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Leverkusen
Wer "an-eckt" kommt ums Denken nicht herum

Leverkusen: Wer "an-eckt" kommt ums Denken nicht herum
Winfried Gille und Ellen Loh-Bachmann haben vor die Ausstellung einen markanten Holzzaun gesetzt, durch den die Besucher erstmal durch müssen. FOTO: Miserius
Leverkusen. Die AG Leverkusener Künstler eröffnet am Sonntag im Opladener Künstlerbunker eine hochaktuelle Ausstellung. Von Monika Klein

Halt! Kontrolle! Hier beginnt die Kunststadt. Ankommende sollen sich zuerst auf der Tafel registrieren, dann dürfen sie passieren. Das geht nicht, ohne anzuecken, egal wie man sich dreht und wendet. Von der Decke hängen rot gestrichene Latten, die man erst zur Seite schieben muss, um in den langen Eingangsraum der Galerie Künstlerbunker an der Karlstraße zu gelangen. Bei dieser Installation von Winfried Gille und Ellen Loh-Bachmann spürt man bereits körperlich, was "An-ecken" bedeutet. So nämlich lautet das Gemeinschaftsthema der aktuellen Ausstellung der AG Leverkusener Künstler, die am Sonntag eröffnet wird.

Bewusst hat man sich auf einen Begriff geeinigt, der viele Deutungen zulässt. Eines aber ist sicher, wer hier aneckt, der kommt ums Denken nicht herum. Und das ist ja schließlich der tiefere Auftrag von Kunst. Mehreren Ausstellern ist dabei das Thema Flüchtlinge eingefallen. Das ist eigentlich gar nicht so neu, zeigt Ulla Klomp mit einer vierteiligen Zeichnung. Das erste Blatt mit Asylsuchenden zeichnete sie bereits 1985. Inzwischen sind es viel mehr geworden, zeigen die drei Fortsetzungsbilder, die einen nicht endenden Flüchtlingsstrom aneinander reihen. Die Welt hinter ihnen liegt in Trümmern: zerschellte Boote und zerstörte Städte. Winfried Gille reagierte spontan auf die Terroranschläge in Paris am vergangenen Freitag mit seiner Skulptur "Angst": Ein rostiger Eisen-Schädel mit Gasmaskenbrille. Mit blendendem Gold-Panzer veredelte er an anderer Stelle seine Heuschrecken, die über ein Land herfallen und weiterziehen, wenn sie es ausgesaugt haben.

Im Umfeld dieser Arbeiten versteht man auch die Gitter-Bilder von Heiderose Birkenstock-Kotalla als Einengung, obwohl sich die abstrakten, formalen Gemälde durchaus positiv lesen lassen. Zäune bestimmen die Farbsolarisation von Werner Pusch und Ursel Scholz zwängt Menschen in einen Käfig. Streng formal hat Lüder Seedorf gearbeitet und mit farbigem Acrylglas das Prinzip männlich/weiblich objekthaft dargestellt. Klaus Wolf eckt an mit Rückseiten von bemalten Keilrahmen. Friedrich Engstenberg zeigt kantige Figuren, wie auch Michael Salge. Sigurd Koppenstedt stößt sich am Wallfahrtskommerz. Und Rita Klein gibt der Natur rechtwinklige Struktur.

Peter Nettesheim hat einer der für ihn typischen lebensgroßen Figuren abstrakte Zeitgenossen zur Seite gestellt, zusammengesetzt aus Holzresten. Jan Willem Matthiesen eckt mit grober abstrakter Malweise an. Doppeldeutig sind die Linolschnitte "Kreuzritter" von Neuzugang Karl-Karol Chobok. Helmut Tigges schließlich hat ein reales "Anecken" in der Schweiz gefunden und in realistischer Idylle festgehalten.

Ausstellungsstart Die AG Leverkusener Künstler eröffnet die Ausstellung "Anecken" am Sonntag, 22. November, um 11.30 Uhr in der Galerie Künstlerbunker, Karlstraße 9. Öffnungszeiten (bis 5. Dezember): Mittwoch, Freitag, Samstag 16 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
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