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Meerbusch
150 Jahre Brauchtum in Strümp

Meerbusch. Der Heimat- und Schützenverein Strümp feiert am nächsten Wochenende sein 150-Jähriges. Ein Rückblick auf die Anfänge im Jahr 1865, die Neugründung im Jahr 1952 und den Streit an der Vogelstange im Jahr 1982 Von Maike Billen

Anfang Im Jahre 1865 wurde der "Schützenverein Strümp" gegründet. Wilhelm Anton Cames war erster Schützenkönig und Präsident. Cames war Bauer auf dem Meerhof am Strümper Bergfeld, heute als Denkmal eingetragen. Zunächst fand jedes Jahr ein Schützenfest statt. Davon zeugt das Schützensilber. Ab 1886 wurde alle drei bis vier Jahre gefeiert.

Umbrüche Ab 1907 hieß der Verein "Bürger- und Schützen-Verein zu Strümp", ab 1911 "St.-Hubertus-Schützenverein Strümp". Noch heute trägt die Kompanie der "Hubertus-Jäger" eine Fahne mit dem Heiligen Hubertus. Erster und Zweiter Weltkrieg schränkten die Vereinstätigkeit ein. Von 1913 bis 1925 gab es keine Schützenfeste. Viele Schützenbrüder fielen im Ersten Weltkrieg: "Außerdem dürfte die Armut ein Grund für die lange Pause des Vereinslebens gewesen sein", schreibt der jetzige Vereinspräsident Karl-Heinz Rütten in der Jubiläumschronik. Ab 1938 ruhte die Vereinstätigkeit erneut. Nach der Kriegsniederlage verboten die Alliierten die Schützenvereine als uniformierte Waffenträger. Erst als die Bundesrepublik gegründet wurde, konnten Schützen wieder aktiv werden. Am 12. Juni 1952 wurde der "Heimat- und Schützenverein Strümp" neugegründet.

Kompanien Einige Kompanien marschieren seit den 1950er Jahren mit. Andere kamen später dazu, ein paar verschwanden wieder. Elf Männer gründeten 1952 die "Buschender Schützen". Bislang stellten sie drei Schützenkönige. Die "Wallensteiner Landsknechte" begeistern nicht nur in der lila Uniform, sondern seit 1962 auch mit Gesang. Die "Kletschender" hielten nur von 1986 bis 1997 durch. Schade, denn mit schwarz-weißem Smoking und Zylinder hatten sie für Abwechslung gesorgt. Zurzeit gehören 14 Kompanien zum Regiment.

Minister Jeder Schützenkönig sollte bei seinen Ministern wählerisch sein. Denn die stehen der Majestät mit Tat und Rat zur Seite. Dabei ist es nicht selten so, dass König und Minister vorher Kontrahenten an der Stange waren. Auch 1973: Martin Siemes von den "Buschender Schützen" schoss den Vogel ab. Nach dem Sieg ernannte er Hermann Polachowski und Ernst Ziller zu Ministern. Das Vogelschießen von 1982 sorgte für Ärger. Mehrere Schützen hatten sich angemeldet, den Rumpf runterzuholen. Doch der Wettkampf wurde beschränkt. Nur Anwärter Hugo Deußen von den "Blauen Husaren" durfte schießen. Die Idee: 30 Jahre nach dem Vater sollte der Sohn das Amt innehaben. Und dann feuerte Schießmeister Hans Hörschgens auch noch von der Seite auf den Vogel. König Hugo Deußen hatte Hörschgens zunächst als Minister ausgewählt. Weil die Kritik nicht abebbte, trat Hörschgens zurück.

Rosen-Burgen Mit der Zeit nahm auch das Fotomaterial zu, das das Vereinsleben dokumentiert. Und es wurde bunter. Auf schwarz-weißen Fotos würden die Königsburgen wohl weniger beeindrucken. Aus Tannengrün und zahlreichen Papierrosen sind die Burgen erbaut. König Hans Wirtz (1970-1973) hatte sogar Schilderhäuser für Wachoffiziere. Für König Georg Ziebarth (1985-1988) wurde der Geranienweg zur Königsallee: Fahnen, Papierrosen und viel Grün säumten den Weg. König Hermann Polachowski (1997-2000) von den "Rottfelder Schützen" und seine Minister galten wegen ihrer Geradlinigkeit als Perfektionisten. Die benachbarten Minister, Horst Thiele und Manfred Wendeling, verknüpften ihre Eingänge mit Grün. Der 73-jährige Polachowski erinnert sich: "Die Kompanie ist sogar in die Eifel angerückt, um Tannengrün zu schlagen. Der Aufbau dauerte rund drei Wochen." Das mühsame Rosendrehen leisteten vor allem die Frauen.

Der Artikel basiert auf der Jubiläumschronik und der Webseite des Heimat- und Schützenvereins Strümp.

Quelle: RP
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