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Meerbusch
150 Flüchtlinge in Mataré-Turnhalle

Meerbusch: 150 Flüchtlinge in Mataré-Turnhalle
Pressegespräch nach dem Treffen des Krisenstabs: Heiko Bechert, Fachbereichsleiter Ordnung, Erster Beigeordneter Frank Maatz, Peter Annacker, Fachbereichsleiter "Soziale Hilfen" und Björn Kerkmann, Referent der Bürgermeisterin.
Meerbusch. Die Turnhalle der Europaschule in Büderich wird ab Montag zu einer großen Flüchtlingsunterkunft. Im Auftrag des Landes NRW nimmt die Stadt Meerbusch 150 Frauen und Männer auf — für mindestens drei Wochen Von Martin Röse

Erstmals nach mehr als 15 Jahren ist gestern Nachmittag der Meerbuscher Krisenstab für außergewöhnliche Ereignisse wieder zusammengetreten. Anlass war diesmal nicht die Sorge vor dem Millennium-Bug, sondern ein Amtshilfeersuchen des Landes NRW: Meerbusch soll ab Montag bis zu 150 Flüchtlinge aufnehmen, weil die Kapazitäten der zentralen Aufnahmelager erschöpft sind. Gleichlautende Anfragen verschicken die Bezirksregierungen derzeit an zahlreiche NRW-Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern.

Die Flüchtlingsunterkunft in der Turnhalle des Mataré-Gymnasiums wird durch einen Bauzaun abgetrennt. Ein Sicherheitsdienst soll dafür sorgen, dass nur berechtigte Personen Zugang zu der Unterkunft haben. FOTO: Martin Röse

"Eine dezentrale Unterbringung wie bisher in gemieteten Wohnungen und den städtischen Notunterkünften ist bei dieser Personenzahl in der verbleibenden Zeit nicht möglich", sagt Frank Maatz, Erster Beigeordneter der Stadt Meerbusch. Der Plan des Krisenstabs: Die Flüchtlinge werden in der 1200 Quadratmeter großen Dreifach-Turnhalle des städtischen Mataré-Gymnasiums in Büderich untergebracht. "Sie ist von der Lage und den vorhandenen Nutzungen her kurzfristig am besten für die Vielzahl von Flüchtlingen geeignet", sagt Maatz. Zusätzlicher Pluspunkt: Erst kürzlich wurde der Brandschutz geprüft; ein langwieriges Genehmigungsverfahren kann entfallen.

Bereits gestern Nachmittag wurde die Turnhalle mit einem Bauzaun abgeriegelt. "Wir werden die Einrichtung separieren, Besucher erhalten keinen Zugang", erklärte Maatz. Ein Sicherheitsdienst werde rund um die Uhr vor Ort sein, die Polizei vermehrt Streife fahren. Freilich: Die Flüchtlinge selbst dürfen die Einrichtung verlassen. "Sie genießen Freizügigkeit", betonte Maatz.

Er appellierte gestern an die Anwohner, die am Wochenende auch noch per Wurfzettel informiert werden sollen: "Ich bitte Sie um Verständnis, wenn Sie im Umfeld des Mataré-Gymnasiums ab Montag vermehrt Flüchtlingsfamilien begegnen, und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie den Menschen beispielsweise mit benötigten Auskünften weiterhelfen."

Für Sportunterricht und Vereine steht die Halle mindestens in der ersten Woche nach den Schulferien nicht zur Verfügung. Am Wochenende sollen in dem Gebäude 15 große Zelte aufgebaut werden, in die je fünf Doppelstockbetten geschoben werden.

Die Kosten für die Unterbringung der 150 Flüchtlinge trägt zu 100 Prozent das Land NRW; lediglich Personalkosten für städtische Bedienstete werden nicht erstattet. "Rund 20 Mitarbeiter der Stadtverwaltung", so schätzt Maatz, "werden in den ersten Tagen vor Ort sein." Neben der Unterbringung ist die Stadt Meerbusch hilfsweise auch für die Ersterfassung der Flüchtlinge zuständig. In der Aula und im Foyer der Schule sollen Anfang nächster Woche Personalien festgestellt und Papiere gefertigt werden, zudem sollen die Neuankömmlinge dort die Chance erhalten, medizinisch untersucht zu werden. "Wir haben bereits mit Meerbuscher Ärzten gesprochen", sagt Maatz; weitere Unterstützung von Medizinern - insbesondere nach den ersten Tagen - ist erwünscht. Interessenten wenden sich an Fachbereichsleiter Peter Annacker, Telefon 02159 916-563, E-Mail peter.annacker@meerbusch.de.

Sowohl der CDU-Fraktionsvorsitzende Werner Damblon als auch Michael Eckert (Die Linke) kritisierten gestern die rot-grüne Landesregierung für die kurzfristige Zuweisung der 150 Flüchtlinge scharf. "Das Land macht sich einen schlanken Fuß. Die kurzfristige Unterbringung der Flüchtlinge in Meerbusch während der Ferienzeit ist eine sehr schwierige Aufgabe", sagte Damblon. "Mir kann doch keiner erzählen, dass erst seit Donnerstagmorgen klar ist, dass Meerbusch die Flüchtlinge aufnehmen muss."

Quelle: RP
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