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Meerbusch
35 Jahre Heimat ,op platt' im Buretheater

Meerbusch: 35 Jahre Heimat ,op platt' im Buretheater
Robert Paas, Liesel Beeck, Angela Pütz und Wolfgang Küsters (v.l.) in einer Szene des aktuellen Programms. In dem Stück geht es um einen Obdachlosen, der auf der Suche nach einer Unterkunft zum neuen Pastor des Ortes wird: Lustige Missverständnisse sind programmiert. FOTO: Jana bauch
Meerbusch. Von Karl Schmalbach 1982 gegründet, füllt das Buretheater jährlich für fünf Wochen den Saal im Forum Wasserturm in Lank-Latum. Werner Schmalbach und Spielleiter Peter Pütz vergleichen ihr Programm mit den Rolling Stones. Von Christian Albustin

Die richtige Mischung aus Hochdeutsch und Platt, das ist für die Schauspieltruppe um Pressesprecher Werner Schmalbach (62) und Spielleiter Peter Pütz (64) das Erfolgsrezept hinter dem Buretheater. "Wir machen kein Hardcore-Platt", jeder müsse die Handlung nachvollziehen können, egal ob jung oder alt. Nur so habe man in den letzten Jahrzehnten mit Gewinn arbeiten können.

Andere Schauspielhäuser in der Region hätten es mit Programmen komplett auf Platt versucht und seien gescheitert. "Wenn der Bürgermeister die Bühne betritt, darf der kein Platt sprechen", das sei einfach nicht glaubwürdig, erklärt Schmalbach. Schon sein Vater, Karl Schmalbach, legte Mundartregeln fest, nach denen Platt "die Sprache des einfachen Mannes, der unteren Stände" war und Charaktere standesgemäß aufzutreten hatten. "Jeden Bürger abholen können, ohne zu überfordern", war sein Credo.

Dafür, dass nicht nur ältere Mitbürger ins Theater kämen, bedankt sich Schmalbach beim abendlichen Fernsehprogramm: "Die privaten Sender treiben uns das junge Publikum ins Haus." Die Alten kämen, um ein Stück Geschichte wieder zu erleben, die Jungen dagegen, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. "Im Prinzip wie bei den Rolling Stones", lacht Pütz.

Der Blick, den das Theater dabei gewährt, sei natürlich ein nostalgisch verklärter, schließlich führe man Komödien auf. Früher sei nicht alles besser gewesen, aber auf Platt beschimpft zu werden, klinge eben lustiger als auf hochdeutsch. "Spitzfindig, nicht mit der Keule", müsse der Humor sein, so Pütz, "keine Witze unter der Gürtellinie, aber Andeutungen!"

Heimat definieren die Beiden auf viele Arten: "Heimat sind die Leute, die hier rumlaufen" oder: "Wenn was abgerissen wird, fehlt ein Stück Heimat." Als Schmalbach seinerzeit für 15 Monate in Norddeutschland den Wehrdienst absolvierte, stand für ihn fest, dass er von Zuhause nicht weg wollte. 1980 kaufte er auf Bitten seines Vaters das älteste urkundlich erwähnte Haus in Lank, um es vor dem Verfall zu bewahren. Er restaurierte das Gebäude und eröffnete darin die Kneipe "La Pähd" (das Pferd), die seit Jahren von den örtlichen Handballern und Fußballern nach dem Spiel aufgesucht wird.

Als sein Vater Karl Schmalbach 2013 mit 85 Jahren starb, übernahm er die Leitung des Buretheaters und will es noch bis zum 50-jährigen Bestehen fortführen. "Wenn wir mal nicht mehr sind, wird es damit wohl auch zu Ende gehen", vermutet Schmalbach. In Süddeutschland würde Platt von der Jugend noch gesprochen, im Rheinland ginge das verloren. Man bringe den Leuten durch das Theater kein Platt bei und die, "die noch wissen, wie die Worte richtig ausgesprochen werden, sterben allmählich aus."

Eine Schule für Platt kann sich Pütz aber schlecht vorstellen. Lieber sucht das Theater aktiv nach neuen, auch jungen Schauspielern. Man könne kein glaubwürdiges Stück nur mit alten Schauspielern auf die Bühne bringen. Angst vor dem niederrheinischen Platt müsse aber niemand haben, gelernt werde der Text, nicht die Sprache. Das könne jeder mit ein bisschen Schauspieltalent.

Die fünf Wochen im Herbst, in denen das aktuelle Mundart-Programm "Osere Nöje Pastur" (Unser neuer Pastor) aufgeführt wird, sind für die Schauspieler der krönende Abschluss eines langen Jahres. Regelmäßig im Januar werden das neue Stück ausgewählt und die Texte ausgeteilt, bis Mai hat jeder Zeit, sich damit vertraut zu machen.

Ab dann wird jeden Montag geprobt, ab August zwei Mal pro Woche und kurz vor der Aufführung fast täglich. Der Aufwand lohnt sich, der 300 Gäste fassende Saal im Forum Wasserturm ist bei jeder Vorstellung fast komplett belegt, über 80 Prozent der Karten für die gesamte Spielzeit sind nach dem Premierenwochenende bereits verkauft. Der Sonntag sei besonders beliebt, hier gebe es nur noch vereinzelt freie Plätze.

Quelle: RP
 
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