| 00.00 Uhr

Meerbusch
Begleitung auf dem letzten Weg

Meerbusch: Begleitung auf dem letzten Weg
Alfons Stappert arbeitet seit drei Jahren als Sterbebegleiter bei der Hospizbewegung Meerbusch, Gudrun Fuß koordiniert die Hilfe. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Die Hospizbewegung sucht neue Ehrenamtliche für ihre Arbeit mit todkranken und sterbenden Menschen. Die vorbereitende Ausbildung mit Praktikum dauert fünf Monate. Von Philippa Baurmann

"Man braucht schon ein bisschen Mut", sagt Alfons Stappert zu seiner Aufgabe, "aber jeder Mensch hat diesen Mut." Stappert arbeitet seit drei Jahren bei der Hospizbewegung Meerbusch. Als einer von 30 Ehrenamtlern begleitet und versorgt er schwerstkranke Menschen in ihrer letzten Lebensphase und deren Angehörige. Der ehemalige Jurist wollte sich nach seiner Pensionierung "persönlich fordern" und etwas "ganz anderes" machen. "Nach persönlichen Erfahrungen mit dem Tod habe ich gemerkt, dass mir der Umgang mit todkranken Menschen liegt. Ich wollte dem Phänomen Tod auf den Grund gehen und Menschen helfen."

Auch Ulrike Boldt ist seit drei Jahren bei der Hospizbewegung aktiv: "Durch persönlichen Kontakt mit den Themen Sterben und Tod wollte ich etwas von der Hilfe, die ich selbst bekommen habe, an andere Menschen zurückgeben." Beide fühlen sich in ihrer Arbeit und dem Team gut aufgehoben. Gudrun Fuß, Geschäftsführerin und Koordinatorin der Hospizbewegung Meerbusch, erklärt: "Wir entlasten die Ehrenamtlichen, indem wir in Teams zu zweit arbeiten. Auch schaue ich im Vorfeld, welcher Mitarbeiter zu welchem Betroffenen passt. So wird niemand alleine gelassen."

Die Hospizbewegung orientiert sich an christlichen Werten. Sie tritt für die palliative Pflege ein, und ihr Einsatz erfolgt nur auf Wunsch und kostenfrei. Der Verein finanziert sich durch öffentliche Zuschüsse, Mitgliedsbeiträge und Spenden.

Die Arbeit wird gut angenommen. Im vergangenen Jahr wurden 200 Beratungen angeboten und 70 Todkranke und Sterbende mit ihren Familien begleitet. Dabei geht es nicht nur um die Begleitung selbst, in den Gesprächen stehen die Mitarbeiter auch bei praktischen Fragen zur Verfügung und geben Hilfestellungen für den Alltag zu Hause. Ulrike Boldt bestätigt: "Die Betroffenen finden es gut, neue Menschen kennzulernen und können sich so in ihrem letzten Lebensabschnitt auf andere Weise dem Fremden öffnen."

Für Alfons Stappert ist diese Aufgabe dankbar: "Man gibt etwas von sich und erhält viel zurück. Ich sehe mein eigenes Leben heute anders und habe einen Weitblick für die Dinge entwickelt." Seine Kollegin stimmt ihm zu: "Das ist keine oberflächliche Arbeit. Man ist auf einer tieferen Ebene mit der Person verbunden." Beide haben auch gelernt, dass der Tod zum Leben dazugehört. "Das Leben ist viel einfacher, wenn man keine Angst vor dem Tod und dem Sterben hat. Ich nehme jeden Tag sehr viel für mich persönlich aus meiner Arbeit mit", erzählt Stappert.

Die Hospizbewegung sucht immer Menschen, die sich im Verein engagieren und aktiv an der Sterbebegleitung mitwirken wollen. Die Freiwilligen bekommen eine 120-stündige Ausbildung, in der sie lernen, sich zu öffnen. Zudem erhalten sie Einblicke in verschiedene Themen, die unter anderem den Tod, die Sterbebegleitung und die Krankenpflege betreffen. Die nächste Ausbildungsreihe fängt am 5. und 6. November an und dauert fünf bis sechs Monate.

Es gibt keine Voraussetzungen, um mitarbeiten zu können. Ein bisschen Lebenserfahrung sollte jedoch vorhanden sein. Außerdem muss die Bereitschaft vorliegen, sich dem Thema Tod zu stellen und sich mit sich selbst auseinander zu setzen. Auch Empathiefähigkeit ist sehr wichtig.

Ihre Einsätze können sich die Mitarbeiter selbstständig und frei einteilen. Bei der Sterbebegleitung darf jeder die Therapiemethoden wählen, die am besten zu ihm passen und mit denen er sich wohlfühlt. "Das Wichtigste ist, dass sich sowohl die Todkranken und Sterbenden und ihre Familien als auch die ehrenamtlichen Begleiter gut aufgehoben fühlen," fasst Ulrike Boldt die Ziele der Hospizbewegung zusammen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Meerbusch: Begleitung auf dem letzten Weg


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.