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Meerbusch
Blick in die Millionen-Villa

Düsseldorf. Meererbusch ist eine der teuersten Wohngegenden des Landes. Villen kosten durchaus zwei bis vier Millionen Euro. Doch was bekommt man dafür, außer prominenter Nachbarschaft? Protokoll einer Hausbesichtigung. Von Jan Popp-Sewing

Die vielen Fenster der Villa an der Friedrich-von-der-Leyen-Straße sind selbst für Meerbuscher Verhältnisse sehr dick. Lärmschutz? Eher indirekt, denn es handelt sich um Panzerglas. Eingebaut zur Hochzeit der RAF-Attentate, als der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie dort residierte. Auf solche Überraschungen sollte man in den Anwesen rund um Hildegundisallee und Hindenburgstraße schon gefasst sein.

Für Makler ist Alt-Meererbusch das Sahnehäubchen von Meerbusch. Dort liegen sie, herrschaftliche Villen im Verkaufswert ab etwa 1,5 und bis zu vier Millionen Euro. Die Krise hat zwar für einen Rückgang der erzielbaren Preise gesorgt, und gefeilscht wird auch stärker als früher. Aber letztlich, "geht Luxus in Meerbusch immer", wie Makler-Urgestein Dirk Becker gerne formuliert.

Mehrere Häuser in Meererbusch stehen zurzeit zum Verkauf, darunter die weiße Villa an der von-der-Leyen-Straße (Baujahr 1950). Kosten soll sie 1,95 Millionen Euro. Was bekommt man dafür?

Erstmal reichlich Platz. Elf Zimmer verteilen sich auf gut 400 Quadratmetern in zwei Etagen und dem Keller. Kein Schlafzimmer ohne begehbaren Wandschrank. Seltsamerweise ist dieser im "Herren-Schlafzimmer" noch deutlich größer als im Raum für die Dame des Hauses. Vanillefarbener Teppich herrscht vor. Die Türen sind mit mit weißem, italienischen Glanzlack gestrichen und von Blumen-Intarsien geziert. Boden, Türen, Tapeten – alles ist farblich aufeinander abgestimmt, was den Räumen eine helle, einheitliche Note gibt.

Nach dem Passieren der Haustür, dort, wo normale Mietwohnungen in der Regel einen mehr oder weniger engen Flur haben, öffnet sich in der Villa eine 30 Quadratmeter große Empfangshalle – ursprünglich Standort eines Flügels. Daran schließt sich auf 80 Quadratmetern ein Wohn- und Essbereich mit Blick in den Garten an. Makler Kambiz Payandeh (Corpus Sireo) weist beim Rundgang auf die Vielzahl der hohen Fenster hin. Tageslicht fällt in fast jeden Raum und auf die Treppen. Eine erstaunlich fortschrittliche Bauweise für die frühe Adenauer-Ära. Kein Haus von der Stange.

Bei der Kommunikation zwischen den vielen Zimmern hilft ein Netz von Haustelefonen. Der Architekt muss einem gewissen Reinlichkeits-Spleen gefolgt sein. Er sah am Ende neun Toilettenräume, Badezimmer und Duschzellen vor. Plus zwei Pools.

Letzteres wiederum ist nicht ungewöhnlich: Wellness-Oasen mit Schwimmbad und Sauna gehören in der Villenkolonie Meererbusch genauso zum Standard wie leistungsfähige Alarmanlagen. Der Außenpool an der von-der-Leyen-Straße ist zurzeit zugeschüttet und zum Sandkasten geworden. Das Innenbecken ist gut zehn mal vier Meter groß und gerade leer. Die hohen, gläsernen Schiebetüren der Schwimmhalle lassen sich zur rückwärtigen Rasenfläche hin öffnen. "Ideal für sommerliche Gartenpartys", meint Andrea-Michaela Otten, deren Mann das Haus vor einigen Jahren gekauft hat.

Viel im Haus ist auf Repräsentation hin ausgelegt: Der Keller verbirgt eine Extra-Küche nebst Kühlkammer, die auch einer kleinen Metzgerei zur Ehre gereichen würde. An eine Einlegerwohnung für Au-Pair-Kräfte ist ebenfalls gedacht.

Vorteil der 2010er Jahre: Wenn jetzt mal Fenster ausgetauscht werden müssen, kann man inzwischen auf Panzerglas verzichten.

Quelle: RP
 
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