| 17.08 Uhr

Meerbusch
Aktion mit Haken

Wie Städte beim Abschleppen zur Kasse bitten
Wie Städte beim Abschleppen zur Kasse bitten FOTO: Stadt Aachen
Düsseldorf. Die rigide Abschlepp-Aktion auf dem Supermarkt-Parkplatz und aus der Tiefgarage an der Dorfstraße regt viele Bürger auf, nicht nur Betroffene. Doch es gibt auch Zustimmung. Das zeigte sich gestern beim Heißen Draht der RP. Von Jan Popp-Sewing

"Ich habe meinen Wagen in der Tiefgarage auf einen Platz gestellt, der nicht für Supermarkt-Kunden oder Patienten reserviert war. Trotzdem bin ich abgeschleppt worden – nach nur einer Stunde", ärgert sich Marion Schineller. "Ich parke dort schon seit vielen Jahren regelmäßig in der Tiefgarage. Als ich jetzt mit dem vollen Einkaufswagen von ,Kaiser's' zurück zum Auto wollte, war mein Wagen abgeschleppt", erzählt Ilse Querling. Sie räumt ein, keine Parkscheibe im Frontfenster gehabt zu haben. Die Rentnerin kann jedoch nicht verstehen, "dass ein Supermarkt seine Kunden so behandeln lässt".

Betroffene mussten nach Neuss-Pomona und beim Abschleppunternehmen jeweils rund 145 Euro einzahlen, um die Autos freizubekommen. Diese waren zum Teil noch in Büderich zwischengeparkt. "Eine solche Aktion, ohne Vorwarnung, ist für mich reine Abzocke", schreibt Frank Kammerer aus Neuss: "Wenn man kundenfreundlich hätte vorgehen wollen, dann hätte man erstmal auf die Umstellung per Handzettel oder Aushang an den Geschäften hinweisen sollen". Helmut Elsenbach sieht das ganze als "Negativ-Werbung", die sicher viele Kunden vergrault habe.

Wildes Parken

Eigentümerin des Parkplatzes ist die Tengelmann-Holding. "Es hat im Vorfeld viele Beschwerden von Geschäftsleuten gegeben, dass auf dem Parkplatz sehr wild geparkt wird und Kunden keine Parkplätze finden", sagt eine "Kaiser's-Tengelmann"-Sprecherin. Man habe zunächst über verschiedene Varianten diskutiert (etwa eine Schranken-Regelung), sich dann für den Einsatz des Abschleppdienstes entschieden. Hinweise auf die Parkscheiben-Regelung seien gut sichtbar auf dem Gelände angebracht.

Offensichtlich sei die in der vergangenen Woche begonnene Aktion ein Erfolg gewesen, so die Sprecherin, gestern habe es dort jedenfalls viele freie Parkplätze gegeben. "Der Parkplatz war früher immer voll", bestätigt Gisela Stupp. Die Aktion empfindet sie jedoch als "psychologisch ungeschickt. Eine Vorwarnung wäre besser gewesen".

Fehlendes Unrechtsbewusstsein

Martina Biernacik ärgert sich besonders über das fehlende Unrechtsbewusstsein bei Autofahrern. Viele Pkw würden auf dem "Kaiser's"-Parkplatz in Ladezonen oder Feuerwehrzufahrten abgestellt: "Das ist teilweise so extrem, dass Parkplatzbesucher, die ihre Autos regulär in den Parkbuchten abstellen, in der Zu-, beziehungsweise Abfahrt behindert werden". Dass Falschparker abgeschleppt wurden, findet Otto Blum gut – die entsprechenden Schilder seien schließlich eindeutig. Peter Jung sieht es genauso.

Meerbuschs Wirtschaftsförderer Klaus Malinka kennt das Parkproblem am Ort. Er hätte es besser gefunden, wenn der Eigentümer vor dem Abschleppen eine deutliche Warnung ausgesprochen hätte, etwa mit Zetteln unter dem Scheibenwischer. So habe es jedoch ein Kommunikationsproblem gegeben.

Quelle: RP
 
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