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Meerbusch
Arbeitsagentur setzt bei Flüchtlingen an

Meerbusch. Neue "Integration Points" für Qualifizierung von Zuwanderern gehen an den Start Von Jan Schnettler

Was Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesagentur für Arbeit, für den Bund erst für die zweite Jahreshälfte 2016 prognostiziert, zeichnet sich auch in der Region noch nicht ab: spürbare Auswirkungen der Flüchtlingswelle auf den Arbeitsmarkt. 6776 Ausländer waren im Dezember in Mönchengladbach und im Rhein-Kreis Neuss als arbeitslos registriert - zwar 470 mehr als vor Jahresfrist, doch bei den über 50-jährigen Arbeitslosen etwa war der Anstieg mit 571 zusätzlichen Betroffenen nicht weniger markant. Dennoch ist klar: Flüchtlinge werden für die Arbeitsagentur im neuen Jahr zu einer neuen Zielgruppe. Eine, das macht Angela Schoofs, Leiterin der Agentur für Mönchengladbach und den Rhein-Kreis, deutlich, unter der keine andere leiden soll, indem etwa die Betreuungsintensität heruntergefahren würde. "Neue Zielgruppe, neues Personal, neue Mittel", fasst sie das Extra-Engagement der Behörde zusammen.

Wie berichtet, sollen dazu in erster Linie die neuen "Integration Points" dienen. Drei dieser Stellen richtet die Arbeitsagentur in ihrem Bezirk ein: Kommenden Dienstag eröffnet die Neusser Anlaufstelle (Jobcenter Karl-Arnold-Straße), tags darauf die Grevenbroicher (Lindenstraße). Eine weitere in Mönchengladbach (Jugend-Jobcenter Lürriper Straße) soll in der "dritten oder vierten Kalenderwoche" folgen, so Schoofs weiter.

Die 30 dafür zusätzlich eingestellten Vollzeitkräfte - 13 davon in Gladbach, 17 im Rhein-Kreis - sind bereits seit Anfang Dezember aktiv, "aber noch gehen wir zu den Menschen raus", sagt Schoofs. "In den ,Integration Points' kann die Arbeit dann besser konzentriert werden." Knapp zwei Millionen Euro zusätzlich stehen für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung, im Fokus stehen Sprachkurse, Berufsvorbereitung und anderweitige Qualifizierungen. "Mehr als 800 Teilnehmer in den von der Bundesagentur geförderten Deutschkursen werden wir damit erreichen", sagt Angela Schoofs. Weitere sollen über die SGB-II-Schiene (Jobcenter) hinzukommen. In erster Linie werden Flüchtlinge aus Herkunftsländern wie Syrien davon profitieren, die eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit aufweisen.

Angela Schoofs ist es wichtig zu betonen, dass ihre neue "Zielgruppe" auch für potenzielle künftige Arbeitgeber einen Gewinn darstellen kann. "Wir müssen ihnen deutlich machen, dass wir die demografischen Gefahren über Zuwanderung abfedern können", sagt sie. Und: "Das werden wir auch tun."

Quelle: RP
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