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Leverkusen
Wie arabische Musik bayerischer Folklore ähnelt

Leverkusen. Das Publikum im Agam-Saal erlebte beim "Grenzgänger"-Konzert ein grenzenloses Musikvergnügen, Von Monika Klein

Sie erfüllen wirklich die besten Voraussetzungen, um eine Konzertreihe der KulturStadtLev mit dem Titel "Grenzgänger" zu eröffnen. Denn das "Tabadoul Orchestra" überschreitet nicht nur die Grenzen der gängigen Genres, sondern auch die verschiedener Musiktraditionen. Abgesehen davon kommen die Mitglieder des Ensembles aus unterschiedlichen Kulturkreisen.

Ein grenzenloses Musikvergnügen bereiteten die Instrumentalisten jedenfalls den Zuhörern im Agam-Saal, der allerdings fast zu klein war für den kräftigen Sound, den das technisch verstärkte Orchester entwickelt. Zumal es kaum ruhige, jedenfalls nicht dynamisch zurückgenommene Stücke im Programm gab, das die Gruppe "World Wide Wahab" überschrieben hat. Ein Hinweis auf die Universalität der abwechslungsreichen Arrangements des Gitarristen Raimund Kroboth.

Es ist dem 1991 verstorbenen Ägypter Mohammed Abdel Wahab gewidmet, einem der bedeutendsten Komponisten der arabischen Welt des 20. Jahrhunderts. Innovativ war er außerdem, denn er gilt als Begründer des arabischen Filmmusicals und Neuerer der arabischen Kunstmusik. Außerdem führte er bereits in den 50er Jahren westliche Instrumente wie die elektronische Orgel und E-Gitarre in die ägyptische Musik ein - für Kritiker eine Form von "Überfremdung", wie Trompeter Udo Moll in seiner kurzweiligen Moderation erklärte. Dieser gänzlich neue Stil arabischer Musik ist Rabih Lahoud noch gut aus Kindertagen in Erinnerung, als er Wahabs Filmmusicals am (Schwarzweiß-) Fernseher kennenlernte.

Lahoud gab den Länder und Kontinente überspannenden Arrangements die typisch arabische Stimme, die in weichen Endlos-Schleifen fließt, ohne die klar definierten Tonhöhen des abendländischen Notationssystems. Von den zehn mitwirkenden Musikern, die sich vor sechs Jahren in Köln zu einem Ensemble für Weltmusik zusammengeschlossen haben, war er in Leverkusen ein durchaus bekanntes Gesicht. Rabih Lahoud hatte vor Ort Anteil am "Young Stage"-Projekt, außerdem hat der Sänger schon mehrere Chöre im Sängerkreis gecoacht.

Die Instrumentalmusik aber lässt Bekanntes aus unterschiedlichen Ordnungs-Schubladen verschmelzen. Mal tänzelte der arabische Sound im lateinamerikanischen Rumba- oder ChaChaCha-Rhythmus, dann wieder war er klar vom spanischen Flamenco inspiriert, es gab deutliche Jazz-Elemente.

Und wie in diesem Genre bot auch der weltweite Wahab den einzelnen Instrumentalisten Raum für Soli. Insbesondere den Bläsern, Trompeter Udo Moll, Posaunist Max Muche und Klarinettistin Annette Maye.

Was wohl am meisten erstaunte und durchaus amüsierte, war die unvorhergesehene, aber erkennbare Verwandtschaft Wahabs arabischer Musik mit bayerischer Folklore. Mitunter schien sich da eine alpenländische Trachtenkapelle unter die Musiker aus Köln, Ägypten und der Türkei zu mischen.

Quelle: RP
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