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Leverkusen
Werden Karnevalszüge drastisch verkürzt?

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Wir erklären die Anzeigen von Köln FOTO: Radowski
Leverkusen. In einem Bürgerantrag wird gefordert, Karnevalszüge zu verkürzen, weil sie Flüchtlinge, "noch weiter traumatisieren" könnten. Dies wäre aus Sicherheitsgründen eher kontraproduktiv, sagt FLK-Präsident Uwe Krause. Von L. Hauser und R. Zilles

Flüchtlinge und Karneval - wie gut oder wie schlecht geht das zusammen? Über diese Frage zerbricht sich mancher im Vorfeld des in knapp drei Wochen anstehenden Sessions-Höhepunktes den Kopf. Nicht nur vonseiten der Stadtverwaltung und der Karnevalisten, sondern offenbar auch vonseiten der Bürger.

So gingen bei der Stadt mehrere so genannte Bürgeranträge ein, die sich mit dem Thema befassen. In einem wird etwa gefordert, "die Karnevalszüge drastisch zu verkürzen". Als Grund wird angeführt: Die hiesigen Gepflogenheiten seien den "neuen Mitbürgern völlig fremd". Kostümierung und "nicht nachvollziehbare Ausgelassenheit" könnten Flüchtlinge "noch weiter traumatisieren". Eine Verkürzung der Karnevalszüge, schreiben die Antragsteller, sei geeignet, "weiteren seelischen Schaden der Asyl suchenden Menschen zu vermeiden".

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Uwe Krause kennt den Antrag. Aber einleuchten will er dem Präsident des Festausschusses Leverkusener Karneval (FLK) nicht. "Wenn das wirklich ernst gemeint ist, dann verstehe ich nicht, was eine Verkürzung genau bringen soll." Denn würde man - zum Beispiel - den Zugweg um die Hälfte verringern, "dann würde es sich doch an der verbliebenen Zugstrecke viel mehr knubbeln als im Normalfall", erläutert Krause. Hinsichtlich der Sicherheit der Besucher der Züge wäre dies eher kontraproduktiv.

Um Flüchtlingen in Leverkusen den Karneval näher zu bringen, will Krause vielmehr darauf setzen, gemeinsam mit Oberbürgermeister Uwe Richrath die Unterkünfte in der Stadt zu besuchen, um dort den Menschen zu erklären, was Karneval bedeutet (wir berichteten). Zwar sei die Idee von FLK-Vorstandskollegen auch kritisch gesehen worden, größtenteils sei sie aber gut angekommen. "An dem Plan halten wir weiterhin fest", fügt Krause an. Bis es dazu kommt, müssten aber noch bürokratische Hürden übersprungen werden. "Mitunter ist das Land zuständig für die Unterkünfte, daher muss von dort zunächst die Erlaubnis erteilt werden", sagt der FLK-Präsident.

Dass die Vorfälle am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht sehr großen Einfluss auf den Leverkusener Karneval haben werden, glaubt Krause nicht. "Hier ist schließlich alles eine Nummer kleiner als in Köln, und ich gehe nicht davon aus, dass viele Leute deshalb ihr Verhalten ändern werden", sagt er, fügt aber an: "Das ist meine persönliche Einschätzung. Letztlich kann heute niemand wirklich sagen, welche Auswirkungen das tatsächlich haben wird."

Ein anderer Bürgerantrag fordert Oberbürgermeister Richrath auf, bei seinen Besuchen von Karnevalssitzungen künftig zwei bis drei Flüchtlinge mitzunehmen. Die könnten im Anschluss in ihren Unterkünften als "Multiplikatoren" dienen, also in den Unterkünften von ihren Erfahrungen über den Karneval berichten.

Richrath findet, diese Idee sei ein "netter Gedanke", aber er ist überzeugt davon, dass es sinnvoller ist, Flüchtlingen in den Unterkünften zu erläutern, was es mit dem Karnevalsbrauchtum auf sich hat und "was das überhaupt ist. Wir wollen das in den verbleibenden drei Wochen unbedingt versuchen, in die Flüchtlinsgeinrichtungen zu tragen. Ich halte das erst mal für sinnvoller, als Flüchtlinge mit auf Sitzungen zu nehmen."

Gerade gestern hat der Oberbürgermeister mit der Leverkusener Polizeispitze über das Thema Karneval in der Stadt gesprochen, vor allem über die Karnevalsumzüge: "Die sollen in ihrer regulären Länge stattfinden. Warum sollen wir etwas reduzieren, was gewachsen ist und Tradition hat?", fragt Richrath rhetorisch. Die Polizei habe gesagt, die Sicherheit sei gewährleistet, die Vorbereitung "ist im Gange und sehr gut".

Quelle: RP
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