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Leverkusen
Zeugen haben nach Schießerei riesige Erinnerungslücken

Leverkusen. Ein Zeuge, der gestern vor der 11. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts aussagte, hat sogar das Mündungsfeuer genau gesehen. Das soll von den Schüssen eines 32-jährigen Mannes stammen, der kurz vor 2 Uhr nachts am 27. Juli 2014 auf einen angeblichen Konkurrenten im Steinbücheler Drogen-Milieu geschossen haben soll. Zwei Treffer haben das Opfer lebensgefährlich verletzt.

Doch mit den weiteren Aussagen des 23-Jährigen am fünften Verhandlungstag nach knapp dreiwöchiger Pause hatten alle Beteiligten Probleme. Denn so genau er das Mündungsfeuer durch die Ritzen der Rollladen in der Erdgeschosswohnung eines Freundes wenige Meter vom Tatort entfernt gesehen haben will, so groß sind die Erinnerungslücken an das, was vor und nach der Schießerei geschah. Der junge Mann gehörte offenbar zum Freundeskreis des Opfers. Der Angeschossene wollte angeblich einen im Auto vergessenen Schlüssel bringen. Oder war es das Handy?

Selbst im anschließenden Kreuzverhör von Staatsanwaltschaft und Verteidigung wollte es ihm - "nach mehr als zwei Jahren" - und der "Schocksituation" partout nicht einfallen. Die Staatsanwaltschaft machte deutlich, dass sie auch ein Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage einleiten könne. Einer der beiden Verteidiger brachte eine Beugehaft ins Gespräch.

Der Prozess wurde unterbrochen. In der kurzen Pause telefonierte der Zeuge, um anschließend bei seiner dürftigen Aussage zu bleiben. Die Richterin machte deutlich, dass er nur die Aussage verweigern könne, wenn er sich selbst belaste. Folglich müsse etwas vorgefallen sein, über das der Zeuge nicht reden wolle. Zuvor hatte er noch erzählt, dass er nach den Schüssen die Jalousie hochgezogen habe. Er und zwei weitere seien aus dem Fenster gesprungen, um dem Opfer zu helfen. Der vierte junge Mann, der ebenfalls wie die beiden Anderen gestern vor Gericht gehört wurde, ging durch die Haustür. Der erste nahm das Handy des Opfers und rief damit den Notdienst. Anschließend nahm er die Tüte (oder Tasche?) des Opfers und schmiss sie durch das offene Fenster in die Wohnung. Das Handy und die beiden Taschen sind bis heute spurlos verschwunden. Den angeblich vermissten Schlüssel (oder das Handy), hat er wieder. Wie? "Keine Ahnung." "War da etwa eine Pistole in der Tüte?", fragte ein Verteidiger.

"Keine Erinnerung" war die Standardantwort der Zeugen, die an dem Abend zuvor an einem Kiosk waren, wo es einen Geburtstag zu feiern galt. Auffallend war das "patzige Auftreten" (Wertung eines Verteidigers) eines Mannes, der sogar vor Gericht mit seinem Kaugummi Blasen fabrizierte, was ihm die Verwarnung der Kammer einbrachte. Der Prozess wird morgen fortgesetzt.

(sg-)
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