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Leverkusen
Zeitkritik im Erholungshaus

Leverkusen. Roswitha Dasch und Ulrich Raue präsentierten Kabarett der 1920er Jahre. Das Duo trat unter freiem Himmel auf: im Biergarten des Erholungshauses. Von Monika Klein

Veranstaltungen der Reihe Konzerte Leverkusener Musiker (KLM) haben schon an mehreren reizvollen Orten stattgefunden. Aber der 240. Auftritt bescherte ein neues Raumerlebnis. Am Sonntagnachmittag saßen die Zuhörer unter der Markise des Erholungshaus-Biergartens und genossen Kaffee oder Kaltgetränke zum heiter-besinnlichen Programm. Das war bestens geeignet für die Open-Air-Premiere der KLM.

Ein Kammerkonzert hätte man schwerlich ins Freie verlegen können. Aber dieses Mal präsentierte das Duo Roswitha Dasch und Ulrich Raue, das schon mehrfach in der Reihe zu hören war, eine Auswahl aus der Blütezeit des deutschen Kabaretts der 1920er Jahre. "Lerne lachen, ohne zu weinen!", war der Nachmittag mit Texten von Kurt Tucholsky überschrieben. Die rezitierte das Künstler-Paar im Wechsel, die meisten Texte aber wurden gesungen. Den Text zum Paul Lincke-Schlager "Das ist die Berliner Luft" hat zwar Heinrich Bolten Baeckers geschrieben, aber der wurde garantiert auch im Berliner Kabarett "Schall und Rauch" zum Besten gegeben. Dies wurde von Kurt Tucholsky nach dem Ersten Weltkrieg mit heiteren, ironischen und satirisch-kritischen Beiträgen versorgt.

Außerdem war der Schlager ein perfekter Einstieg für einen ebenso vergnüglichen wie nachdenklichen Nachmittag im Erholungshaus-Park, über dem einige Maschinen der Kurtekotten-Flugshow ihre Runden drehten. Neben durchaus zeitkritischen Beiträgen, aus denen die Warnung vor dem wachsenden Faschismus in Deutschland deutlich wurde, nahmen Sängerin Ros-witha Dasch und der in Leverkusen geborene Klavierbegleiter Ulrich Raue die menschlichen Eigenheiten auf's Korn.

Chansons über Karrieristen oder das Übel der Familienbande ("Fang' nie was mit Verwandtschaft an"), vor allem aber mehr oder weniger Bissiges über das Verhältnis von Mann und Frau. Trotz witziger Reime und Pointen sorgten die Fünkchen Wahrheit darin auch für nachdenkliche Momente. Eine in jeder Hinsicht unterhaltsame Mischung. Zumal das Duo beim Vortrag auf Wechsel setzte, mal zweistimmig sang oder sich dialogweise ablöste, oder Roswitha Dasch die Geige griff, so dass man einfach mal nur der Melodie nachlauschen durfte.

Tucholsky habe versucht, mit der Schreibmaschine eine Katastrophe aufzuhalten, wurde Erich Kästner mit seiner Meinung über seinen Zeitgenossen zitiert. Zwischen Liedern und Gedichten erfuhr das Publikum außerdem einige biografische Daten zum berühmten deutschen Journalisten und Schriftsteller, der 1935 als 45-Jähriger im schwedischen Exil starb.

Quelle: RP
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