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Leverkusen/Köln
Zahl der Waffenschein-Anträge explodiert

Leverkusen/Köln: Zahl der Waffenschein-Anträge explodiert
FOTO: graf/Schnettler
Leverkusen/Köln. Im Januar wurden in Köln und Leverkusen doppelt so viele Waffenscheine beantragt wie im gesamten vergangenen Jahr. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Polizei einen deutlichen Rückgang des Kriminalitätszahlen in Leverkusen. Von Susanne Genath

Das Sicherheitsbedürfnis ist nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen zu Silvester in Köln offenbar nachhaltig gestört: Bei der Polizei haben allein in den ersten drei Wochen dieses Jahres 832 Leverkusener und Kölner einen Kleinen Waffenschein beantragt. Im gesamten Jahr 2015 stellten die Beamten 408 solcher Scheine aus, teilt Polizeisprecherin Daniela Lindemann mit. "Das ist eine enorme Steigerung." Aktuell seien für beide Städte 4857 Kleine Waffenscheine registriert. Eine Aufschlüsselung für Leverkusen und Köln sei nicht möglich.

Die Polizei habe in der Chemiestadt das Gebiet um den Bahnhof Opladen besonders im Blick. "In Leverkusen sind bis zum Jahreswechsel vermehrt Straftaten mit nordafrikanischen Tatverdächtigen in den Innenstadtbereichen der Stadtteile Wiesdorf und Opladen festgestellt worden", sagt Lindemann. "Zu den Delikten gehören überwiegend Taschendiebstähle, Trickdiebstähle, Raubstraftaten und einfache Diebstähle."

Die gute Nachricht: Seit Beginn dieses Jahres sei die Kriminalität in Opladen - insbesondere im Bahnhofsbereich - deutlich zurückgegangen. "Wir haben seit Neujahr unsere Präsenz in der Innenstadt stark erhöht." Sowohl uniformierte Fußstreifen als auch Zivilfahnder seien in Opladen zur Bekämpfung des Taschendiebstahls unterwegs. Razzien wie in Köln und Düsseldorf sind in Leverkusen aber bislang nicht erfolgt. Es gebe auch jetzt keinen Anlass dazu. Denn man habe in der Chemiestadt keine bandenähnliche Strukturen beobachtet. "Es sind einzelne Nordafrikaner, die Straftaten begehen."

Zwar seien in der Opladener Bahnhofsgegend zahlreiche Wettbüros, Shisha-Bars und ausländische Imbissbuden ansässig. "Die Lokalitäten werden aber seit Jahren von den gleichen Personen ohne Auffälligkeiten betrieben", berichtet die Polizeisprecherin. "Es gibt auch derzeit keine Hinweise darauf, dass die genannten Gaststätten als einschlägige Rückzugsräume von Tatverdächtigen dienen."

Sollten sich hierauf Anhaltspunkte ergeben, werde man entsprechende Maßnahmen ergreifen. "Die Polizei will, dass die Menschen in Köln und Leverkusen sicher leben und sich sicher fühlen."

Dafür ist es laut Rüdiger Thust von der Polizeigewerkschaft Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wichtig, dass mehr Polizisten eingestellt werden. "Die Kriminalitätszahlen gehen seit längerem kontinuierlich nach oben", sagt er. "Ich erwarte, dass endlich ein Ruck durch die Polizei und die Justiz geht."

Der Run auf die Kleinen Waffenscheine sei Ausdruck von Angst in der Bevölkerung. "Ich sehe es mit großer Sorge, wenn sich Bürgerwehren bilden. Dies ist aber auch ein Signal, dass sich die Bürger nicht mehr wohlfühlen." Hinnehmen dürfe man diese Entwicklung jedoch nicht. "Sicherheit ist eine staatliche Aufgabe", erklärt Thust. "Dafür ist die Polizei zuständig." Gegen Patrouillengängen von unbewaffneten Bürgern, die die Polizei alarmierten, wenn sie etwas Verdächtiges beobachteten, sei allerdings nichts einzuwenden. "Wir sind ohnehin auf Hinweise auf der Bevölkerung angewiesen." Hier helfe es ebenfalls, wenn mehr Beamten auf den Straßen unterwegs seien.

Polizeisprecherin Lindemann appelliert ebenfalls an die Leverkusener: "Bei Verdachtslagen und in Gefahrensituationen ist es wichtig, die Polizei schnellstmöglich zu alarmieren und die 110 zu wählen. Das gilt auch für Zeugen, die auf entsprechende Situationen aufmerksam werden."

Quelle: RP
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