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Christoph Lange
"Alle leiden unter unnötigem Fluglärm"

Meerbusch. Der Vorsitzende des Vereins "Bürger gegen Fluglärm" zur Kapazitätserweiterung

Die Lufthansa hat seit Beginn des Winterflugplans den vierstrahligen A340 durch den moderneren A330 auf der New-York-Route über Lank-Latum ersetzt. Das muss Sie doch freuen, oder?

Lange Ein oder zwei Schwalben machen noch keinen Sommer. Der Ersatz ist fast genauso laut. Das Problem in Lank sind die direkten Überflüge des Krankenhauses und die zu niedrigen Flughöhen.

Durch das neue Flachstartverfahren wurden allerdings an einer der beiden Messstationen in Lank leisere Ergebnisse gemessen...

Lange ...und an der anderen lautere. Wenn die Flugsicherung, der Flughafen, die Airlines und die Behörden nicht wollen, ist wenig auszurichten. Die Fluglärmkommission, in der ich Mitglied bin, wird dann immer auf ihre "beratende Funktion" reduziert. Angeblich kann man keine Mindesthöhe am Anfang von Lank festlegen, weil einige wenige Jets die nicht schaffen. Wir sagen: Wenn das eine Regel ist, dann muss man die Regel ändern, damit nicht 80 bis 100 Starts am Tag niedriger geflogen werden als nötig. Aber eigentlich sind das eher Randprobleme.

Was ist denn das Hauptproblem?

Lange Die geplante Kapazitätserweiterung des Flughafens. Da drohen in Spitzenzeiten rund ein Drittel mehr Flüge, und das führt für alle zu einer erheblichen Mehrbelastung. Deshalb ist es so wichtig, dass alle zusammenstehen, sich wehren und sich nicht auseinanderdividieren lassen. Das hatten wir in den letzten Jahrzehnten oft genug. Und, die Frage ist nun, geht es irgendeinem Betroffenen besser als vorher? Nein, immer nur dem Flughafen, der weit über die 35 Starts und Landungen pro Stunde aus dem Planfeststellungsbeschluss für den Bau der parallelen Ersatzbahn hinaus ist. Das waren damals 71.000 gewerbliche Flüge in sechs Monaten!

Derzeit sind höchstens 131.000 Flugbewegungen in sechs Monaten erlaubt.

Lange Das muss mal einer erklären, wie diese Steigerung ohne planfeststellungsbedürftige Ausbauten hinzubekommen war.

Der Flughafen möchte durch die Kapazitätserweiterung flexibler werden und so auch Verspätungen besser am Tage abbauen. Das liegt doch genau auf Ihrer Linie: weniger Starts und Landungen spätabends.

Lange Der Flughafen will 60 Flüge pro Stunde. Das macht dann mindestens 150.000 Flüge in sechs Monaten, also weit mehr als das Doppelte vom letzten Planfeststellungsbeschluss. Die Verspätungen werden nicht abgebaut, sondern explodieren, das haben wir bewiesen. Und das alles für den x-ten Flug nach Antalya oder Mallorca, wobei es tatsächlich nur noch 30 Prozent Geschäftsreisende sind?

Was raten Sie den Meerbuschern?

Lange Die Landesregierung will das Verfahren aus dem Landtagswahlkampf 2017 heraushalten. Wenn die Unterlagen offengelegt werden, müssen alle Anwohner Einwände erheben. Jeder, der das versäumt, verliert fast alle Möglichkeiten, sich gegen die Kapazitätserweiterung zu wehren. Eine ganz einfache Frage: Wo wären wir, wenn es die "Bürger gegen Fluglärm" mit ihren fast 6000 Mitgliedern nicht gäbe?

Was tut Ihr Verein derzeit?

Lange Drei Klagen, die alle zusammenhängen, laufen bereits: Man hat 2005 die Zahl der Nachtflüge faktisch fast verdoppelt. Wir klagen, weil ein Antrag, dies auf das vorherige Maß zurückzufahren, acht Monate nicht bearbeitet wurde. Mehr Nachtflüge benötigen mehr Parkplätze am Flughafen. Daher klagen wir zusammen mit den Städten Meerbusch, Kaarst und Ratingen gegen diesen Planfeststellungsbeschluss für das Vorfeld West. Unsere dritte Klage läuft gegen die Festlegung der Schutzzonen durch das Umweltministerium. Alle Schutzzonen sind zu klein berechnet. Die Landesregierung steht in der Pflicht, die Bevorzugung des Düsseldorfer Flughafens zu beenden. Die Grenzen des Erträglichen sind überschritten, alle leiden unter unnötigem Fluglärm und Abgasen.

Quelle: RP
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