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Meerbusch
3300 Meerbuscher sind überschuldet

Meerbusch: 3300 Meerbuscher sind überschuldet
Der Wissenschaftler für den Schuldneratlas: Rainer Bovelet FOTO: CR
Meerbusch. 7,19 Prozent aller Meerbuscher - und damit 0,6 Prozent mehr als 2014 - sind überschuldet. Damit steht die Stadt im bundesweiten Vergleich trotzdem gut da. Der Schnitt für ganz Deutschland liegt bei 9,92 Prozent. Von Anke Kronemeyer

Arbeitslosigkeit, finanzielle Probleme nach Trennung oder Scheidung, unangemessenes Konsumverhalten oder private Schulden nach einer Firmeninsolvenz: Das können Gründe dafür sein, dass jemand als überschuldet gilt. so Rainer Bovelet von der Creditreform. Sie legte gestern den Schuldneratlas für Düsseldorf und den Kreis Neuss vor.

Untersucht wurden zwölf Kommunen in der Region. Ganz generell habe sich die Überschuldungssituation der Verbraucher verschlechtert, allein im Kreis Neuss sei die Zahl überschuldeter Verbraucher zurückgegangen, so die Statistik. Von den rund 1,272 Millionen Einwohnern, die älter als 18 Jahre sind und somit als geschäftsfähig gelten können, können 142.800 Personen zum Stichtag 1. Oktober 2015 als überschuldet oder zumindest nachhaltig zahlungsgestört eingestuft werden, heißt es im Schuldneratlas. Wann genau jemand überschuldet ist, klärt eine Definition: "Eine Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen mit hoher Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen", so Bovelet. Aus welchen Gründen jetzt die 3300 Meerbuscher in diese Kategorie fallen, kann er nicht dezidiert begründen. Er hat aber festgestellt, dass es einige Firmeninsolvenzen gegeben hat, unter denen dann vielleicht auch jemand privat in die Verschuldung geraten ist.

Auch wenn 3300 Meerbuscher im vergangenen Jahr mehr Geld ausgegeben als eingenommen haben, liegt die Stadt damit in einem Ranking immer noch ganz oben: als die am wenigsten verschuldete Stadt - zumindest auf Privatpersonen heruntergerechnet. Auf den Plätzen folgen Korschenbroich mit 7,34 Prozent und Kaarst mit 8,12 Prozent. Zum Vergleich: Neuss führt die Statistik mit 13,81 Prozent an, gefolgt von Düsseldorf mit 12,36 und Grevenbroich mit 11,5 Prozent. Noch ein Vergleich: Zum einen liegt die Gesamt-Schuldnerquote für den gesamten Regionalraum Düsseldorf mit 11,22 Prozent über dem Wert für die Bundesrepublik (9,92 Prozent), allerdings ebenso deutlich unter dem Wert für Nordrhein-Westfalen (11,52 Prozent).

War es in den Vorjahren auch in Meerbusch so, dass die überschuldete Klientel immer jünger wird, sind es jetzt oft Ältere, die ihr Einkommen nicht richtig im Blick haben. Die Statistiker sprechen sogar von einem Trend zur Armutsüberschuldung im Alter. Die durchschnittliche Schuldenhöhe auch der Meerbuscher hat sich im Schnitt verringert: von 36.900 auf 34.000 Euro.

Aber: "Die aktuelle Entwicklung ist betrüblich. Vielen Verbrauchern, auch in Düsseldorf und Neuss, gelingt es offensichtlich nicht, dem Teufelskreislauf einer Schuldenspirale zu entkommen", so Creditreform-Chef Edgar Roumen.

Quelle: RP
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