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Leverkusen/Kreis
Zu Besuch beim Festtagsbraten in spe

Heimatserie: Gänse auf Gut Schobbenhaus
Leverkusen/Kreis. Auf Gut Schobbenhaus in Mettmann watscheln 1200 Gänse dem Backofen entgegen. Auf Hof Jüch in Steinbüchel weiden sich 100 Tiere an Gras und Kräutlein. Ende Oktober beginnt die Schlacht-, im November die Gänsebratenzeit. Von Dirk Neubauer und Ludmilla Hauser

Mettmann Der Fuchs gibt sie nicht wieder her. "An die 50 Gänse haben wir in diesem Jahr bereits an die Füchse verloren", sagt Bauer Johannes Kircher (48) vom Gut Schobbenhaus. Offenbar kreist aktuell eine starke Räuber-Population ringsum Mettmann. Weil Kircher in einem kellertiefen Brummelbass spricht, klingt das völlig tiefenentspannt. Was aus der Fuchs-Perspektive allerdings ein gefährlicher Trugschluss wäre. Denn erstens ist Johannes Kircher auch Jäger. Und zweitens ärgern ihn die Verluste immens. Auf Gut Schobbenhaus verleiht das Federvieh dem Hof-Umsatz Flügel. Rund 1200 Gänse und 450 Enten watscheln mit einem Ziel durch den Sommer und den Herbst: Sie sollen Festtagsbraten werden.

Am Ostrand Leverkusens, in Steinbüchel auf Hof Jüch, herrscht eine ähnliche Szenerie - nur mit weniger Protagonisten: Bei Landwirt Marcus Vogel zupfen rund 100 Weidegänse Gras. Mit dem Fuchs haben die Gänslein in diesem Jahr bisher keine nähere Bekanntschaft gemacht. "Wir kennen dieses Problem. In diesem Jahr ist noch nichts passiert. Unsere Gänsewiese ist von einem Wildgatterzaun umgeben", berichtet Vogel. "Den muss man aber auch öfter kontrollieren. Denn Füchse sind findig. Die graben auch schon mal Löcher." Deswegen werden bei Vogels die Vögel ein- bis zweimal pro Woche durchgezählt. "Die Anzahl muss wegen der Bestellungen stimmen. Sonst gucken Kunden womöglich in die Röhre." Und zwar eine ohne den Festtagsbraten drin.

Mitte Mai halten die Gänse Einzug bei den Kirchers und den Vogels. Dann sind sie zwei Wochen alt. Das Steinbücheler Federvieh kommt vom Niederrhein zu den saftigen Wiesen auf den ersten Anhöhen des Bergischen.

Eben das ist der Unterschied zu Billig-Mastbetrieben. "Mit Kraftfutter und wenig Bewegung kriegen die eine Gans innerhalb von fünf Wochen auf fünf bis sechs Kilo Lebensgewicht", sagt Kircher. Das rächt sich spätestens dann, wenn der Vogel im Backofen schmort und binnen weniger Minuten ein Fünftel seines Gewichtes verliert. Kircher hingegen muss seine Kunden warnen: "Bitte auf der Brust liegend garen! Denn unsere Gänse haben wenig Fett - es bestünde daher die Gefahr, dass das Fleisch zu trocken wird!" Im Oktober startet die Schlachtzeit. Und der Bass von Bauer Kircher rutscht eine Nuance tiefer: "Da muss ich mich in jedem Jahr überwinden..." Auch Marcus Vogel fällt das Schlachten Ende Oktober nicht leicht. Aber ab November gehe die Gänsebraten-Saison los, "es kommt St. Martin, dann ist es im Grunde nicht mehr weit bis Weihnachten".

Vom Trend hin zur veganen Küche, bei der Gänse auf dem Teller nichts zu suchen haben, spürt Marcus Vogel "derzeit noch nichts. Wir haben für die Gänse viele Stammkunden. Die Leute bereiten Gänsebraten aus Tradition zu."

Bauer Kircher hat eine Daumenregel für die Menge parat: Wer sechs Gäste bewirten muss, sollte ein fünfeinhalb bis sechs Kilogramm schweres Tier nach Hause tragen.

Vor Weihnachten herrscht naturgemäß der größte Kundenandrang für den Festtagsbraten auf den beiden Höfen. "Das ist wie ein Endspurt."

Zu den Festtagen haben die Kirchers ein Stück selbst erlegtes Wild auf den Tisch. Und bei den Vogels? "Gibt's wie in jedem Jahr natürlich nur eines: Gänsebraten", sagt Marcus Vogel schmunzelnd.

Quelle: RP
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