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Meerbusch
A44-Gewerbegebiet dauert noch 15 Jahre

Meerbusch: A44-Gewerbegebiet dauert noch 15 Jahre
Die A44 teilt das künftige interkommunale Gewerbegebiet, das sich die Städte Krefeld und Meerbusch teilen wollen. FOTO: Christoph Reichwein
Meerbusch. Krefeld hält große Stücke auf das gemeinsam mit der Stadt Meerbusch zu planende Gewerbegebiet an der Autobahn 44. Rund 120 Hektar sollen grenzübergreifend entwickelt werden. Bis das Areal komplett mit Leben erfüllt ist, vergehen noch 15 Jahre, sagte Krefelds Planungschef Martin Linne im Gespräch mit unserer Redaktion. Von Norbert Stirken und Julia Hagenacker

Noch haben es weder die Stadt Krefeld noch die Stadt Meerbusch selbst in der Hand: Das gemeinsame Gewerbegebiet entlang der Autobahn 44 ist Bestandteil des Regionalplans. Der überarbeitete Entwurf liegt jetzt zum dritten Mal und noch bis zum 4. Oktober offen. Danach werden die eingegangenen Bedenken und Anregungen erneut eingearbeitet und anschließend zur Abstimmung gebracht. "Ich rechne damit, dass er dann im kommenden Jahr Bestandteil des Gebietsentwicklungsplans wird", sagte Krefelds Planungsdezernent Martin Linne im Gespräch mit unserer Redaktion.

Dann wird die Planung zur Entwicklung des 120 Hektar großen interkommunalen Gewerbegebiets im Krefelder Stadtteil Fischeln und im Meerbuscher Pendant Osterath konkret. "Wir müssen Zeitplan und Zielabläufe benennen", erklärte Linne, der sich bereits intensive Gedanken über eine Projektgesellschaft gemacht hat. Bis zur endgültigen Realisierung vergehen nach Meinung des Beigeordneten aber noch rund 15 Jahre. Eines steht aber schon jetzt fest: Krefeld darf das Gewerbegebiet nicht alleine und nur auf eigenem 50 Hektar großen Terrain entwickeln. Es muss eine Übereinkunft mit der Stadt Meerbusch getroffen werden. Zu diesem Zweck laufen bereits seit längerem vertrauensvolle Gespräche. Eine der Hauptpunkte ist die Erschließung. Meerbusch will, dass Krefelder Verkehr auf Krefelder Gebiet abgewickelt wird.

Ursprünglich sollte die zukunftsweisende Zusammenarbeit mehrerer Städte über die eigenen Grenzen hinaus neben Krefeld und Meerbusch auch Willich umfassen und eine Fläche von 260 Hektar beinhalten. Die Bezirksregierung sah allerdings für die Ausweisung eines Gewerbegebiets dieser Größe keinen Bedarf. Das Projekt hat sich inzwischen mehr als halbiert und auf die Nachbarkommunen Krefeld und Meerbusch reduziert, was die Realisierung sicherlich einfacher machen dürfte. Andererseits haben sich die Meerbuscher an vielen Stellen - zum Beispiel bei der Hafenerweiterung und der Südanbindung - als hartnäckiger, um nicht zu sagen schwieriger Verhandlungspartner erwiesen.

Das Gewerbegebiet ist in Meerbusch politisch umstritten. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 23 zu 24 Stimmen hatte sich der Meerbuscher Rat im Juli vergangenen Jahres für das Gewerbegebiet ausgesprochen. Das knappe Ergebnis unterstreiche, dass noch Probleme vorhanden seien, die ernst genommen und in weiteren Gesprächen mit den Vertretern der Stadt Meerbusch kooperativ und auf Augenhöhe geklärt werden müssten, hieß es seinerzeit aus Krefeld. Diesbezüglich sei man auf einem guten Weg, sagt nun Meerbuschs Technischer Beigeordneter Michael Assenmacher.

Sein Amtskollege Martin Linne arbeitet bereits lange an Modellen, wie die Organisationsstruktur für ein gemeinsames Gewerbegebiet aussehen könnte. Das Problem: Die Grundstückspreise, Hebesätze für die Gewerbesteuer und für die Grundsteuer B sind in den beiden Kommunen unterschiedlich, die Flächen unterschiedlich groß. Linne schlägt vor, für das interkommunale Gewerbegebiet eine gemeinsame Gesellschaft zu gründen. Die Gesellschaftsanteile werden entsprechend den Werten bemessen, die die Städte einbringen. Die Steuern werden in einen großen Topf geworfen und entsprechend der Gesellschaftsanteile verteilt. Von dieser Grundkonzeption ausgehend lassen sich viele Varianten darstellen. Über die Rechtsform der neuen Gesellschaft, die Geschäftsführung und eigenständige Vermarktungsstrategien könne noch in Ruhe später beraten werden.

Die Sorgen der Menschen, die in unmittelbarer Nähe zu den neuen Gewerbeflächen leben, könne er verstehen. Gleichwohl glaubt Linne, dass ihre Skepsis unbegründet sei. "Im Moment hören sie den Verkehrslärm und sehen die Autobahn", sagt der Krefelder Planungsdezernent.

Sollte das interkommunale Gewerbegebiet Realität werden, entstünde am Rand ein Lärmschutz in optisch grüner Kulisse und natürlich zahlreiche Firmengebäude, die den Autolärm zusätzlich schluckten. Es gebe nur wenige Standorte in Nordrhein-Westfalen, die über eine solch herausragende Qualität verfügten. Die Anbindung an zwei Autobahnen, die Nähe zu mehreren Häfen, zum Flughafen und zu vielen Großstädten mache den Standort so wertvoll, sagt Linne. Die Verteilung dies- und jenseits der Autobahn erlaube ferner, den Wünschen der Betriebe und der Kommunen nachzukommen.

Aus Meerbuscher Sicht steht allerdings fest: Logistikunternehmen sind unerwünscht. "Wir wollen keine Logistik haben", sagt Assenmacher. Das habe die Stadt zuletzt beim Erörterungstermin zum neuen Regionalplan in Erkrath klar zum Ausdruck gebracht. "Was die Ansiedlung von Unternehmen betrifft, müssen wir uns sowieso vom klassischen Gewerbegebiet verabschieden. Das heißt, wir müssen auch weiche Standortfaktoren schaffen und damit gemischte Gebiete realisieren - einen Mix aus Arbeit, Wohnen und Leben, mit Kinderbetreuung, Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants. Die Arbeitswelt verändert sich, deshalb muss auch die Vermarktung eines solchen Gebietes künftig ganz anders angegangen werden." Meerbusch setze dabei zum Beispiel auf Unternehmen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung.

Um den Bewohnern von Schweinheim den Blick auf kahle Bürogebäude zu ersparen, will die Stadt außerdem einen "Allgemeinen Siedlungsbereich"-Riegel als optischen Puffer in Richtung Osterath schaffen. Anfang September soll es ein Gespräch zwischen Meerbuschs Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage, Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer und den Planungsdezernenten Linne und Assenmacher geben. "Dort wollen wir die Zeitschiene für die anstehenden Entscheidungen abstimmen", sagt Assenmacher. Erarbeitet werden muss abgesehen davon auch noch ein landesplanerischer Vertrag genauso wie die Rechtsform einer möglichen gemeinsamen Gesellschaft.

Quelle: RP
 
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