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Leverkusen
Wiesdorfer Zoch: erster Preis fürs Publikum

Das war der Karnevalszug in Leverkusen-Wiesdorf 2018
Das war der Karnevalszug in Leverkusen-Wiesdorf 2018 FOTO: Miserius, Uwe
Leverkusen. "Letztes Jahr sagte die Polizei, es war ruhig, dieses Mal ,ruhiger'": So fasst der Wiesdorfer Zugleiter Günter Becker zusammen, was die 25.000 Zuschauer gestern als gemütlich-schöne Angelegenheit empfunden haben dürften. Von Ulrich Schütz

Gibt es eigentlich einen Preis für das beste Publikum am Zugrand? Heute nicht, aber vielleicht morgen? Die vielen Karnevalsfans in Wiesdorf haben sich gestern schon den Titel verdient. Wer Regenschauern und Hagel so eisern widersteht, wie es die Zugbesucher am Sonntag zelebrierten, der hat Platz 1 verdient.

Die rund 2000 Zugteilnehmer aus Karnevalsgesellschaften und von Einzelgruppen boten dabei gefühlt den wohl gemütlichsten Umzug seit langem. Der närrische Lindwurm (Motto: "Fastelovend - jestern, hügg un morjen") schlich gleichsam durch die City. Sehr zum Vergnügen der kamellehungrigen Zuschauer (Kamelle steht dabei für Pralinenschachteln, Kaugummis, kleine Kuchen, Schokolade, Gummibärchen und anderes, da Bonbons kaum noch geworfen werden).

Um den Zugweg ab der Wiesdorfer Sparkassenzentrale über die Lichstraße quer durch die City und Fußgängerzone, über die Hauptstraße, Kaiserstraße und Carl-Duisberg-Straße parat zu machen, musste die Stadt Sonntagmorgen einige Autos abschleppen lassen. Dass Wiesdorf-Mitte fast den ganzen Tag autofreie Zone war, wollten bis kurz vor Zugstart (13.33 Uhr) einige Autofahrer nicht akzeptieren. Die Vertreter der Stadt zwangen sie dann, ihre Pkw zu parken, weil das Befahren der Straßen wegen der vielen Fußgänger irgendwann zu gefährlich wurde.

Preisverdächtig, weil herrlich gebaut, waren die Wagen der "Jecken Wiesdorfer". Gruppenchefin Christine Güldenmeister hatte zum zehnjährigen Bestehen ihres Vereins ihren Traum in Miniatur genau nachbilden lassen: den Markusplatz von Venedig, vor dem ein Liebespaar in einer Gondel über das blaue Wasser gleitet. "Venedig am Rhein, so schön kann Leverkusen sein" lautete das Wagenthema. Die auch selbst geschaffene blonde Mädchenpuppe in dem typisch venezianisch gestalteten Boot ähnelte verblüffend der Gruppenchefin Güldenmeister. Den liebevoll gestalteten Detailreichtum mit Möwen, stilechten Fahnen, der Brücke und der Kleidung des Gondoliere können sich die Leverkusener im August nochmal ansehen. Dann ziehen die Wiesdorfer im Bürriger "Sommerkarneval" mit. Hitverdächtig erscheint der Auftritt von Marlies und Heinz Spiegel. Das Ehepaar geht als "Die Einzelgänger" seit 1976 in Leverkusener Karnevalszügen mit. Immer mit sehr schön gestalteten Wägelchen.

Weil Marlies Spiegel (75) nicht mehr so gut zu Fuß ist, durfte sie gestern im eigenen "Hochzeitswagen" Platz nehmen. Als Zugpferd führte Ehemann Heinz die Deichsel. Der 79-Jährige machte dies voller Elan, tanzte oft zur Musik der Schweizer Gruppe "Gugg'n Musi". Die Spiegels wurden vor 50 Jahren in der evangelischen Kirche Wiesdorf getraut. Zum persönlichen Fest kamen die zwei für den Zoch denn als Hochzeitspaar gekleidet.

Prinz Matze I. lief gestern beim Wiesdorfer Zug zur Hochform auf. Er pfefferte zeitweise sein Wurfmaterial in die Menge, als ob es um den Gewinn einer Meisterschaft ging. Zwischendurch legte der 25-Jährige temperamentgeladene Tänze auf seinem gut zwei Stockwerke hohen Wagen hin. Erst zweieinhalb Stunden nach dem Start in Höhe ehemalige Ganser-Brauerei rollte der Prinzenwagen an der evangelischen Kirche vorbei. Den Anschluss an den vorausfahrenden Wagen des Festausschusses Leverkusener Karneval (FLK) hatte das Prinzenteam da schon verloren - obwohl Zugleiter Günter Becker an der Spitze des Karnevalzuges immer wieder "bremste", um den Zoch zusammenzuhalten.

Auf dem FLK-Wagen bildeten Uwe+Uwe ein fröhliches Gespann. Oberbürgermeister Uwe Richrath nutzte eine der Pausen, um Auge in Auge mit Festgästen im zweiten Geschoss des Verdi-Gebäudes Dönhoffstraße ein Schwätzchen zu halten. Kurz vorher waren er und FLK-Präsident Uwe Krause an der Kanzlei von CDU-Parteichef Frank Schönberger vorbeigekommen. Der Rechtsanwalt hatte unter anderem die Grünen-Fraktionsvorsitzende Roswitha Arnold zum Zuschauen zu Gast.

Etwas Pech ereilte die Gruppe der Roten Funken. Beim klein Materialtransporter, einem italienischen Ape-50-Dreirad, streikte in der Fußgängerzone das Motörchen. Da mussten Vizevorsitzender Klaus Fings und seine Freunde den Micro-Laster ein Stück von Hand schieben.

Quelle: RP
 
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