnell kaputtgemacht aber nur mühsam wieder zu flicken ist. Auch andere der insgesamt 38 gezeigten Positionen hinterfragen explizit den Umgang mit Kunst und Kultur im Allgemeinen und den erklärten Schließungsabsichten einer Stadtverwaltung. Jedes autoritäre System wisse um den Stellenwert von Kunst und greife sofort zu Mitteln wie Zensur, Unterdrückung und Verbot, sagt Kuratorin Dr. Stefanie Kreuzer.

Warum man hier auf die Idee komme, das einfach einsparen zu können, sei ihr ein komplettes Rätsel. Kunst sei das, was bleibt. Sie hätte nie gedacht, einmal eine so politische Rede halten zu müssen. Mit der Ausstellung "Duett mit Künstler/in", die Partizipation als künstlerisches Prinzip zeigt, erklärt sie auch ihre eigene Arbeit. Und sie erinnert an die Idee, mit der das Museum Morsbroich 1952 als erstes Haus für zeitgenössische Kunst eröffnet wurde. Es war ein Aufbegehren gehen die Schatten der Diktatur, ein Neuanfang mit Menschen, die kritisch sind und Stellung beziehen, aber auch bereit zu Gespräche und zum Miteinander. So finden sich hier auch historische Arbeiten von Wolf Vostell oder Joseph Beuys neben ganz aktuellen Werken, die vor und für den Ort entstanden sind.

An einer haben Bürger schon seit 14 Tagen mitgearbeitet. Bewusst oder nicht haben sie ihre Spuren hinterlassen auf der Grundriss-Folie vom zentralen Ausstellungsraum. Die hatte der Düsseldorfer Künstler Mischa Kuball zunächst vor der Rathaus-Galerie verlegt, um Abdrücke zu sammeln und aufmerksam zu machen auf die Bedeutung des Museums. David Shrigley hat einen Zeichensaal eingerichtet, in dem eine übergroße Puppe Modell steht und sich von Besuchern zeichnen lässt. Das Ergebnis wird mitgenommen oder an die Wand geheftet, gute Gelegenheit für alle, die immer mal im Museum hängen wollten. Leichter macht es einem Juergen Staack mit seiner Projektion von Lichtfeldern, in denen der Betrachter als Schattenfigur oder -porträt erscheint. Das Jagdzimmer wurde zur Selbstbedienungs-Bar, gebaut aus Spiegeln und Automaten.

Es gibt auch spielerische Aufforderungen wie die Tischtennisplatten von Rirkrit Tiravanija, wo man beim Match über Fragen von morgen nachdenken kann oder die bespielbaren Instrumentenbäume mit Küchenutensilien.

Quelle: RP
 
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