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Messerstecherei in Opladen
Zeugin stellt Tat anders dar

Messerstecherei in Opladen: Zeugin stellt Tat anders dar
Hier geschah die Bluttat: Die Polizei markierte den Boden am Opladener Busbahnhof. FOTO: UM
Opladen. Der 33-jährige Angeklagte, der sich wegen einer Messerstecherei am Opladener Busbahnhof im November 2015 vor dem Kölner Landgericht verantworten muss, hatte sich nach der Vernehmung des Opfers und dessen Freundin bereits korrigiert. Von Siegfried Grass

Als er sich die beiden Aussagen vor Gericht anhören musste, dämmerte ihm wohl, dass er vor allem seine Beziehung zu der Freundin des Opfers falsch eingeschätzt hatte.

Acht Zeugen hatten zuvor den Ablauf der Schlägerei, bei dem einer der beiden Teilnehmer plötzlich das Messer zog, mehr oder weniger ähnlich geschildert. Gestern nun, am fünften Verhandlungstag, trat eine Zeugin auf, die mit ihrer Schilderung die Dinge völlig auf den Kopf stellte. Die Beteiligten im Gerichtssaal 23 sahen sich nur verwundert um.

Bislang lautete die überwiegende Wahrnehmung, dass das Opfer dem Angeklagten zunächst einen kräftigen Schlag ins Gesicht verpasste. Der Angeklagte wollte sich dann entfernen, das Opfer ging hinterher. Bei dem erneuten Körperkontakt kam dann das Messer ins Spiel, das der Angeklagte plötzlich in der Hand hielt und mit dem er dem großen und schweren Angreifer elf Stichverletzungen, zum Teil lebensgefährlich, zugeführt haben soll.

Das Gericht, das wahrscheinlich am Montag und Dienstag kommender Woche die Gutachter sowie Staatsanwaltschaft und Verteidiger mit den Plädoyers zu Wort kommen lässt, wird das Urteil wohl am Donnerstag verkünden. Es wird dabei auch die persönlichen Lebensumstände des Angeklagten ins Kalkül ziehen müssen. Dazu machte gestern der frühere Arbeitgeber wichtige Angaben, der drei Dinge als Auslöser für die Tat zu erkennen glaubte: "Drogen, psychische Probleme und Angst." Er schilderte seinen Mitarbeiter, mit dem er häufiger über dessen persönliche Probleme gesprochen hatte, als zuverlässig und ruhig. Gerade in den letzten Monaten habe sich sein Befinden durch die regelmäßige Arbeit stabilisiert. Der Geschäftsmann kann sich aber nicht vorstellen, den 33-Jährigen wieder zu beschäftigen – was dessen Sozialprognose deutlich verbessern würde. "Da muss ich an mein Geschäft denken. Wenn das rauskommen würde, wäre das ein großer Image-Schaden."