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Leverkusen
Zuschauer enttäuscht von Polit-Talk

Leverkusen: Zuschauer enttäuscht von Polit-Talk
Helmut Nowak (CDU), Lisa-Marie Friede (Grüne), Karl Lauterbach (SPD) und Beate Hane-Knoll (Linke) vertraten bekannte Standpunkte. FOTO: Ralph Matzerath
Leverkusen. Das Publikum im Pfarrsaal durfte erst am Ende Fragen stellen. Da war Karl Lauterbach schon weg. Von Monika Klein

Was haben Bundestagskandidaten zu sagen, wenn es heißt: "Kirche fragt Politiker"? Dasselbe wie bei allen anderen Wahlkampfveranstaltungen, lässt sich die Podiumsdiskussion im Pfarrheim St. Maurinus zusammenfassen. Einziger Unterschied bei dieser Veranstaltung im Programm des Katholischen Bildungswerkes war, dass sich Katholikenrat und katholische Verbände vorher selbst intensiv mit den drei vorgesehenen Themenbereichen beschäftigt und ein eigenes Statement verfasst hatten, das jeweils am Anfang einer Diskussionsrunde verlesen wurde.

Die spiegelte sowohl beim Thema Rentenpolitik als auch bei Verkehrs- und Gesundheitspolitik eine christliche Grundhaltung wider, die auf Bewahrung der Schöpfung setzt, gegenseitige Achtung und Gerechtigkeit fordert. Grundsätze, die selbstverständlich alle auf dem Podium auch für sich reklamierten. Nur über geeignete Maßnahmen zur Umsetzung bezogen sie die eigentlich längst bekannten unterschiedlichen Positionen.

Beispielsweise zum Thema Gesundheit, bei dem der SPD-Abgeordnete Professor Karl Lauterbach umgehend seine Forderung nach einer einheitlichen Bürgerversicherung wiederholte und dabei von seinen beiden Sitznachbarinnen unterstützt wurde: Zur Linken saß Beate Hane-Knoll, Direktkandidatin der Partei Die Linke, die als Krankenschwester wünscht, dass "alle Leute in Krankenhäusern und Seniorenheimen gut gepflegt werden". Lisa-Marie Friede, Direktkandidatin Bündnis 90/Die Grünen, will die Einheitsversicherung schon wegen langer Wartezeiten bei Fachärzten und forderte, zur Finanzierung auch Kapitalerträge zu besteuern.

Deutschland habe eines der besten Gesundheitssysteme, erinnerte der CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Nowak und mahnte die Gesprächspartner, nicht nur mit Negativbeispielen Wahlkampf zu machen. Den Abrechnungsmodus über "Fallpauschalen" halte er auch für schlecht, aber deswegen müsse man nicht ein ganzes System ändern, außerdem glaubt er: "Die Bürgerversicherung bringt eher weniger Geld ins System als mehr."

Beim Thema neue Autobahn-Brücke, kleine oder große Tunnellösung kochten die Emotionen hoch. Da hatten sich manche Zuhörer mehr erhofft als die inzwischen bekannten Positionen zu hören, die Lauterbach und Nowak derzeit täglich an anderer Stelle vortragen. Viele wollten endlich selbst Fragen stellen, wie es Moderatorin Claudia Waiblinger anfangs in Aussicht gestellt hatte. Doch die Radio-Leverkusen-Reporterin hatte ihren eigenen Fragenkatalog vorbereitet. Und als der zu den beiden ersten Themen abgearbeitet war, musste Lauterbach bereits zur nächsten Veranstaltung aufbrechen. Enttäuschte Besucher folgten seinem Beispiel, weil er ihre Fragen ohnehin nicht mehr beantworten würde.

Mit Spannung erwarte man in Leverkusen nicht nur den Ausgang der Wahl, so Waiblinger. Sondern das zwei Tage später angesetzte Urteil des Bundesverwaltungsgericht, ob der Planungsbeschluss zur ersten Bauphase A1-Brücke rechtens ist. Wenn ja, darf der Landesbetrieb Straßen.NRW umgehend mit vorbereitenden Arbeiten beginnen.

Quelle: RP
 
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