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Meerbusch
Besonders sportlich

Meerbusch: Besonders sportlich
Lukas Hassel (l.) und Matthias sind Freune. Sie haben über den Tennissport zusammengefunden. Im Juli nehmen sie an den Special Olympics teil. FOTO: hjba
Meerbusch. Lukas Hassel aus Büderich und Matthias Kirchhaben aus Osterath haben im Tennissport schon viele Medaillen eingeheimst. Mit ihrer Gruppe "Die Handicaps" im Club Grün-Weiß treten sie im Juli bei den Special Olympics in Neuss an. Von Regina Goldlücke

Matthias Kirch (36) spielt E-Gitarre, besucht regelmäßig einen Tanzkursus und ist ein hervorragender Schwimmer. Lucas Hassel (28) war mal ein begeisterter Hip-Hopper, liebt das Musizieren auf seiner Posaune, bastelt aus Lego-Technik komplizierte Konstruktionen und freut sich im Winter aufs Eislaufen in der großen Ratinger Disco. Gemeinsam gehen die beiden Freunde segeln oder absolvieren Langstreckenläufe wie zuletzt den Düsseldorfer Brückenlauf. Ihre allergrößte Leidenschaft aber ist Tennis - und das Einsammeln von Medaillen, was ihnen immer wieder erfolgreich gelingt.

Wir haben es also mit zwei sportlichen, vielseitig interessierten jungen Männern zu tun. Schön, aber gibt es davon nicht eine ganze Menge? Nein, solche nicht. Denn die Leistungen, die sie vollbringen, sind nicht hoch genug einzuschätzen: Matthias Kirch aus Osterath hat das Down-Syndrom, Lucas Hassel aus Büderich eine andere geistige Einschränkung. Übers Tennis kamen sie zusammen, ihre Mütter kannten sich schon vorher.

Jeden Montag trainieren sie im Neusser Club Grün-Weiß, denn dort gibt es eine Gruppe, die sich "Die Handicaps" nennt. Unter der Obhut des Inklusionsbeauftragten Helmut Kloubertz können seit zwölf Jahren Menschen mit geistiger Behinderung Mitglieder des Tennisclubs werden. Der Verein ist Mitglied im Behindertensport NRW und im Special Olympics NRW, dessen nationales Turnier vom 10. bis 12. Juli in Neuss stattfinden wird - mit behinderten und nicht behinderten Teilnehmern. Dann wollen auch Matti und Lucas wieder antreten und um Medaillen kämpfen.

Bei früheren Wettbewerben haben sie schon mehrfach Gold, Silber und Bronze eingeheimst und sind dabei weit herumgekommen. Matthias Kirch fiebert einem erneuten Sieg entgegen, während Lucas Hassel sagt: "Gewinnen will ich auch. Aber der Spaß am Spiel ist mir noch mehr wert." Seine Familie hat den gebürtigen Brasilianer im Babyalter adoptiert, und nach ihm noch ein brasilianisches Mädchen. Der aufgeschlossene junge Mann arbeitet als Gärtner am Lukas-Krankenhaus Neuss. Ein Job unter dem Dach der gemeinnützigen Werkstätten Neuss, wodurch auch Matthias Kirch, der einen älteren und einen jüngeren Bruder hat, seine Beschäftigung im Hafen fand. Tennis spielt Matti seit 16 Jahren.

Am besten gefällt ihm das Training, bei dem er gefordert wird und etwas lernen kann. Lucas hat die größte Freude an der Bewegung. "Eine geistige Einschränkung geht nicht automatisch mit einer körperlichen einher", sagt Mattis Mutter Marion Kirch. "Aber diese Jungs sind schon sehr besonders, sie sprengen den Rahmen. Ohne elterliche Unterstützung wäre ihr Talent vergeudet. Viele Mütter und Väter können oder wollen das nicht leisten, auch aus finanziellen Gründen."

Der Wermutstropfen für die Mütter: "In Meerbusch werden Sportler wie unsere Jungs nicht genügend beachtet", sagt Marion Hassel. Auch bei der Wahl zum "Sportler des Jahres" würden sie nicht berücksichtigt, das sei in Städten wie Neuss, Kaarst oder Grevenbroich anders. "Es geht ja auch darum, nachfolgenden jungen Eltern ein Beispiel zu geben", ergänzt Marion Kirch. "Sie sollen sehen, was bei entsprechender Förderung alles möglich ist. Für unsere Söhne bedeutet das pure Lebensqualität."

Und: Bald werden Matti und Lucas noch selbstständiger - wenn sie in ein neues Wohnprojekt in Osterath ziehen. Auch das trauen sie sich zu.

Quelle: RP
 
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