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Leverkusen
Wiesdorfer Weiberfastnacht wahnsinnig wandlungsfähig

Leverkusen. Es gibt Parties, da läuft alles von selbst. Das Publikum ist heiß, der Raum voll, und theoretisch würde die Feiermeute auch zu den besten Liedern von Ernie und Bert tierisch abtanzen. Und dann gibt es Feste, auf denen man merkt, wie wichtig ein guter Diskjockey ist. So auch im Wiesdorfer Festzelt, das an Weiberfastnacht beinahe gespalten daherkam. Ganz vorne die zappelnden Marienkäfer, Piraten und Polizisten (natürlich nicht die echten!), im hinteren Teil der ruhige Stammtisch-Teil. Von Jim Decker

Ein geteiltes Zelt also - könnte man meinen. Doch das stimmte nur bedingt. Denn die Biertisch-Steher verzichteten zwar auf wildes Umherwerfen ihrer Extremitäten. Doch beim Kasalla-Hit "Pirate" bleiben die Kölschstangen stehen. Vom Anfang bis zum Ende des Liedes singt nicht nur der Partykern inbrünstig mit, sondern auch die zuvor diskutierende Beobachterriege. Das nicht komplett gefüllte Zelt wirkt jetzt so, als habe die kölsche Band live vor 10.000 Leuten gespielt.

Eine Wanderin zwischen den Zelt-Welten ist Marie (26) aus Leverkusen. Jahrelang, erzählt sie, habe sie sich vor ihrem Kostüm, das sie an dem Abend trägt, drücken können. Sie ist, natürlich, ein Marienkäfer. Die Idee kam von einer Freundin, ebenfalls eine Marie. Lange waren sie als Marienkäfer-Duo unterwegs, irgendwann nachmittags trennten sich die Wege.

Jetzt ist Marienkäfer-Marie, die sicher nicht ihr erstes Kölsch in der Hand hält, an eine Biene geraten. Die allerdings ist noch im Party-Mob, aus dem sich Marie gerade herauskämpft. "Ich kenne hier so viele Leute", sagt sie. Da sei es ja schon schwer, fünf Minuten Zeit für das Gespräch mit der Presse zu finden. "Die Stimmung", brüllt Marie gegen die Festzelt-Piraten an, "ist hier eben besonders. Ich kann da vorne total ausrasten, aber trotzdem kurze Zeit später hinten ein entspanntes Bier zum wieder Runterkommen trinken."

In der Tat wechseln viele Tänzer ab und zu nach hinten und setzen sich ausgepowert auf die Bierbänke. Ein Pirat, der unpassenderweise bei "Pirate" stiller war als der Rest, vergisst am Tresen, wieso er dort überhaupt hinkam. Brings ist jetzt dran, und der Einäugige beschwört: "Nä, wat wor dat, dann fröher, en superjeile Zick". Dem DJ sei dank.

Quelle: RP
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