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Meerbusch
Beim Malen auch Deutsch gelernt

Meerbusch: Beim Malen auch Deutsch gelernt
In der Ausstellung: Andrea Welb und Helmut Krüger haben unter anderem mit Hamidullah Azimi (v.l.) die Bilder entworfen. FOTO: Ulli Dackweiler
Meerbusch. Künstler und Ehrenamtler haben in der Erstaufnahme mit Flüchtlingen gemalt. Die Kunstwerke sind bis zum 2. April im Pappkarton in Strümp zu sehen.

Ein leeres Boot mit einem Paddel treibt hilflos im blauen Meer. Die idyllische Kulisse mit einem bunten Fisch, sattgrünen Wiesen und einer Kette von Sandbergen, hinter denen die Sonne untergeht, kann nicht darüber hinwegtäuschen, was das Flüchtlingsmädchen Fereshta damit sagen will. Dieses Bild, das auf dem Flyer für die von der Diakonie und "Meerbusch hilft" initiierte Kunstausstellung "Flüchtlinge in Meerbusch" im "Pappkarton" wirbt, stellt nur eines der Erlebnisse dar, die die Kinder aus Syrien, Afghanistan, Persien oder der Türkei auf der Flucht erlebt haben.

Aber neben diesen nachdenklich stimmenden Bildern sind auch Motive zu sehen, die die neue Umgebung zeigen. So hat Zayna eine farbige Stadtlandschaft gemalt und Solomeio ein Bild mit einem bunt geschmückten Weihnachtsbaum. Kunstpädagogin Andrea Welb, die in Zusammenarbeit mit "Freiraum" zu den Kunst-Stunden für die Flüchtlinge neben Wachsmalstiften auch Vorlagen von Kunst-Plakaten mitbrachte: "Da verbirgt sich hohes Potential."

Sie zeigt sich beeindruckt von der Dankbarkeit, die ihr entgegengebracht wird. Diese Erfahrung hat Künstler Helmut Krüger ebenfalls gemacht. Er hat Vorlagen gemalt, die kreativ ausgearbeitet wurden. "Das Malen hilft auch, die Sprache zu lernen." So hat er zu unterschiedlichen Obstsorten die deutschen Bezeichnungen geschrieben und zum Nachsprechen angeregt. Krüger arbeitet auch mit erwachsenen Flüchtlingen und ist begeistert, welche Begabung Hamidullah Azimi aus Afghanistan mitbringt. Der Familienvater hat bereits in der Heimat gemalt und nutzt kleinste Flächen - wie eine Würstchenpappe - um zum Beispiel bis ins Detail ausgearbeitete Landschaftsansichten zu malen. Thomas Brauer, Geschäftsführer des Vereins Freiraum: "Mit diesen Kunststunden tragen wir dazu bei, dass die 24 Stunden auf dem Notfeldbett nicht zu lang werden."

In Meerbusch hat Brauer Unterstützung von 100 Ehrenamtlern. Bettina Furchheim von der Diakonie dankt auch dem Meerbuscher Kulturkreis. Dessen materielle Unterstützung trägt dazu bei, dass das Projekt weitergeführt werden kann. Um die Arbeiten öffentlich zu zeigen - beispielsweise beim Parkfest in Osterath am 1. Mai - wurden großformatige Platten angeschafft. Übrigens wurde in den kreativen Stunden auch gebastelt. Unter der Anleitung von Fatos Grocholl vom Freiraum-Team sind Perlen-Ketten und -Armbänder entstanden. Es bleibt dem Interessenten überlassen, wie viel ihm der Schmuck wert ist. "Das Geld geht direkt an den Künstler", so Brauer.

Die Bilder bleiben bis zum 2. April im Pappkarton, Fouesnantplatz. zu sehen: Di 11-17 Uhr, Do 15.30-18 Uhr, Sa 10.30-13 Uhr.

(mgö)
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